EMIL UND DIE DETEKTIVE (1931 Gerhard Lamprecht)


Auf seiner Zugreise nach Berlin wird der kleine Emil von einem Fremden bestohlen. Um sich das Geld, das für die Oma bestimmt war, zurückzuholen verfolgt Emil den Gauner durch Berlin und wird von einer Kinderbande unterstützt, die gerne Detektiv spielt. Um den Dieb dingfest zu machen mobilisieren sie sämtliche Kinder der Stadt und schaffen es so schließlich, den Bösewicht zu überführen...


Emil und das Vorkriegs-Berlin...
  
Erich Kästners beliebtes Kinderbuch "Emil und die Detektive" wurde bislang fünf mal verfilmt (3 mal in Deutschland und je ein mal in England und den USA). Gerhard Lamprechts Version aus dem Jahr 1931 ist die erste und überrascht Nichtkenner dieser Zeit mit dem lockeren Grundton einer aufgeklärten Zeit und kecken Kindern mit ebenso frecher Zunge wie heutzutage. Besonders der vergleichsweise dunkle Grundton im Gegensatz zu den fröhlicheren anderen Verfilmungen weiß zu gefallen. Mag "Emil und die Detektive" auch nicht so düster ausgefallen sein wie der 50er Jahre "Peterchens Mondfahrt", die Art wie der Fremde, gespielt von Stummfilm-Legende Fritz Rasp, eingeführt wird, dürfte Emils Unbehagen stark verinnerlichen, möchte man dem unangenehmen Knilch doch auch als Erwachsener nur ungern gegenüber sitzen. Ansonsten ist der Film aber auch mit weichgekochten Augen von heute kindgerecht ausgefallen und weiß zu gefallen.

Ich habe die 50er Jahre-Verfilmung des Stoffes zuvor gesehen und kenne die Buchvorlage nicht, so dass Lamprechts Version zusammengestrafft wirkt, läuft sie doch schließlich auch nur 69 Minuten. Aber alles was wichtig ist ist drin, unverfälscht wirkend im Gegensatz zur 1964er und 2001er Version, wofür ein Blick auf derer Trailer reicht, biedern sie sich doch beide unangenehm auf unterschiedlichem Wege ihrem Zeitgeist an, wohingegen die hier besprochene Version, die zwei Jahre nach Erscheinen der Buchvorlage gedreht wurde, geradeaus das erzählt, was es zu erzählen gibt, sich darauf verlässt dass die Geschichte der Vorlage Stärke genug ist und lässt ohne neumodischen Schnickschnack Kinder einfach Kinder sein. Dementsprechend echt wirken die kleinen Stars, aber das ist ebenso der Fall bei der Großmutter und anderen Randfiguren, so dass Rasps düster schelmisches Spiel des Diebes inmitten normal agierender Mitspieler um so mehr wirken kann.

Mit Vergleich der anderen Versionen des Stoffes gewinnt die Verfilmung von Gerhard Lamprecht, der es von 1920 bis 1958 auf 64 Filme schaffte (darunter "Meines Vaters Pferde", "Die Buddenbrocks" und "Madonna in Ketten") an zusätzlichem Sehwert, gerade mit Blick auf die ebenfalls gelungene 50er Jahre-Version, eben weil beide ihre Vorzüge besitzen, die hier besprochene Verfilmung durch sie zwar keine Schwächen erhält, aber fehlende Möglichkeiten offenbart, ganz zu Schweigen vom verschiedenen Zeitgeist mit Blick auf das Vorkriegs-Berlin und dem Nachkriegs-Berlin besagter dritter Verfilmung. Aufgrund seiner Enstehungszeit hinterlässt auch der bittere Gedanke wie es zwei Jahre später in Deutschland zugehen sollte, eine dunkle Wolke über dem eigentlich freiheitsbejahenden und mündigen Grundton der Geschichte, was sich zumindest bei mir nicht so einfach abstellen ließ, gerade mit Blick auf die fröhlichen Kindergesichter.

Die Ruppigkeit der Kinder untereinander kommt in der ersten Verfilmung deutlicher zum Vorschein, gerade mit Blick auf den Kampf um die Anerkennung von Pony Hütchen, der einzigen Mädchenrolle der Geschichte, deren Umgang diesbezüglich weit ehrlicher erscheint als in moralischer bedeckten Versionen. Dass dieses beiläufige Thema trotzdem völlig kindgerecht bleibt, zeigt umso mehr wie unnötig das Drumherumreden solcher Empfindungen in Konkurrenzprodukten ist und lässt "Emil und die Detektive" auch in diesem Punkt besonders ehrlich und authentisch erscheinen. Dass die Buchvorlage auf jeglichem phantastischem Schnickschnack verzichtet, unterstreicht eine solche Wirkung freilich. 


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