EVIL TOONS (1992 Fred Olen Ray)


Vier Frauen stoßen bei ihrem Auftrag ein Haus zu säubern im Keller auf ein altes Buch, aus dem sie versehentlich einen Comic-Dämon erwecken...


Tanz der Toons...

Nicht häufig, aber gelegentlich, werden Zeichentrick und Realfilm vermischt und es entstehen Werke wie „Elliott, das Schmunzelmonster“, „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ und „Space Jam“. Dass sich einmal ein Trashfilmer dieser Idee für einen Horrorfilm annehmen würde, überrascht, kann man besagter Person jedoch nicht verübeln, so verlockend wie die Idee klingt. Wer jedoch ernsthaft auf tricktechnische Qualitäten professioneller Produktionen hofft, der geht etwas arg naiv an diesen Stoff heran, ist es doch ein B-Film und zudem noch einer in den Händen von Vielfilmer Fred Olen Ray, dem nur sehr selten funktionierender Schund gelang. Meist kommen eher Gurken wie „Biohazard“ dabei heraus, ein Jim Wynorski oder Charles Band ist Ray wahrlich nicht.

So braucht es auch nicht verwundern, dass der lockende Aufhänger eher Blende als Tatsache ist. Das beginnt damit es, im Gegensatz zu dem was uns der Titel weißmachen möchte, nur mit einem Toon zu tun zu haben, und das mündet in der Idee, dass der Toon kurz nach seiner Freilassung den Körper eines der Teenie-Mädels besetzt und somit als Zeichentrickfigur kaum noch vorkommt. Die Momente, die man zuvor mit ihm zu Gesicht bekam, sind freilich erbärmlich animiert, was in einem B-Trasher aus finanziellen Gründen wohl auch nicht anders geht. Aber zumindest geht die Figur selbst bei schlichter Erwartung als akzeptabel durch, zumal es als Monster nie ernstgenommen werden soll. Dennoch war es im 10 Jahre später folgenden Versuch, sich auf Independentfilmbasis dem Thema mit dem Film „Terror Toons“ zu nähern, eine wesentlich bessere Idee mit ausgeflippten Halloweenmasken zu arbeiten, anstatt die Toons tatsächlich Zeichentrickfiguren sein zu lassen.

Auf diese Idee kam Ray zwar nicht, aber wie erwähnt ist dies eigentlich ohnehin egal, so sehr wie der Comic-Dämon optische Nebensache ist, auch wenn er das zentrale Böse des kompletten Filmes in Person von Roxanne ausmacht. Diese wurde, wie unschwer zu erkennen, aus dem Pornobereich geangelt, ein Fakt mit dem Ray allein schon bei der Namensgebung seiner Mädels verschmitzt spielt, trägt doch keine der Reinemachefrauen einen vernünftigen Vornamen. Dies ist nur ein Beispiel dessen, wie humorvoll man an „Evil Toons - Flotte Girls im Geisterhaus“ (Alternativtitel) herangegangen ist, was auch ganz gut so ist, bleibt nach Verschwinden des Toons doch nur die klassische Geschichte dreier Mädels, die sich einem Dämon zur Wehr setzen müssen.

Ray macht sich die Klischees und Fehler des Horrorgenres zu Nutze und gibt diese nicht ansatzweise subtil der Lächerlichkeit preis, sondern durch direktes Benennen besagter Faktoren und durch höchst albernes Agieren wirklich jeden Beteiligten vor der Kamera. Jede Frau darf im Laufe des Films irgendwann einmal nackt werden, Porno-Darstellerin Madison darf Grimassen schneiden und Körperkomik zum Besten geben, und die älteren Mimen machen sich ebenfalls zum Kasper, jedoch etwas würdevoller und gleichzeitig beschämt wirkend. Überzeugt hat diese Leute wohl nur das Taschengeld, welches es mit den Spielen der jeweiligen Rolle zu verdienen gab. Gerade David Carradine sieht man überdeutlich an, dass er nicht wirklich Lust hat sich in seine Rolle hineinzuversetzen. Mit halber Backe agiert er aber immer noch besser als jeglicher Jungmime im Film.

Die Rechnung geht dennoch auf. Eben weil sich „Evil Toons - Flotte Teens im Geisterhaus“ (Alternativtitel) zu keiner Zeit ernst nimmt und die Spielzeit recht kurz ausgefallen ist, lässt sich das billig heruntergekurbelte Treiben überraschend angenehm gucken, zwar immer ein wenig zu bemüht darin wirkend lustig zu sein und darin auf Genreklischees zu verweisen, als kleiner Schundfilm ist er aber durchaus gourtierbar.

Vier Jahre nach „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ wird es nicht gerade dieser Film gewesen sein, auf dessen Erfolg Ray erst Jahre später aufspringen wollte. Schaut man sich das unheimliche Buch an, mit dem das Böse in Rays Film überhaupt erst in unsere Welt gelangt, werden nicht nur inhaltlich Parallelen zu „Tanz der Teufel“ deutlich. Auch das ledernde Gesicht, welches den Umschlag kleidet, klaut äußerlich hemmungslos vom großen Vorbild, dessen Geschichte man sich in schlichterer Form ohnehin komplett bedient hat, ohne in irgendeiner Form dankend darauf zu verweisen. Es muss also nicht wundern, dass „Evil Toons“ im selben Jahr von „Armee der Finsternis“ erschien, dem dritten Teil von Raimis tanzenden Teufeln. Zufall ist das wohl kaum.

Viel Wind muss man nicht um diesen Diebstahl machen. „Evil Toons“ ist ein unbedeutendes Schnellschussprodukt, welches mit seinen Vorbildern in keinster Weise konkurrieren kann. Und die Geschichte besteht ohnehin nur aus Versatzstücken des Genres, die schon seit Jahrzehnten immer wieder verwendet werden. Etwas Neues wird man in Rays Film nicht erleben - mit Ausnahme des minimalen Zeichentrickaspektes innerhalb eines Horrorfilmes. Es ist eher dem Zufall geschult, dass „Evil Toons“ bei geringer Erwartung dem Schundfilm-liebenden Zuschauer zu gefallen weiß. So routiniert wie alles angegangen wurde, hätte es auch ein Langeweiler werden können. Schön dass dem nicht so ist.


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