11.05.2019

DER GIGANT DES GRAUENS (War of the Colossal Beast 1958 Bert I. Gordon)


Als ein Transporter mitten im Nirgendwo von Mexiko spurlos verschwindet, wächst in Joyce die Hoffnung, ihr nach einer Atomexplosion zu 18 Metern herangewachsener Bruder Glen, der nach einem Amoklauf vom amerikanischen Militär getötet wurde, könne doch noch leben. Sie leiert eine Suche nach ihm an, und tatsächlich wird man fündig. In Gefangenschaft geraten, hofft man dem aggressiven Riesen helfen zu können, deswegen steht eine Untersuchung seiner Hirnfunktionen an...


Auch Giganten können sich gut verstecken...

"Der Gigant des Grauens" ist die Fortsetzung des ebenfalls von Bert I. Gordon gedrehten und Samuel L. Jackson produzierten "Der Koloss", den ich vor ewigen Jahren einmal im Fernsehen gesichtet habe und nicht mehr so gut in Erinnerung habe, so schlecht wie ich ihn damals fand. Da sich mein Filmgeschmack seit dem gravierend verändert hat, hat die Fortsetzung, die im Gegensatz zum ersten Teil in Deutschland eine Veröffentlichung auf DVD erhielt, von mir freilich dennoch eine Chance erhalten, und ich muss gestehen ich bin überrascht, dass das gerade einmal ein Jahr später nachgereichte Sequel weit weniger plump ausgefallen ist, als ich es vermutet hätte. Zwar entstand "Revenge of the Colossal Man" (Alternativtitel) zu einer Zeit, in welcher im Genre-Kino die Atombombe noch als Ursache für Riesenwuchs herhalten konnte, und auch ansonsten lässt der Film nicht den üblichen naiven Charme der 50er Jahre Science Fiction-Horrorfilme vermissen, Autor George Worthing Yates überrascht jedoch mit einem zu seiner Zeit recht empathischen Drehbuch.

Nicht falsch verstehen, im Vergleich zu heute guckt sich "Der Gigant des Grauens" noch immer höchst egoistisch, nur wenig Platz lassend für das Hineinversetzen in das Denken und Empfinden alternativer Mentalitäten und Lebewesen, aber immerhin kommt es zu Ansätzen diesbezüglich in einer Zeit, in der alles was nicht normal war üblicher Weise gleich zum Monster erklärt wurde. Dass das Ergebnis nicht wirklich zum Horror-Drama a la "Frankenstein", "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" oder "Splice - Das Genexperiment" geworden ist, liegt einzig daran, dass der Film stets aus der Perspektive der anderen erzählt ist und den Giganten zur zerstörerischen Nebenfigur verkommen lässt. Um ihn unheimlicher wirken zu lassen, hat der Riese den Sturz von einst nicht gut verkraftet, so dass eine monströse Wunde sein Gesicht ziert, die den Wüterich unheimlicher wirken lässt, als im Vorgänger. Dieser kleine, simple Trick unterstützt die Wirkung der Erzählung ungemein, da darf man sich nicht vertun. Doch mag der Riese auch monströser und gefährlicher damit wirken, klassisch herumwüten, wie im Original, darf er zunächst nur einige Zeit nach seinem ersten Erscheinen.

Gefangen gehalten, nun wo die Menschheit halbwegs vor ihm in Sicherheit ist, geht es um die Frage ob Glen zu helfen ist oder nicht, sprich ob sein Gehirn unter Amnesie leidet, oder einen bleibenden Schaden genommen hat. Dementsprechend wird er untersucht, freilich nicht so intelligent thematisiert wie in einem "Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All", ja nicht einmal wie in Cronenbergs "Die Fliege", wir befinden uns schließlich trotzdem in den stumpfen, trivialen 50er Jahren des Horrorfilms. Doch selbst wenn das schockierende Ergebnis zu Tage tritt, erntet der Mutierte keine reine blinde Wut von der Menschheit, es wird überraschend mitfühlend ein Plan ausgedacht, wie man dem Opfer der Atomexplosion ein Leben bescheren kann, in welchem es ihm halbwegs gut geht, ohne dass er der Menschheit schaden kann. Doch Drama, wie "The Terror Strikes" (Alternativtitel) nun einmal ist, wenn auch heruntergeschraubt im Vergleich zur tatsächlichen Horror-Drama-Konkurrenz, kommt es gar nicht erst so weit. Der Aggressor bricht erneut aus, bedroht gar einen ganzen Schulbus voll mit Kindern, bevor der Film einen überraschenden Schluss erlebt, mit dem ich wahrlich nicht gerechnet habe.

"Der Gigant des Grauens" kommt weit vielschichtiger in seiner Erzählung daher, als ich vermutet hätte, sprich er besitzt mehr roten Faden als erwartet, kann aber trotz seines Ideenreichtums die eindimensionale Erzählung zu bereichern nicht vollkommen überzeugen, und ich kann nicht genau benennen warum dies so ist. Einzig der zu lange Rückblick auf Teil1 zur Mitte des Filmes weiß den Bogen etwas zu sehr zu überspannen, zeigte man doch gleich alle nennenswerten Schauwerte des Vorgängers, anstatt einfach nur fehlende Informationen für jene nachzureichen, die Teil 1 entweder nicht gesehen, oder wie ich vergessen haben. Ansonsten gibt es eigentlich nicht wirklich etwas zu klagen. Selbst die wackelige Hochprojektion, mit welcher Bert I. Gordon stets arbeitet, ist nicht so übel ausgefallen wie in seinen schlechteren Werken a la "The Cyclops" und "Beginning of the End". Zwar stampft auch sein Gigant zu überbelichtet durch eine sonst dichte Bildqualität und besitzt aufgrund fehlender Möglichkeiten bei dieser plumpen Tricksetzung keinen Kontakt zu den Menschen, die er attackiert, aber zumindest versuchte man die Optik reizvoller zu gestalten, beim Zeigen wo der Riese auftaucht und wieder verschwindet. Da gab man innerhalb schlechter Spezialeffekte sein Bestes, so dass sich die Wirkung des Giganten dann doch bei Gordons besseren Ergebnissen a la "Die Rache der schwarzen Spinne" und "In der Gewalt der Riesenameisen" einreihen darf.

Ich kann somit nicht genau benennen, warum "War of the Colossal Beast" (Originaltitel) trotz seiner überraschend reichhaltigen Zutaten bei mir nicht wirklich zünden konnte, irgendetwas störte den Erzählfluss, irgendetwas störte den Unterhaltungswert. Und ich weiß nicht ob dieser unbekannte Faktor in meiner Tagesform zu finden war, oder im Film selbst, den ich theoretisch weit besser empfand als in seiner Praxis. Dennoch ist "Der Gigant des Grauens" weit davon entfernt einer der Langeweiler seiner Gattung Film zu sein, die es ebenfalls bereits damals zuhauf zu sichten gab. An Schauwerten mangelt es dem Film ebenso wenig, wie an dem Versuch blindes Schwarz/Weiß-Denken zu durchbrechen. Und allein aus diesen Gründen sollten sich Filminteressierte dieser Dekade und dieses Genres nicht von meinen Zweifeln abhalten lassen dieses Werk zu sichten. Es gehört definitiv zu Arkoffs liebenswerteren Produktionen.


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