08.09.2019

DR. HACKENSTEIN (Doctor Hackenstein 1988 Richard Clark)


Anfang des 20. Jahrhunderts arbeitet das Genie Doctor Hackenstein daheim zurückgezogen lebend, an der Idee tote Körper wiederzubeleben, um so seine verstorbene Frau ins Leben zurück holen zu können. Viel Zeit bleibt ihm nicht mehr, und obwohl Hackenstein von Leichendieben immer wieder mit Körpern versorgt wird, fehlen ihm noch immer einige Teile zur idealen Frau. Als drei Frauen zusammen mit ihrem Cousin nachts bei ihm auftauchen, da sie einen Autounfall hatten, beschließt der Wissenschaftler zu morden, um an die fehlenden Teile zu gelangen und gibt sich somit sehr gastfreundlich...


Die ahnungslose Dienerin...

Der von Troma präsentierte "Dr. Hackenstein" ist in seiner Inszenierung ziemlich schlicht und kostengünstig ausgefallen. Er spielt an wenigen Orten, benötigt für seine Erzählung recht wenig Darsteller und hat auch nicht viele Spezialeffekte zu bieten. Es gibt eine handvoll simpel ausgefallener Bluteffekte und Leichenmaskeraden, hauptsächlich lebt das Werk von seiner Situationskomik und den belustigenden Dialogen. Auch wenn es ihm an Härte fehlt, so schwingt doch von der Stimmung her stets ein Hauch "Re-Animator" mit, der drei Jahre zuvor ein großer Erfolg wurde. Der Vergleich passt, auch wenn "Doctor Hackenstein" (Originaltitel) oftmals wie ein Theaterstück anmutet. Das wird besonders deutlich, sobald Hackensteins taubstumme Dienerin ins Spiel kommt, die im Gegensatz zu anderen Frankenstein-Varianten keine Ahnung von den Experimenten ihres Herren hat, mithilfe von Pappschildern kommuniziert und sich des öfteren Geschehnisse innerhalb ihrer begrenzten Wahrnehmung zusammenreimen muss. Zu ihrem besten Auftritt gehört eine Szene, in welcher Hackenstein ein sich wehrendes Opfer im Wohnzimmer versucht ruhig zu stellen, während die Taubstumme die beiden nicht bemerkend durchs Zimmer wandert, da durch den Kampf der beiden immer wieder etwas umgestoßen oder anderweitig verändert wird, das aufgeräumt werden muss. Zwar wundert sie sich, dass sie aus ihrem Blickwinkel heraus betrachtet wohl immer etwas übersehen hat, das aufgeräumt gehört, kann sich letztendlich aber keinen Reim drauf machen, bis sie schließlich müde zurück ins Bett kehrt.

"Dr. Hackenstein" ist das Regie-Debüt des später hauptsächlich für TV-Serien arbeitenden Richard Clark, der letztendlich nur brav abfilmt, was Drehbuch und Autor ihm zu bieten haben. Und neben besagter Dialog- und Situationskomik ist es die Schar schräger Charaktere, die es immer wieder schafft dem etwas zu monotonen Treiben dem nötigen Zunder zu geben, um nicht zu langweilen. Ob es die herrlich schräg agierenden Leichendiebe sind, Polizisten, die kaum glauben können, dass es endlich einmal etwas zu tun gibt, Hackenstein selbst, der dem Wahnsinn verfallen mit dem Kopf seiner dominanten Frau kommuniziert, oder eben die vier Gäste, von welchem jeder freilich ebenfalls eine Charaktereigenschaft mitbringt, die humoristisch zu unterstützen weiß. Der Horror schwebt hier eher in seiner bizarren Form mit, in den morbiden Szenen enthalten und freilich innerhalb der Zitierfreude eines "Frankenstein"-Ablegers. Das Zentrum des Streifens bildet somit die Komik, die wiederum oftmals albern, aber themenbezogen stattfindet, so dass man trotzdem Freund des Horror-Genres sein muss, um mit ihr klar zu kommen. Inmitten dieser herrlich abgedrehten Chose ist es erstaunlich, dass es Clark im letzten Drittel sogar schafft kurze Momente wahrer Tragik eingebaut zu bekommen. Es bricht einem das Herz die einzig sympathische Person, eine junge Frau, in ihrer Freude zu erleben in Hackenstein angeblich endlich ihre große Liebe gefunden zu haben, wenn dieser behauptet ihre Gefühle zu erwidern. Und wahrlich interessant wird das Treiben in dieser Phase dann, wenn sich diese Worte als nicht ganz gelogen herausstellen und Hackenstein ernsthaft zwischen neuer und alter Liebe hin und her gerissen ist.

Kurz darauf folgt das ereignisreiche Finale, das einem zwar kaum etwas bietet, was man nicht erwarten würde, aber den nett erzählten Streifen zu einem konsequenten und unterhaltsamen Ende führt, inklusive einer herrlich lustigen Aufzählung dessen was später aus den einzelnen Überlebenden geworden ist. Manch einem mag der Film zu albern ausgefallen sein, manch einem zu monoton oder ereignislos, "Dr. Hackenstein" ist schon ein sehr spezieller Film, das muss ich zugeben. Aber er hat meiner Meinung nach das Herz am rechten Fleck und mutet sich nie mehr zu, als er zu bieten in der Lage ist. Und dank brauchbarer, spielfreudiger Darsteller (einschließlich der Besetzung des Dr. Hackensteins, die ich zu Beginn des Streifens nicht so überzeugend fand, bis ich im Laufe der Zeit eines besseren belehrt wurde), kommt der Streifen meist so locker leicht daher, wie es dem Ergebnis gut tut. Nur gelegentlich macht der Stoff den Eindruck, dass ihm die Puste ausgeht, bevor er dann wieder an Fahrt gewinnt, sofern man das so bezeichnen kann bei einem Film, dessen Geschichte lediglich amüsant vor sich hin plätschert.


Trailer,   OFDb

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