Samstag, 29. Juli 2017

BODY COUNT - MATHEMATIK DES SCHRECKENS (Camping del terrore 1986 Ruggero Deodato)


Auf einem kaum genutzten Campingplatz geht ein maskierter Killer um...


Beste Freunde in nur wenigen Sekunden...

Da das Italienkino sich Mitte der 80er Jahre dem Amerikakino mehr denn je anbiederte, lag die Idee nicht fern noch immer von der langsam abflauenden Teenie-Slasher-Welle zu profitieren, eben weil aus Amerika diesbezüglich langsam weniger Nachschub kam und Italien noch immer einen eigenen Ruf bezüglich des Horror-Genres besaß. Dass dann gleich vier Autoren an einem Streifen werkelten, für ein Sub-Genre welches für seine schlichten Plots berühmt ist, lässt erste unangenehme Vorahnungen entstehen. Als Mitautor der Geschichte und als Regisseur engagiert machte aber zumindest die aktive Beteiligung Ruggero Deodadots Mut, dass man es mit „Body Count“ vielleicht doch mit einem brauchbaren Produkt zu tun haben könnte.

Aber wo ein „Mondo Cannibale 2“ und der im deutschen viel zu reißerisch als „Nackt und zerfleischt“ betitelte indirekte Nachfolger von diesem sichtbar Stoffe waren, die dem umstrittenen Regisseur am Herzen lagen, wirkt „Camping del terrore“ (Originaltitel) dann doch etwas arg wie eine Auftragsarbeit. Zwar ist Deodato auch in einem Mainstream-Produkt wie diesem hier bemüht das erwachsene Publikum zu bedienen, indem er die Morde recht hart inszeniert, aber der lückenhafte Plot ärgert eigentlich viel zu sehr, als dass das wen ernsthaft an einer guten Erzählung Interessierten besänftigen könnte.

Nicht nur dass die Figuren in ihrer geradezu typisch flachen Charakterisierung zu wenig beachtet werden, als dass man sich dennoch mit ihnen halbwegs identifizieren könnte, sie selbst scheinen einander auch nur szenenweise wahrzunehmen, verliert man doch recht schnell den Überblick wer nun tot ist oder nicht und vermisst doch kein noch Lebender, von einigen Ausnahmen abgesehen, je einen der getöteten Personen. Ein ungutes Gefühl macht sich bei den wenigen noch Lebenden aufgrund der schrumpfenden Population auch nicht breit. Und neben der sprunghaften Inszenierung, die uns in kleinen Kapiteln stets Jugendliche bei ihrem Alltagsgeschehen zeigt, gibt es zur vollkommenen Verwandlung in die Gleichgültigkeit alles Gesehenen zudem noch Szenen aus der Erwachsenenwelt zu sichten, die ebenfalls lediglich wie Füllmaterial wirken.

So will „Body Count“ in seiner szenengetrennten Erscheinung nie wie ein Ganzes wirken. Dank zu dünn angegangener psychologischer Cleverness in der zweiten Reihe und zu motivationslosen Darstellern bekommt Deodatos Slasher unter solchen Bedingungen nie genügend Schwung um zu gefallen oder tatsächlich langfristig zu interessieren. Es ist der stimmungsvollen Umsetzung des Regisseurs zu verdanken, dass sich dieses Flickwerk von Slasher trotzdem noch halbwegs brauchbar guckt.


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