Donnerstag, 23. November 2017

MAMA, ICH UND WIR ZWEI (Only the Lonely 1991 Chris Columbus)


Polizist Danny verliebt sich in die schüchterne Leichenkosmetikerin Theresa. Die hätte gern eine Beziehung mit Danny, wenn dieser nicht unter der Fuchtel seiner dominanten und zu Beleidigungen neigenden Mutter stehen würde, die einer glücklichen Partnerschaft im Weg steht. Mit seinem Versuch es allen recht zu machen, scheitert Danny, also muss er sich entscheiden wen er an erster Stelle setzt...


Manchmal ist es gut ein Bulle zu sein...

Nachdem Chris Columbus seinem Produzent John Hughes mit „Kevin - Allein zu Haus“ einen riesen Hit beschert hat, schien er mit „Mama, ich und wir zwei" von diesem einen Freifahrtsschein erhalten zu haben zu drehen was immer er möchte, immerhin baut die Romantikkomödie weder auf den typischen Hughes-Formeln auf, noch garantiert sein eigenwilliges Erscheinungsbild einen Erfolg bei einer bestimmten Gruppe Filmfreund.

Die von Chris Columbus selbst verfasste Geschichte um ein fast 40jähriges Muttersöhnchen, das sich in eine ähnlich alte, schüchterne Frau verliebt, wurde geradezu untypisch mit dem sonst eher auf charmanten Trottel abonnierten John Candy besetzt, den man aufgrund seiner körperlichen Proportionen wohl nie in einer Romantikkomödie erwartet hätte - zumindest nie in einer, in welcher das Körpergewicht nicht zum Thema werden würde. Aber genau dies ist hier der Fall, und so darf Candy seine stillen Töne und schauspielerischen Fähigkeiten beweisen, die in anderen Filmen sonst inmitten von chaotischen Handlungssträngen unterzugehen drohen.

Besetzungstechnisch agiert viel mit, was zu dieser und anderer Zeit im Hause Hughes unterwegs war. John Candy spielte bereits zwei Jahre zuvor die Hauptrolle in „Allein mit Onkel Buck“ (was längst nicht seine erste Rolle in einem Hughes-Film war), Kevin-Darsteller Macaulay Culkin taucht zusamen mit seinem Bruder Kieran in einer Minirolle als Sohn von Dannys Bruder auf, James Belushi, der im selben Jahr von „Only the Lonely“ (Originaltitel) in Hughes hauseigenem Kevin-Nachzügler „Curly Sue - Ein Lockenkopf sorgt für Wirbel“ die Hauptrolle mimte, ist in einer Nebenrolle als Dannys Partner vertreten, und Ally Sheedy durfte bereits in Hughes legendärem „Der Frühstücksclub“ mitspielen und hat seither nichts von ihrer Niedlichkeit und ihrem Schauspieltalent verloren.

Trotz amerikanischer Handschrift in der Inszenierung und einem kanadischen Iren, sowie einem amerikanischen Italiener, wirkt das Milieu, in welchem der Film spielt, treffsicher. Mit irischer Hintergrundmusik versucht man auf Nummer Sicher zu gehen, und auch wenn dem eigentlichen Film das typisch irische Flair fehlt, welches beispielsweise „The Guard“ so wundervoll zu versprühen weiß, so wissen die Figuren mit ihrer Bissigkeit doch den Ton des jeweiligen Herkunftlandes zu treffen, so dass „Mama, ich und wir zwei“ keineswegs nur als blauäugiges Stück Kinofilm funktioniert, welches versucht andere Kulturen zu imitieren.

Ohnehin ist es Columbus geglückt ein sehr gelungenes Stück tragikomische RomCom gepaart mit Familienthematik abzuliefern. Die Dialoge sind treffsicher und interessant geraten, trotz aller überzogener Comicartigkeit wirken sie gar oftmals authentisch. Die Geschichte weiß zu bewegen, da sie es versteht die Figuren individuell und menschlich wirken zu lassen, so als würden sie tatsächlich existieren - gleichzeitig verlässt Columbus immer wieder den nötigen Realitätsgehalt, um uns auf Kino-art zu verzaubern. Er weiß wann er welche von beiden Seiten abliefern muss, und ein sensibler Grundton, sowie eine oftmals überraschend großartige Besetzung, hilft ihm dabei „Mama, ich und wir zwei“ zu einem kleinen Geheim-Tipp werden zu lassen, der leider nie genügend Beachtung geschenkt bekommen hat, was man spätestens John Candy gewünscht hätte, der teilweise atemberaubend spielt, wenn man einen Blick dafür hat auf winzige Details zu achten.

Leider wirkt er in der ansonsten sehr geglückten deutschen Synchronisation manches Mal eine Spur zu soft, z.B. bei seiner Reaktion darauf, dass Theresa ihn heiraten möchte. Auch die Verantwortlichen für Candys Make-Up arbeiten ein wenig gegen die nennenswerte Arbeit, die der Komiker hier leistet, ist er, gerade gegen Ende, oftmals doch etwas zu dick aufgetragen geschminkt und verliert dadurch seine authentische Ausstrahlung. Die gefühlvolle Geschichte weiß solche kleinen Fehler jedoch sowohl durch ihre ehrliche Fröhlichkeit, ihren stimmigen schwarzen Humor, als auch über die romantischen und tragischen Gefühlsmomente bestens aufzufangen, ein sympathisch schwermütiger Soundtrack hilft in besagten Gefühlsmomenten dabei ungemein.


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