Freitag, 13. Oktober 2017

DIE ABENTEUER DER MAUS AUF DEM MARS (1975 Miklós Temesi)


Eine Maus landet versehentlich auf dem Mars, wächst dort zur Übergröße heran und erlebt so einige Abenteuer...


Tränenreiche Befruchtung...

Mit simplen aber liebevoll gestalteten Zeichnungen versehen erzählt „Die Abenteuer der Maus auf dem Mars“ kindgerechte Geschichten in Form von 5-Minütern. Die Figuren selbst brabbeln auf verspielte Comic-Art vor sich hin, um Sprache zu simulieren, eine Sprecherin mit sanfter Stimme erzählt was passiert, so dass sich das Anschauen der Serie wie das Vorlesen aus einem Bilderbuch schaut. Rein pädagogisch gibt es da nichts zu maulen, selbst jüngsten Kindern kann man die in Budapest fertiggestellte, mitunter deutschfinanzierte, Serie bedenkenlos vorführen.

Zunächst wird der Mars als trostloser Planet eingeführt, auf dem die Maus sehr einsam ist. Durch ihre Übergröße verursachen ihre Tränen eine Überflutung, welche den Planeten fruchtbar macht, und so wird der Mars ein angenehmerer Lebensort als zunächst vermutet. Anfangs muss die Maus trotzdem mit sich selbst zurecht kommen, was sie langweilig und traurig stimmt, aber bereits nach wenigen Episoden werden ohne Erklärungen weitere Figuren eingebracht, man merkte wohl, dass sich ansonsten nicht viel erzählen lässt, selbst dann wenn die Maus so allerhand der Geschichten lediglich träumt. Woher mit einem Mal ihr Freund, der Maulwurf, auftaucht, erfährt man leider nicht. Auch wenn jede Geschichte für sich steht, so wäre es doch schön gewesen einer Episode beizuwohnen, in welcher sich die beiden kennenlernen.

Kindgerecht werden phantasievolle Geschichten erzählt, in denen mal bewusst Selbstverständlichkeiten aus der Erde zum Alltag gehören, andere Faktoren jedoch entfremdet oder komplett neu erfunden werden, um den geheimnisvollen Spielort hervorzuheben, bzw. die Maus vor Probleme zu stellen, die es zu lösen gibt. Hin und wieder gibt es kleine gesellschaftspolitische Aussagen. Oftmals muss die Maus um ihre Freiheit bangen, z.B. in jener der wenigen Episoden, die eine längere Laufzeit hätten vertragen können, landet dort doch die Maus in der Gefangenschaft eines Wissenschaftlers, der Sternenputzer in Käfigen hält, um mit deren Leistung eines strahlenden Nachthimmels vor der Welt zu prahlen.

Gelegentlich bekommt die Maus auch unerwartet Besuch von der Erde. Dem Mars entkommen kann sie trotzdem nicht. So gemütlich wie sie es sich auch auf der neuen Heimat einrichtet, am liebsten würde sie nach Hause zurückkehren. Mit diesen und vielen anderen Bedürfnissen sind die Geschichten stets nah am Empfinden ihres Zielpublikums angelegt. Dass sich stets Widersprüchlichkeiten zwischen den Episoden auftun und auch im Regelwerk der innereigenen Logik, verzeiht sich von selbst aufgrund des liebevoll erreichten Selbstzwecks und aufgrund dessen, dass dieser wackelige Zustand zwischen erfundener Welt und Bodenständigkeit grundsätzlich Bestandteil in Kinderfilmen und der Kinderliteratur ist, die derartiges in Kauf nehmen, um sich den Wichtigkeiten des Stoffes zu stellen: der Aussage, die man mit der Erzählung tätigen will.

Man müsste schon ein Miesepeter sein, um aufgrund dessen „Die Abenteuer der Maus auf dem Mars“ nicht mögen zu können, ist die TV-Serie doch höchst liebevoll und einfallsreich ausgefallen. Ihre Geschichten sind kindgerecht und gleichzeitig interessant erzählt und dies auf eine Laufzeit gebracht, die auch jüngere Kinder nicht überfordert. Ob mit Robotern und Marsmenschen, ob gegen Reporter oder Zoowärter, ob mithilfe des Maulwurfs oder eines Traumballonherstellers, stets erlebt die Maus allerhand für Kinder verständnisvolle und begreifbare Geschichten, welche die eigene Phantasie anregen, anstatt es darauf anzulegen übertrieben lehrreichen Stoff anzubieten. Gerade in heutigen Zeiten der Leistungsgesellschaft hebt sich eine solche Serie lobenswert vom überpädagogischen Handeln vieler Eltern erfreulich ab. „Die Abenteuer der Maus auf dem Mars“ fördert die Muße der Kinder und ihre Kreativität, auf der natürlich vorhandenen Wissbegierde der Kinder aufbauend.


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