SUKEBAN DEKA 2 (Sukeban deka: Kazama sanshimai no gyakushû 1988 Hideo Tanaka)


Um etwas gegen die wachsende Jugendkriminalität zu unternehmen, wird eine Einheit jugendlicher Cops eingesetzt mit konsequenter Härte gegen die Delinquenten vorzugehen. Yui kann nicht mehr mit ansehen, wie selbst leichteste Delikte hart bestraft werden und wendet sich gegen die immer fragwürdiger werdende Organisation. Deren neuer Befehlshaber hat jedoch noch ganz andere Pläne, die ihn an die Spitze der Macht bringen sollen. Zusammen mit den Anwohnern einer linken Kommune versucht Yui den Wolf im Schafspelz aufzuhalten...


Vor der Pferdeweide ist nach der Pferdeweide...

Während es im Kinofilm "Sukeban Deka", der auf einer zwei Jahre zuvor erschienenen gleichnamigen TV-Serie basiert, um den Girl Cop Yôko ging, erzählt "Sukeban Deka 2" von der ebenfalls zu Kampfzwecken mit einem Jojo ausgestatteten Yui, die im Vorgängerfilm eine Nebenrolle einnahm und Star der dritten Staffel der Originalserie war. Ich kenne die zu Grunde liegende TV-Serie ebenso wenig wie die Printvorlage in Comicform, aber ein wirklicher Zusammenhang zwischen den beiden Kinofilmen besteht nicht, besitzt die sogenannte Fortsetzung doch einen ganz anderen Ausgangspunkt. Die Gruppe der jugendlichen Friedensstifter hat sich mittlerweile in eine Macht ausnutzende Organisation verwandelt, die nach Außen zwar immer noch offiziell das Gesetz vertritt, mit fragwürdigen, gewaltbereiten Methoden jedoch keinen moralischen Grundsätzen mehr folgt, weswegen die Heldin des Streifens auch aussteigt. In ihrem Plädoyer an ihre Mitstreiter verweist sie auf das Gute, das einst mit dieser Organisation vertreten wurde, was scheinbar im Widerspruch zu Elementen der TV-Serie steht, wurden manche der Mädchen dort doch von Kindheit an gezwungen für diese Organisation zu arbeiten. Die Verharmlosung dieser verstärkt den Eindruck, es mit "Girl Gang Boss Detective: Revenge of the Three Kazama Sisters" (Alternativtitel) mit einem eigenständigen, inhaltlich unabhängigen Produkt zu tun zu haben, auch wenn die Besetzung in einigen Punkten mit den Vorgängern überein stimmt.

Ein Vorspann, der sich eher wie der Vorspann eines Pilotfilmes zu einer zukünftigen Serie anschaut, was für ein Kinoprodukt höchst ungewöhnlich ist, verstärkt diesen Eindruck ebenfalls. Es mag sein, dass "Sukeban Deka 2" als Start einer neuen Kinoreihe geplant war, zu einer weiteren Verfilmung sollte es jedoch erst 2006 mit "Yo-Yo Girl Cop" kommen. Schaut man sich das Ergebnis des hier besprochenen Filmes an, braucht es nicht verwundern, dass es im Realfilmbereich erst einmal nicht weiter ging und man sich stattdessen entschied, den Manga 1991 lieber mit einer Animeserie weiter umzusetzen. Obwohl nur ein Jahr zwischen dem ersten und zweiten Kinofilm um die mit Jojos kämpfenden Girl Cops liegt, und Teile des Teams vor und hinter der Kamera an beiden Projekten und der TV-Serie beteiligt waren, inklusive Hideo Tanaka in seiner Funktion als Regisseur, gucken sich beide Werke doch höchst unterschiedlich. Angesiedelt in einer düsterer ausgefallenen Zukunft, inszenatorisch jedoch kindlich orientierter ausgefallen, macht "Sukeban Deka: Counter Attack from the Kazama Sisters" (Alternativtitel) den Eindruck eines Jugendfilmes, mit der Kommune im Zentrum der Geschehnisse überraschend links orientiert gegen Gesetzgeber vorgehend, und insgesamt noch blauäugiger daherkommend als der ohnehin schon naive Vorgänger.

Ein wenig fühlte ich mich an "Mad Max 3 - Jenseits der Donnerkuppel" erinnert, so jugendlicher orientiert mit großem Kindereinfluss "Sukeban Deka 2" umgesetzt ist und nervige Fröhlichkeit, beispielsweise in den Reitszenen, mit einem brutalen Szenario abwechselt, wobei Letztgenanntes, ähnlich wie im australischen Vergleichsprodukt, weit familienzahmer daher kommt als im Vorgänger. Guckt sich die erste halbe Stunde noch recht angenehm, wenn auch noch extremer nach TV-Herkunft ausschauend als der erste Kinofilm und auch finanzschwächer umgesetzt, so schwächt der Löwenanteil der letzten beiden Drittel des Streifens gewaltig ab, trotz der sehr reizvollen Idee des Grundplots. Zudem verirren sich im an sich simplen Plot Fehler in der Logik, in Bereichen die auch ein trivialer Unterhaltungsfilm dieser Art nicht auffahren sollte (wieso weiß die jugendliche Anführerin der mittlerweile faschistoiden Gesetzeshüter von den Plänen ihres Oberkommandeurs?), was das Gesamtergebnis des weit weniger aufregenden Sequels noch mehr verwässert. Zwar ist die Geschichte noch immer interessant genug ausgefallen, um bis zum Schluss dran zu bleiben, inszenatorisch guckt sich die Fortsetzung jedoch wesentlich mauer als ihr Vorgänger und unterhaltungstechnisch erst recht. Zumindest wurden die Bösewichter wieder treffsicher besetzt, mehr sogar als die Helden. Und bei weit heruntergeschraubter Erwartungshaltung weiß auch dieser missglückte Versuch der Fortführung einer erfolgreichen Reihe halbwegs zu unterhalten.


OFDb

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