Samstag, 31. März 2018

DIE BESTIE MIT DEN FÜNF FINGERN (The Beast with Five Fingers 1946 Robert Florey)


Der einarmig spielende Pianist Francis Ingram stirbt wenige Stunden nachdem er sein Testament geändert hat. Wenige Tage darauf kommt es zu einem Todesfall durch Erwürgen. Kurz vor der Tatzeit wurde das unverkennbare spezielle Stück Ingrams auf dem Klavier gespielt. Und nur seine Fingerabdrücke finden sich am Tatort. Als man zudem im familiären Mausoleum die Entdeckung macht, dass der Leiche von Ingram jene Hand fehlt, die nicht gelähmt war, vermuten die Hinterbliebenen und der ermittelnde Kommissar, dass sich der Geist des Pianisten mit Hilfe seiner umher wandernden Hand dafür rächen möchte, dass sein aktualisiertes Testament angefochten werden soll...


Zu viel Lesen ist nicht gesund...

Während in dem legendären Stummfilm "Orlacs Hände" ein Pianist in den Wahnsinn abzurutschen drohte, da ihm die Hände eines hingerichteten Mörders implantiert wurden, darf im 22 Jahre später entstandenen "Die Bestie mit den fünf Fingern" die Hand eines Pianisten höchst persönlich für Schrecken sorgen. Das Drehbuch von Curt Siodmak lässt in der Erzählform eines Grusel-Krimis gekleidet dabei lange Zeit offen, ob wir es mit einem menschlichen Mörder zu tun haben, der die restlichen Leute lediglich an der Nase herumführt (was herzlich zum freudigen Mörderraten einlädt), oder ob der Hintergrund übernatürlicher Herkunft ist und tatsächlich Ingrams Hand umgeht, um Rache aus dem Jenseits zu nehmen.

Zwar ist "The Beast with Five Fingers" (Originaltitel) beileibe keine Horrorkomödie geworden, aber der augenzwinkernde Umgang der theoretisch gruseligen Geschehnisse ist nie zu übersehen. Die Schlusspointe in der letzten Szene bleibt unvergessen, und der Kommissar darf dieser noch einen direkt dem Publikum Auge in Auge zugespielten Schluss-Gag nachreichen, was den Streifen humorvoller ausklingen lässt, als er trotz jeglichem schelmischen Unterton zuvor eigentlich war. Ob man sich für den augenzwinkernden Umgang mit der Thematik entschied aufgrund der Zeit kurz nach dem zweiten Weltkrieg, oder deshalb weil man der Geschichte einer allein umher wandernden Hand nicht zutraute wahren Grusel zu erzeugen, mag einmal dahingestellt sein. Zumindest schaut sich "Die Bestie mit fünf Fingern" (Alternativtitel) in dieser leichten Inszenierung sehr angenehm, während besagter Stil ihm gleichzeitig den Weg in die Liga der bedeutenden Horrorfilme seiner Zeit verwehrt.

Bekannt ist Robert Floreys Vorlage künftiger Horrorfilme wie "Die Hand", "Body Parts" und der besseren Episode von "Quicksilver Highway" nicht geworden, vielleicht weil er selbst im Schatten besagten Stummfilms stand. Aber ich denke auch ohne diesen besitzt "Die Bestie mit den fünf Fingern" nicht das Potential zu mehr als lediglich das Stück angenehme Unterhaltung für zwischendurch zu sein. Dafür fehlt es dem Film an echten Highlights, so leichtfüßig wie er fast belanglos von einem sympathischen Szenario zum nächsten hüpft, deutlich getragen vom Charme der Charaktere und dem gelungenen Spiel Peter Lorres, der zwischen den großen Namen Vincent Price und Christopher Lee, ähnlich wie Peter Cushing, immer etwas unterging.

Hervorragend sind einzig die Spezialeffekte der selbstständigen Hand zu nennen, die sich erst gegen Ende häufen und dabei immer wieder neue Höhepunkte erreichen. Ein Teil der Tricks erweist sich als Erweiterung jener Technik aus "Der Unsichtbare", aber sie wirken für damalige Verhältnisse in den recht schwierigen Szenarien wirkungsreicher denn je. Wenn die Hand aus einem brennenden Kamin krabbelt, oder von einer Taste zur nächsten schwebend das berühmte Klavierstück ihres berühmten Besitzers spielt, dann weiß das heute noch mit Retroaugen zu beeindrucken. Es spricht für den Film, dass er nicht einzig von seinen tollen Trickeffekten lebt, weg denken möchte man sie sich in diesem herrlich charmanten, unschuldig scheinenden Film, jedoch auch nicht, entschädigen sie doch für manch vorhersehbaren Teil gegen Ende und bieten sie doch einer ohne sie zu uninteressant ausgefallenen Phase nach der Auflösung den nötigen Rückhalt, dass das Treiben kurz vor Schluss doch noch sehenswert bleibt.


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