DIE WONDER BOYS (Wonder Boys 2000 Curtis Hanson)


Grady ist Englischprofessor, hat vor Jahren ein sehr erfolgreiches, hoch angesehenes Buch geschrieben und sitzt seit dem an seinem unfertigen, arg lang ausgefallenen, aktuellen Wälzer. Während einer Party fällt ihm der talentierte James ins Auge, der seinen Kurs besucht, und dank ungewöhnlicher Umstände, die damit beginnen dass James den Hund von Gradys Geliebter erschießt, verbringen die beiden einige intensive Tage miteinander. Über das Begreifen des schwer zu greifenden Phänomens des wunderlichen, aber hochbegabten James erkennt Grady, dass er im Laufe der Zeit aus der Spur geraten ist und findet einen Weg wie er sein Leben wieder in den Griff bekommen kann...


Vernon und die Jacke Monroes...

In seiner empathisch erzählten, meist ruhigen Art könnte "Die Wonder Boys" eine ganz typische Arthouse-Komödie sein, so sehr wie Charaktere vertieft werden, ja geradezu im Mittelpunkt stehen, während sich eine Geschichte erst über die Entwicklung dieser erkennbar macht. Geistreich ist Hansons Film erzählt, mit dem Bereich des Dramas parodistisch spielend, anstatt tatsächlich zur Tragikomödie zu werden, die Sorgen und Probleme der Protagonisten aber trotzdem ernst nehmend, wie die Figuren selbst und dies auch Randfiguren betreffend. Es ist der kleine Gehalt schrägen Humors, der das Klischee der typischen Arthouse-Komödie zu durchbrechen weiß, zunächst gelegentlich auftauchend, dann immer häufiger, bis sich das Finale des Streifens gar lauter und ereignisreicher guckt, als man zuvor vermutet hätte. Freilich wird "Wonder Boys" (Originaltitel) trotzdem nie wirklich laut und wild, aber die Geschehnisse sprudeln hoch für einen sensiblen, empathischen Film, und Curtis besitzt zusammen mit den Autoren das Geschick, dass die bis dahin gelebten Adjektive auch dann noch greifen.

Verglichen mit seinen Filmen "L.A. Confidential" und "In den Schuhen meiner Schwester" ist es ohnehin erstaunlich wie abwechslungsreich die Filmographie des relativ selten tätigen Regisseurs ausfällt, und wie gekonnt all diese andersartigen Ausflüge in die Filmwelt ausgefallen sind. Die schlichte Geschichte von "Die WonderBoys" (Alternativtitel) ist ergreifend erzählt, man badet mitten in den Seelen der zwei Hauptfiguren, während ein aberwitziges Treiben die beiden umweht, eines das man mit seinen innovativen Einfällen nur als kreativ bezeichnen kann. Oftmals sind es für die eigentliche Geschichte völlig unnötige Nebensächlichkeiten, die einen zum Lachen oder zum Schmunzeln bringen, wobei das freilich schwer einzuordnen ist, wenn ein Film wie dieser den Gehalt seiner Story derart intensiv aus der Charakterentwicklung zieht. Wann ist ein Erlebnis wichtig für diese Entwicklung gewesen und wann nicht? Wie auch immer, der Gesamteindruck dieser verrückten Tage, die jedoch nie schrill ausfallen, verändert Grady und den jungen James, der sich ohnehin noch sucht, sowieso.

"Die WonderBoys - Lauter Wunderknaben" (Alternativtitel) wäre schon aufgrund des geglückten Drehbuchs und der Details beachtenden Inszenierung ein wahrer Hingucker, aber die gekonnte, überraschend prominent ausgefallene, Besetzung rundet das Seherlebnis zusätzlich ab. Michael Douglas darf nach "Falling Down" endlich mal wieder völlig anders spielen, was ihm derart gut gelingt, dass man sich mehr solcher feinfühligen Ausflüge von ihm gewünscht hätte (der Versuch es mit "Das grenzt an Liebe" erneut sensibel anzugehen, scheiterte aufgrund einer müden Geschichte). Tobey Maguire weiß sein Lächeln gekonnt einzusetzen. Mal bestätigt es die Reaktion und die entstehenden Gefühle des Publikums, mal wirkt er damit skurril und sonderlich. Seine Mimik ist gekonnt gesetzt, und so beweist er sich früh neben Stars mit langjähriger Berufserfahrung. Katie Holmes hingegen darf nur süß aussehen, wird nicht wirklich herausgefordert, gefällt aber freilich in dieser niedlichen Art. Und Robert Downey, Jr. darf wieder einmal einen ungewöhnlichen Charakter spielen und macht aus der in anderen Filmen so typischen Rolle des Lektors, der Schriftstellern ein neues Buch entlocken möchte, zusammen mit den Autoren des Stoffes einen ungewöhnlichen Charakter, der nicht wirklich in irgendeine Schublade zu stecken ist.

Klischeefiguren darf man in den wichtigen Rollen ohnehin verzweifelt suchen, die tauchen nur im Randbereich auf, und dies nicht aufgrund müder, einfallsloser Autorengeister, sondern um die ansonsten tief gehenden, individuellen Charaktere mit diesen zu konfrontieren. Und selbst dann wird eine Klischeefigur nie zum reinen Stereotyp, selbst dann besitzt sie noch derart viel Realismus durch Eigenständigkeit, dass der von mir gewählte Begriff eigentlich viel zu hart gewählt ist. Es würde schließlich auch nicht zu einem Film passen, den ich aufgrund seiner sensiblen Blickweise und dem Interesse an seinen Charakteren derart zu loben weiß. Und wer Filme solcher Eigenschaften zu schätzen weiß, gerade dann wenn die Charakterentwicklung die eigentliche Handlung der Geschichte bedeutet, der sollte sich "Die Wonder Boys" unbedingt einmal ansehen. Stammzuschauer dieser Gattung Film werden sich sicherlich über den lockeren Umgang mit dem Dramabereich wundern, und wie erwähnt bricht manch wilde Idee manchmal durch den ruhig erzählten Stoff durch, aber das macht Curtis Hansons wundervollen Film nur um so einzigartiger.


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