LOST AFTER DARK (2014 Ian Kessner)


Anstatt am öden Schulfest teilzunehmen, klauen einige Teenager den Schulbus, um einen Trip nach ihrem Geschmack zu gestalten. Doch der Sprit ist schneller leer als sie denken, und das Haus in dem sie kurz danach unterkommen beherbergt ein eigenes, düsteres Geheimnis, welches sich bald mörderisch auf die unerwünschtenen Gäste niederschlägt...


Eine ernste Konkurrenz für Ed Rooney...

Es ist gar nicht so leicht eine Besprechung zu „Lost After Dark“ zu schreiben, macht er im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, welche die 80er Jahre wiederbeleben bzw. ehren wollen, doch theoretisch das meiste richtig. Zugegeben, da werden gerne Moden der 70er und 80er Jahre durcheinander gebracht und manchmal wurde auch nicht richtig recherchiert (wenn z.B. jeder Schüler sich aufs Kiffen freut, obwohl dies damals nur die Freaks taten). Auch mag der Killer mit seinem bärtigen Aussehen nicht wie ein Jason wirken, aber dies wird durch sein zunächst sparsames Auftreten recht gut kaschiert. Nein, generell kennt Regisseur Ian Kessner in seinem Langfilmdebut die Regeln des amerikanischen Slashers und hält überraschend brav die 80er Jahre Sehgewohnheiten ein - und doch will der Film um einen Kannibalen, der in einem verlassenenen Wohnhaus am Rande des Waldes haust, nicht richtig funktionieren.

Noch während der Film lief rätselte ich mit einem Freund, woran es liegt dass „Lost After Dark“ nicht fruchten möchte, hält er sich doch ziemlich genau an die Vorgaben der vielen gelungenen Fortsetzungen von „Freitag der 13.“. Dort gingen die Charaktere und Sympathien zu den jugendlichen Figuren nicht viel tiefer als hier, und auch ein Spannungsbogen war nur selten vorhanden. Trotzdem funktionierten diese Filme auf ihre eigene Art, und dem sympathischen kanadischen Versuch dieses Feeling aufleben zu lassen, will es trotz kompatibler Hintergrundmusik, stimmiger Location und dem richtigen Gefühl für harte, aber nicht zu übertrieben zelebrierter Mordszenen einfach nicht gelingen daran anzuknüpfen.

Sicher mag die unfreiwillig an „Ferris macht blau“ erinnernde Figur des übertrieben selbstbewussten Schuldirektors, mit seinem Drang auf persönliche Vergeltung, ein wenig fehl am Platz wirken, irgendwo pendelnd zwischen unfreiwillig komisch und augenzwinkernd gewollt komisch in einem ansonsten ernst geratenen Film. Aber so sparsam wie dieser eingesetzt wird, macht so etwas einen solchen Film eigentlich auch nicht kaputt, zumal „Freitag der 13. 5“ mit ähnlich übertriebenen Randfiguren ebenfalls auf schwächerer Stufe zu funktionieren wusste. Außerdem wird der Direktor, der anbei vom „Terminator 2“-Bösewicht Robert Patrick verkörpert wird, gegen Ende recht interessant ins Geschehen eingebettet, aber da befinden wir uns ohnehin im Finale, welches mein Mitzuschauer ebenso gelungen fand wie ich selbst. Hier will „Lost After Dark“ endlich funktionieren, leider zu spät um das Ruder noch wenden zu können.

Zumindest bleibt einem „Lost After Dark“ damit nicht als eines der vielen unangenehmen Werke zum Thema Slasher in Erinnerung, sieht man ihm das Herz am rechten Fleck doch an und bedauert man es als Fan der Ur-Phase des Slashers doch, dass der engagierte Versuch diese wiederzubeleben, aus welchen Gründen auch immer, nicht fruchten mag (ich rätsel immer noch woran es liegt). Man ärgert sich nicht über die Sichtung und schimpft nicht über das was falsch gemacht wurde. Der einzig wirklich unnötige Fehler findet sich erst nach dem Finale, wenn der Hintergrund der Geschehnisse plötzlich benannt werden muss, obwohl sich dieser während des kompletten Filmes ohnehin nach und nach herauskristallisiert hatte. Das wirkt angehangen und doppeltgemoppelt zugleich und bereichert in seiner plumpern Art auch nicht die Mystik der Geschehnisse, so wie dies eine Lagerfeuergeschichte zu Beginn von „Freitag der 13. 2“ schaffte. Wie auch immer, „Lost After Dark“ bleibt für mich ein ungelöstes Rätsel, an das ich trotz mittelmäßigem Ergebnis mit Sympathie zurückblicken werde.


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