28.09.2019

THE TOXIC AVENGER (1984 Lloyd Kaufman u.a.)


Auf dem dämlichen Melvin wird als männliche Putzkraft gerne von den Besuchern des Body Building-Studios, in dem er arbeitet, herum gehackt. Bei einem besonders bösen Spaß landet der arme Kerl versehentlich in einer Tonne toxischer Abfälle und verwandelt sich in den Atomic Hero, einem äußerst brutal vorgehenden, mutierten Verbrecherjäger...


Die Geburt von Tromas Markenzeichen...

Die Firma Troma produzierte so allerhand kostengünstige Filme und landete u.a. mit dem früh erschienen Slasher "Muttertag" einen finanziell erfolgreichen Kino-Hit. Erst mit dem Überraschungserfolg "The Toxic Avenger" entdeckten sie jedoch den Kurs, den sie fortan beibehalten sollten und sie zu einer begehrten Quelle nimmersatter Spaß-Splatter-Fans werden ließ. Alberne Filme mit extremen Gewaltdarstellungen und jeder Menge Seitenhiebe gegen allem was Amerika heilig ist, war ab sofort das Rezept zukünftiger Produktionen, in Frühwerken wie "Class of Nuke 'em High" und dem hier besprochenen Werk jedoch noch nicht derart extrem zelebriert, wie in späteren Geschmacklosigkeiten, die leider häufig über das Ziel hinaus schießen. "Atomic Hero" (Alternativtitel), geschrieben und umgesetzt von Lloyd Kaufman und Michael Herz, sieht man an, dass man eigentlich gar nicht so genau wusste, was man da auf die Beine stellt. Orientierungslos gesetzte Schnitte, und eine Handlung, die in ihrer episodenhaften Art kaum einen roten Faden besitzt, lassen das Produkt mit einem kleinen Hauch Amateurfilm-Flair schauen, vergleichbar mit dem völlig anders gearteten "Die Supernasen". Und in beiden Fällen darf man nicht trotzdem, sondern genau deswegen, von einem sympathischen Ergebnis sprechen.

"The Toxic Avenger" hat trotz einiger Längen sein Herz am rechten Fleck und kann von einem alternativen Publikum trotz aller Fehler und Unzulänglichkeiten angenehm konsumiert werden. Nicht nur dass die derben Albernheiten häufig humoristisch ins Schwarze treffen und der Tritt gegen die politische Korrektheit noch zielgenau und gesellschaftskritisch angegangen wird, gerade die Orientierungslosigkeit, mit welcher sich "Atomic Hero - Das liebenswerte Monster" (Alternativtitel) von einem Moment und einer Geschmacklosigkeit zur nächsten hangelt, ist es, welche dem Werk den nötigen Charme beschert. Sie kleidet den ohnehin gegen den Strich geschriebenen Film unübersehbar so, wie er gemeint ist, immerhin ist er das Gegenstück der Großproduktionen Hollywoods, billig besetzt, all das zeigend, was man dort nicht zeigen darf, die Heuchelei der Großproduktionen hervorhebend und auch manch anderer Lüge des Systems den Mittelfinger zeigend. Verstecktes Niveau ist nicht auszumachen. Die Regisseure ergötzen sich am Vorführen von Brutalitäten, Nacktheiten und Freaks, hauen ihren Humor meist unter die Gürtellinie, schaffen es aber trotzdem dass eine gewisse Unschuld über dem Projekt schwebt, eben weil hier niemand, außer vielleicht die Verantwortlichen der Spezialeffekte, professionell vorgeht. Das Herzblut aller Beteiligten sieht man dem Streifen an, so begeistert wie hier alle vereint in die Kacke hauen und den Dreh scheinbar zur Party machten.

Die Deutschfassung macht dem Seherlebnis jedoch einen kleinen Strich durch die Rechnung, ist die Synchronisation doch ebenfalls kostengünstig ausgefallen, so wie bei fast jedem Tromafilm anbei bemerkt, und da meist der deutsche Untertitel fehlt, können lediglich Zuschauer mit guten Englischkenntnissen auf den stimmigeren Originalton zurückgreifen. Dort darf man dann auch sogleich bemerken, dass die Mimen weit professioneller sprechen, als man es bei ihrem restlichen Amateurschauspiel vermutet hätte, ein weiteres Beispiel dafür, dass jeder Beteiligte mit dem Herz am rechten Fleck dabei war. "Toxic" (Alternativtitel) ist ein derart aufgeblasenes Stück Albernheit und Provokation, dass man sich niemals ernsthaft über die Berge an Unlogiken oder die Geschmacklosigkeiten aufregen würde, die hier unübersehbar vorhanden sind, so bewusst wie "Health Club" (Alternativtitel) als Spaß daher kommt und jede Ehre und Würde der von Amerikanern verehrten Superhelden mit Genuss derbst aushebelt. Einziger tatsächlicher Schwachpunkt des Streifens ist eine elendig lang gezogene Liebesszene, in welcher der "Health Club Hero" (Alternativtitel) mit seiner blinden Freundin Sex hat, und in der Kaufman und Herz meinten uns den kompletten Hintergrundsong in Endlosschleife präsentieren zu müssen, obwohl der Humor dieser Szene nach etwa einer Minute, inklusive treffsicherem Zusatz-Gag, ausgereizt ist und dem Film keinen Mehrwert mehr beschert. Der Rest ist jedoch, trotz häufigere Längen, die das Gesamtergebnis etwas anstrengend gucken lassen, holprige Handarbeit der sympathischen Art, in einem Projekt welches weit mutiger angegangen wurde, als es heute scheint, nun wo derlei Produktionen zum Alltag im alternativen Filmbereich gehören.


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Trailer,   OFDb

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