Samstag, 5. April 2014

MAN OF STEEL (2013 Zack Snyder)


Ein außerirdisches Kind landet auf der Erde und wird über seine enorme Stärke als Erwachsener zum Beschützer der Menschen gegenüber seiner eigenen Rasse...


Verfrühtes Auffliegen...

Wenn man Supermans Vater auf einem Urzeiten-ähnlichen Planeten auf einen geflügelten Drachen reiten sehen darf, dann darf man zurecht kritisch werden. Und wenn Kryptons Ende bevorsteht, weil der Ältestenrat es veranlasst hat den Planetenkern auszubeuten, dann ist es vorbei mit der hoch intellektuellen Zivilisation, für welche die Rasse von der Superman abstammt einmal gedacht war. Es fehlt den Schreiberlingen und dem Massenpublikum heutzutage der nötige Geist, um zu verstehen dass das nicht passt. Dafür fehlt außerdem heutzutage die Kreativität und das psychologische Verständnis um Welten und Ideen zu kreieren, die Jenseits des menschlichen Alltags stecken. Krypton ist eine Fantasy-Variante Amerikas - entweder ein phantasieloses Zukunftsbild oder eine völlige Selbstüberschätzung des eigenen Intellekts.

Superman so viel Fantasy zuschreiben könnte theoretisch noch in Ordnung gehen, war er dem Bereich des Fantasy doch schon immer näher als dem der Science Fiction. Aber es gibt eben verschiedene Fantasy-Bereiche, und ein Drache und ein auf Barbar getrimmter kämpferischer Herr Papa sind da so unangebracht wie es Einhörner gewesen wären.

Trotzdem könnte das alles noch halbwegs egal sein, geht es nach etwa 20 Minuten doch auf der Erde weiter um endlich die Geschichte der Entstehung Supermans zu erzählen. Aber auch hier habe ich Grund zu meckern, geht es den Verantwortlichen doch bloß um wilde Action, und die soll der Zuschauer auch nonstop zu sehen kriegen. „Man Of Steel“ ist ein Actiongewitter in modernen Spezialeffekten, ein Showdown jagt bereits in der Mitte des Filmes den nächsten.

Bei mir macht sich da Ermüdung breit, kann ich ewig aneinandergereihten Actionszenen doch nichts abgewinnen, selbst wenn, wie im hier vorliegenden Fall, die Charaktere nicht ganz zu kurz kommen wie in anderen Blockbustern. Letzten Endes wirkt das alles zu lieblos und bemüht. Es ist zu sehr darauf bedacht dem Publikum gefallen zu wollen - und dem verwöhntesten und passivsten Publikum noch dazu.

Dabei klingt das Projekt „Man Of Steel“ in seiner Theorie eigentlich gar nicht mal uninteressant. General Zod bereits zum ersten Abenteuer Supermans zu machen, um ihn als Auslöser zu nehmen dass Superman sich einer Menschheit zeigen muss, die für ihn eigentlich noch nicht bereit ist, ist eine ebenso interessante Idee, wie Reporterin Lois Lane zur Freundin Supermans zu machen, indem sie schon vor dieser Enttarnung seiner Identität auf die Spur kommt und auf diesem Wege zur Verbündeten des Stählernen Blitzes wird. Wo bei all dem Treiben der Reporter Clark Kent bleibt, wird erst mit Ende des Streifens erwähnt, ein Grund mehr sich auf eine Fortsetzung zu freuen. Theoretisch!

Denn was hätte man von der schon mehr zu erwarten als von dem überladenen Action-Tammtamm des ersten Teils, welcher der Grundgeschichte allerhand Mystik raubt, z.B. wenn Supermans geheime Rückzugsmöglichkeit im ewigen Eis über ein großes, hochmodernes Raumschiff erklärt wird? Zack Snyder und Autor Christopher Nolan haben keinerlei Gefühl für den Charme der Comicvorlage, auf welche die erste Verfilmung „Superman - Der Film“ noch so viel Wert gelegt hat. Die beiden wollen Superman so verkrampft auf erwachsen, düster und modern kleiden, dass sie Superman so extrem verfremden, dass ihr Ergebnis kaum noch etwas mit dem Namen des Helden zu tun hat. Dann hätte man auch gleich wen neues erfinden können. Zumindest flüchtete man bei so viel Verfremdung im Titel wenigstens zum Kosenamen „Man Of Steel“.

Ja, Superman wurde schon immer verändert und von verschiedenen Autoren und Zeichnern anders definiert. Aber „Man Of Steel“ wirbelt alles so neu durcheinander und taucht dies in einen solch anderen Stil, dass nur noch ein Kern des Ursprungs übrig bleibt und der Geschichte des Außerirdischen, der kam um die Menschheit zu beschützen, nicht mehr gerecht wird. Dass zudem in einer Geschichte, um die Frage welche Rasse auf der Erde leben darf und welche nicht, im modernen Hollywood-Kino mit seiner Mentalität eine Fragwürdigkeit entsteht, die recht faschistisch orientiert ist, immer dann wenn man glaubt sich politisch korrekt zu äußern, ist fast schon eine Selbstverständlichkeit, die nicht fehlen darf, und die vom ignoranten Publikum nur all zu gern unerkannt geschluckt wird. Schließlich wird man ja nicht bewusst auf diese Fragwürdigkeit aufmerksam gemacht. Um zu erkennen wie gefährlich die Aussagen von „Man Of Steel“ sind müsste man schon selbständig denken können.

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