DAS SCHLOSS IM SPINNWEBWALD (Kumonosu-jô 1957 Akira Kurosawa)


Ein böser Geist erscheint dem tapferen Samurai Taketoki und seinem Freund Miki und prophezeit ihm u.a., dass er Fürst des Schlosses am Spinnwebwald werden wird. Taketoki hilft per Mord und Lüge nach, dass sich die Prophezeiung erfüllt, aber Unheil liegt in der Luft...


Der alte Mann und das Spinnrad...

Akira Kurosawa verlagert die klassische Macbeth-Geschichte Shakespeares nach Japan und liefert damit eine besonders frühe und andersartige Version des berühmten Stoffes ab. Ich kenne mich mit der legendären Erzählung überhaupt nicht aus, kann also keine Vergleiche ziehen, „Das Schloss im Spinnwebwald“ ist jedoch eine sympathische Geschichte über das schlechte Gewissen und den Übermut, über eben jene Tür, die einmal geöffnet nie mehr geschlossen werden kann. Das kommende Unheil ist stets präsent, da ist auch das Schwarz/Weiß, in welches das Werk abgefilmt ist, diesbezüglich hilfreich. Die weit aufgerissenen Augen und die überagiert auf Theaterbasis gespielten Mimiken und Betonungen des Hauptdarstellers unterstützen es ebenso, Subtilität ist nicht immer die bessere Wahl.

Kurosawa schafft es die an sich simple Erzählung um Verrat, Schuld und Rache ereignisreich zu erzählen. In ruhigen Phasen weiß der Spinnwebwald so undurchdringbar zu wirken, wie es stets von ihm heißt, die Nutzung von Nebel hilft diesbezüglich gut. In lauteren Szenen darf man erstaunt sein wieviel Statisten Kurosawa seinerzeit aufgetrieben bekam. Und die Stereotype, die sämtliches Szenario beherrschen, gefallen aufgrund ihrer Abgründe und Hinterhältigkeit. Es ist toll mit anzusehen, wie die Frau Taketokis ihren Mann als Verführerin manipuliert und sämtliche Schandtaten in die Wege leitet. Nach und nach wird aus einem Ehrenmann ein selbstüberschätzter Egomane, der nur verlieren kann. Von seinem urprünglichen Ich ist nichts mehr übrig geblieben.

Die Fantasyelemente werden überraschender Weise recht klein gehalten. Neben dem Geist und seinen Prophezeiungen darf man noch zwei übernatürlichen Szenen zum Thema Blut beiwohnen, je nach Auslegung ließen sich jedoch beide auch weltlich erklären. Ein unheimlicher Touch liegt ebenfalls nur selten über dem Film, dafür ist das Treiben der Samurai zu laut ausgefallen. Hier wird, wie typisch für die Japaner, ein aufbrausender Charakter auch dann noch brüllend eingefangen, wenn er in Ruhe mit seiner Frau diskutiert. Da können auch die schönen Aufnahmen des düsteren Waldes nicht gegen halten, zumal die Schlosslocation im Gegenzug recht simpel ausgefallen ist.

Ohnehin ist „Komonosu-jô“ (Originaltitel) nicht gerade in aufregende Bilder getaucht. Und das Erwähnen unheilvoller Dinge liefert ohne weiteren Rückhalt auch nicht genügend unheimliche Atmosphäre. Das geht schon in Ordnung, „Das Schloss im Spinnwebwald“ ist trotzdem interessant erzählt, und das muss man erst einmal leisten bei einer Geschichte, die von etwas handelt, welches der böse Geist uns zuvor mitgeteilt hat. Letztendlich lebt der Film vom eigenen Spoiler. Die Geschichte schaut sich gut, eben weil man weiß wohin das alles führt. Darüber sollten Bewunderer des Streifens einmal nachdenken, wenn sie sich das nächste Mal darüber aufregen, dass ihnen jemand einen Film spoilert. Nur selten schadet dies tatsächlich dem Sehwert, denn man erhält im Austausch dazu einen anderen Sehwert als beim unwissenden Sichten.

Wie auch immer, optisch wie inhaltlich ist „Das Schloss im Spinnwebwald“ ein simpler, wie sympathischer Film geworden, der, sicher auch Aufgrund des Alters der Vorlage, nichts neues zum Thema schlechtes Gewissen und Verrat beizutragen hat und die Moralkeule am Ende ähnlich deutlich schwenkt wie es für US-Filme eher typisch ist, wenn das was wir aus der Geschichte lernen sollen in einem Lied noch einmal mit erhobenem Zeigefinger zusammengefasst wird. Filmhistorisch lohnt sich ein Blick ebenso wie vom Unterhaltungswert her, ein bedeutenderes Werk habe ich aufgrund des hohen Rufes des Streifens dann aber doch erwartet.


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