HUBERT UND STALLER - STAFFEL 8 (2019 Carsten Fiebeler u.a.)


Nach seiner Degradierung fährt Herr Girwidz zusammen mit Hubert Streife. Unter der Anleitung einer neuen Revierleiterin lösen sie erneut allerhand Mordfälle...


Ein interessanter Versuch...

Man kann es kritisch als Geldmacherei und unkreativen Prozess betrachten, dass man nach dem Ausstieg einer Hauptbesetzung ein erfolgreiches Serienkonzept weiter führt, man kann aber auch die Herausforderung dahinter betrachten, den Versuch zu wagen eine lieb gewonnene Serie unter diesen Umständen weiter zu führen, anstatt sie zu Grabe zu tragen. Die Idee den ehemaligen Chef der Polizisten Hubert und Staller nach Stallers herzzerreißender Verabschiedung im dritten Spielfilm der Reihe "Eine schöne Bescherung" zu degradieren, um den karriereorientierten Egomanen mit dem desinteressierten Egomanen Hubert zu einen, besitzt seinen eigenen Reiz. Und dass das Ganze dann noch humorvoll in "Hubert ohne Staller" umbenannt wurde, zeigt auf, dass die charmante Mentalität der Serie nicht völlig verschwunden sein kann. Mit "Hubert und Staller - Staffel 7" gab es ohnehin erstmals einen Rückschritt in Sachen Niveau und Unterhaltungswert, die Serie war somit nicht mehr auf dem Hoch der wundervollen restlichen sechs Staffeln. Nach dem überraschend geglückten Weihnachtsspecial in alter Form ist das Ergebnis von "Hubert ohne Staller", welches meist aufgrund dessen, dass es trotz Namensänderung noch immer die selbe Serie ist, als "Hubert und Staller - Staffel 8" betitelt wird, dennoch manches Naserümpfen wert, denn nun hat man auch das Niveau der bislang schlechtesten Staffel, der siebten, unterboten.

Das liest sich bei solch gelungenem Konzept härter als das Ergebnis tatsächlich zu konsumieren ist, aber wenn man bedenkt zu wie viel mehr die Serie in der Lage war, ist es schon traurig dass man sie nur noch als unterhaltsam bezeichnen kann. Geistreich ist die Serie nur noch selten, treffsicher ist ihr Humor auch nur noch bedingt, und das psychologische Feingefühl geht immer weiter flöten, was gerade die Neubesetzungen, alte wie neue, beweisen. Die Pathologin bleibt weiterhin Stichwortgeber ohne Vertiefung eines Charakters. Die Frau aus der Polizeizentrale, die einem mit der Zeit doch noch sympathisch wurde, wird nun auch ausgetauscht, wenn auch mit Abschiedsfolge versehen und wird ersetzt gegen eine junge Frau, die ganz offensichtlich wieder näher an der Originalbesetzung orientiert wurde, was zwar aufgrund fehlender ebenso treffsicherer Charakterzeichnung nicht funktionieren will, aber dennoch keinen Grund zu klagen hinterlässt. Mag die blonde Neubesetzung auch blasser als ihre Vorgängerinnen erscheinen, so spielt sie doch souverän und wird in interessante Situationen eingesetzt. In die Nesseln gesetzt hat man sich hingegen mit der Neubesetzung der Revierleiterin, die ähnlich unsympathisch daher kommt wie einst Gruber als Reporterin, unglaublich taff und pseudosexy in Lederhosenoutfit daher kommen soll, aufgrund ihres starren Festhaltens unpersönlicher Chefpflichten aber nie das Herz oder den sympathischen Spott des Zuschauers erobern kann, schade.

So sehr das auch stören mag, die Drehbücher arbeiten inhaltlich gekonnt gegen diese Defizite, setzen Fehlbesetzungen in passende, aber auch wirksame Szenarien ein, so auch weiterhin Gruber als Bäckerin, und bescheren der Serie ohnehin interessantere Kriminalfälle als bisher, denn auf die kommt es nun an, wo der Dialogwitz zurückgeschraubt wurde und etwas zu viel auf Running Gags gesetzt wird, um zu überschatten, dass der Humorgehalt weit weniger psychologisch raffiniert daher kommt und sich stattdessen eher dem Massengeschmack anpasst. Dank der guten Hauptbesetzung bleibt die Serie dennoch lustig genug, aber ohne interessante Kriminalfälle, eine Zutat welche die ursprüngliche Serie nicht wirklich benötigte, wäre das Ganze dann doch zu dünn ausgefallen, so dass ein Besinnen auf interessantere und rätselhaftere Morde der Spätphase der Serie gut tut. Dass eine Figur wie Staller, mit ihren Fantastereien eine riesengroße Humorlücke hinterlässt, die keine der alten Figuren füllen kann, ist nicht zu übersehen, weshalb ein direkter Vergleich mit den bisherigen Folgen ungerecht ist. Letztendlich kann man die Entscheidung aber auch wertschätzen, nun keinen zweiten Fantasten aus dem Ärmel zu ziehen, was der Serie sicher noch weniger gut getan hätte.

Stattdessen orientiert man sich als Autor am Ur-Charakter von Girwidz neu, hat sichtliche Freude mit den Seitenhieben, dass er einst ein Chef war und mit seinem schwerfälligen Umgewöhnen dieser Situation, ebenso wie der sarkastische Humor Huberts nun variiert zu zünden weiß, da dieser weder Mitgefühl besitzt, noch zu Chefzeiten respektvoll Girwidz gegenüber war. Gleichzeitig entsteht dennoch herrlich subtil eingefangen eine Sympathie zwischen den beiden neuen Partnern, nun wo sie am gleichen Strang ziehen müssen. Auch die bereits in den vergangenen Staffeln zu bemerkende Mehrbeachtung des Riedelcharakters wurde beibehalten, in wirklich unterhaltsame Situationen gesteckt und nun zusätzlich ein eigener Anreiz entwickelt, dass Girwidz in Riedels Kopf immer noch sein Vorgesetzter ist. In der Abschiedsfolge der Polizei-Vorzimmerdame von Staffel 7 darf Paul Sedlmeier auf mehreren Ebenen beweisen, was mittlerweile in ihm steckt, lediglich der Gag einer Doppelrolle in einem Kriminalfall innerhalb eines TV-Seriendrehs wird ordentlich vergeigt, was jedoch nicht die Schuld des Darstellers ist, sondern des schwachen Drehbuchs, welches aus der wundervollen Ausgangssituation nichts herauszuholen weiß.

So gekonnt die Bücher auch Schwachpunkte auszubügeln wissen, zwischenzeitlich gibt es immer wieder mal schwächere Folgen (immer dann wenn die Kriminalfälle so schlicht ausfallen wie früher unter besseren Rahmenbedingungen üblich). Und mit dem Kriminalfall innerhalb von Klostermauern gibt es leider auch erstmals eine richtig schlechte Folge zu sichten, wo bislang doch noch jeder Teil der Reihe, selbst in schwächster Form, angenehme TV-Unterhaltung darstellte. Dies betrifft aber auch "Hubert ohne Staller", von besagter Folge, die einen unglaublichen Tiefpunkt inmitten einer noch gut funktionierenden Serie darstellt, einmal abgesehen, bereitet die einst als "Hubert und Staller" begonnene Serie bei etwas zurückgesetzten Erwartungen noch immer genügend Freude, um interessiert und gut unterhalten am Ball zu bleiben. Mit Episoden wie der Feuerwehrfolge, der Teamstärkungsfolge in den Bergen und ganz besonders mit der letzten Episode der hier besprochenen Staffel, weiß auch diese schwächste Phase der Serie Höhepunkte aufzuweisen, die an das alte Niveau anzuknüpfen wissen. Der Rest ist Unterhaltung im schlichterem Gewandt, mit dem man sich als Freund der Reihe eigentlich gut arrangieren kann, zumal ich den Eindruck hatte, dass die Verantwortlichen gegen Ende ein immer besseres Fingerspitzengefühl besaßen mit der neuen Rezeptur umzugehen. Es ist schön zu sehen, dass Girwidz auch direkt neben Hubert agierend zu funktionieren weiß und damit nicht nur mauer Lückenfüller für Staller geworden ist. Bei dem stets brillant agierenden Michael Brandner hätte mich das Gegenteil aber auch sehr gewundert.

PS: Die angebliche Tochter Huberts wurde anbei nicht mehr weiter eingebaut, was ich aufgrund meiner im Review zum Weihnachtsspecial getätigten Aussagen für eine Fehlentscheidung halte, so gut wie sie der Hubert-Figur tat.


Episodenführer,   OFDb

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