2017/10/15

CAMP EVIL (Welp 2014 Jonas Govaerts)


Eine belgische Pfadfindergruppe reist nach Frankreich. Um sich nicht mit aggressiven Prolls aus der Gegend anzulegen, verlegt man den geplanten Campingort auf eine Lichtung im Wald, nichts ahnend, dass in diesem jemand lauert, der ihnen nach dem Leben trachtet...


Nicht nur nette Väter bauen Baumhäuser...

Was wirklich Originelles erzählt „Camp Evil“ nicht. Innovationen braucht man nicht zu erwarten, ganz im Gegenteil wird eigentlich nichts erzählt, was es nicht schon oft im Genre des Horrorfilms zu sehen gegeben hätte. Zwar mag die Eingangssequenz mit ihrem Elektronik-Gymmick und einige wenige weitere ähnliche Szenen im ersten Drittel der Story darüber hinwegtäuschen, dass man hier nur den ganz klassischen Backwood-Slasher erzählt - immerhin erwartet man eine Art „The Cabin in the Woods“-Kick, der das bereits Bekannte um eine Stufe erweitern soll - aber das bleibt Blende und lässt das klassisch Entartete, welches den Campern nach dem Leben trachtet, lediglich eine Spur moderner erscheinen als üblich. Warum sollte sich ein Hinterwäldler auch nicht mit Elektronik auskennen, wenn er doch vor dem Niedergang einer Busfabrik für gerade eben jene gearbeitet hat, zumindest wie es scheint, bestätigt wird das innerhalb der Geschichte freilich so nicht?

Es ist jedoch nicht nur der Zugang zur Technik, der den Bösewicht des Films anders wirken lässt als Leatherface, Jason und Konsorten. Trickreich ausgetüftelte Fallen zeugen von einem höheren Intelligenzgrad. Und dass sich trotz des strengen Einhaltens von Horrorfilmregeln, inklusive der moralischen Pflichttoten, „Welp“ (Originaltitel) trotz allem nicht so richtig wie „Freitag der 13.“ und Co anschaut, liegt am europäischen Herkunftsland, welches uns die Geschichte für unsere Augen realitätsnäher präsentiert, wenn auch nur im Verhalten der potentiellen Opfer zutreffend. Die Charaktere fühlen sich echter an, sie ersaufen nicht in Ami-Klischees. Mehr als Stereotype vertreten sie in der Regel zwar ebenfalls nicht, aber es sind uns bekannte Verhaltensmuster, die sie an den Tag legen, bemerkbar in den Nebensächlichkeiten die sie treiben und im authentisch wirkenden Umgang miteinander.

Das schaut sich erfrischend anders, ohne dass man das Ergebnis gleich über den grünen Klee loben muss. Im Kern erzählt Govaerts Werk die typisch stumpfe Horrorgeschichte wie jeder Genrebeitrag um Camper, die Hinterwäldlern in die Falle tappen. Es ist jedoch die Nähe zum Pfadfindergeschehen, welches das hohle Konstrukt mit mehr Leben füllt. Die Kindergruppe lernen wir ähnlich gut kennen, wie die Erwachsenen des Camps. Wir nehmen an ihrem Leben teil, lange bevor sie mit der lauernden Gefahr konfrontriert werden. Und diese schlägt zudem ziemlich spät zu, merkten die Verantwortlichen des Stoffes doch, dass es zunächst doch viel interessanter ist den Außenseiter der Kindergruppe einen Wolfsjungen in den Wäldern kennenlernen zu lassen. Erst wenn die beiden sich einander genähert haben, ist der Stoff reif für den Konflikt, der das eigentliche Horrorgeschehen in die Gänge bringt.

Für den ungeduldigen Teil Zuschauer werden anhand von Randfiguren trotzdem die ein oder anderen Morde zuvor gezeigt. Das ist ein ähnlicher Fehler wie das Zeigen der Ereignisse, die in der Eingangssequenz zu sehen sind. Die Geschichte wäre ohne diese Momente durch die Schwerpunkte der sonstigen Erzählung viel effektiver, eben weil man dann nicht schon von dem maskierten Jungen und einem bulligen Mann wüsste, die im Wald hausen. Das nimmt der Geschichte das geheimnisvolle, welches den Sehwert bei ansonsten gleicher Herangehensweise enorm erhöht hätte. Aber so ist das eben, wenn man sich einem Publikum anbiedert. Davor sind nun einmal leider auch europäische Filme nicht geimpft. Schade eigentlich!

Dank einer stimmigen Atmosphäre, einer wirkungsreichen Location und dank funktionierender Figuren ist „Cub“ (Alternativtitel) trotz bekannter Geschichte ein interessantes Stück Film geworden, welches erst im Finale ein wenig an Reiz verliert, wenn der Autor den Geschehnissen immer noch eins drauf setzen muss, in erster Linie um den Gorehound mit brutalen Bildern zu beglücken. So schön sich diese auch schauen, die erzählerische Stärke allem Vorangegangenen besitzt das Finale nicht mehr, eigentlich jene Phase im Horrorfilm, in der alles noch einmal hochbrodeln muss. Das tut es theoretisch auch, rein vom Horroraspekt her geht nun mehr denn je die Post ab. Aber die Geschichte verliert ihre Bodenständigkeit, und schneller als es dem Autor lieb ist, erkennt man auch warum dem so ist. Die vorhersehbare Schluss-Pointe muss eingeleitet werden und opfert das zuvor sympathisch Erzählte für (zugegebener Maßen nett anzuschauende) Horrorroutine. Ich wünschte Horrorfilme hätten wieder mehr Mut sich gegen die Mainstreamregeln und Horrorfanwünsche zu richten. Dann wäre sicherlich auch wieder mehr Sehenswertes darunter was es zu entdecken gäbe.


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