Sonntag, 5. August 2012

SCREAM 4 (2011 Wes Craven)


Als Sidney für eine Werbetour ihres Buches nach Jahren zurück nach Woodsboro kommt, geht erneut eine Mordserie los. Der Täter verbirgt sich wie immer hinter einer Ghostface-Maske...


Alle Jahre wieder...

Jamie Lee Curtis benötigte einige Jahre mehr, um zu ihrer Stamm-Horror-Reihe, „Halloween“ zurück zu kehren. Neve Campbell brauchte hierfür 10 Jahre, ebenso wie der Rest der Crew, wurde „Scream 3“ doch glücklicher Weise in all den Jahren nie genrebedingt typisch mit schnell herunter gekurbelten Filmchen fortgesetzt, womit Teil 4 direkt an das Ende der Original-“Trilogie“ ansetzen darf.

Die von mir gesetzten Gänsefüßchen verweisen schon darauf warum so manchem die Rückkehr dieser Horrorfilm-Reihe egal sein könnte, blendete Teil 3 doch mit einer Thematik, die er nie wirklich besaß. Teil 2 komplett ignorierend glaubte Craven es reiche sich Trilogie zu nennen, in dem man in der bisher ungenannten Vergangenheit einer Familie herumstochert. Dass er schlichtweg nur eine weitere Fortsetzung ablieferte, war um so ärgerlicher, da das Thema Trilogie nach „Horrorfilm“ und „Fortsetzung“ im Zentrum der Tätermotivation stand.

10 Jahre später war die Zeit reif für eine gute Idee. Die logische Weiterführung der bisherigen Herangehensweise der Killer war das Erschaffen eines Remakes der Originalmorde. Dieser Stoff bietet einige positive Ausgangspositionen, so z.B. jenen, dass man den eher schwächeren Teil 2 und den besonders schwachen Teil 3 halbwegs ignorieren konnte, um sich am Original zu orientieren, ein Film der auch nach all den Jahren noch immer eine Perle seines Genres ist, und der für die Wiederbelebung des Horrorfilms verantwortlich war, der nun 15 Jahre später seit dem noch immer nicht an Beliebtheit eingebüßt hat.

„Scream 4“ orientiert sich an seinen Wurzeln, ist also wieder sehr ironisch erzählt, verkommt dabei jedoch nie zur Horror-Komödie, was aufgrund der Lustigkeit zwischen den Zeilen schon einem kleinen Wunder gleich kommt, bietet das clevere Drehbuch doch allerhand Seitenhiebe in jede Richtung und verliert dabei nie sein Niveau, welches es um zu gefallen nicht einmal zwingend nötig gehabt hätte.

Haupttrumpf der dritten Fortsetzung ist der Respekt vor dem Original und seinem Publikum. Musste „Halloween 7 - H 20“ damals noch den Spagat zwischen klassischem und modernen Horror bewerkstelligen, ist „Scream 4“ schlichtweg für die Freunde der Original-Reihe gedacht, setzt die Geschehnisse dieser als bekannt voraus und erzählt seine Geschichte im gewohnten Stil. Modernisierungen werden nur thematisch angegangen. Die Stars von einst agieren nicht in uninteressanten Nebenrollen, sondern werden erneut in den Vordergrund gesetzt, so dass die Teens der Geschichte in zweiter Reihe agieren, auch wenn es der Killer meist auf sie abgesehen hat.

Auch Kenner der Originalfilme wird für einen schlichten Popkorn-Film einiges an Aufmerksamkeit abverlangt, spielt der Film durch seine Remake-Thematik doch auf allerhand Ebenen und wird hauptsächlich in der filmischen Gedankenwelt des aktuellen und der vergangenen Täter von den Protagonisten ausdiskutiert, so dass „Scream 4“ sich längst eine eigene Wirklichkeit erarbeitet hat, ein polizeiliches Kombinieren aus einer völlig anderen Wahrnehmung heraus, während zwischendurch der Sinn und Unsinn von Remakes, Fortsetzungen und den diversen Arten moderner Horrorfilme thematisiert wird, innerhalb einer Jugendkultur, die medial viel aktiver und hemmungsloser geworden ist als jene, in welcher die „Scream“-Reihe startete.

„Scream 4“ fehlt eine sympathische Identifikationsfigur, und das ist einer seiner Trümpfe. Die Teenager sind diesmal nicht durch ihre Dummheit unsympathisch, was Subgenre-klassisch wäre, sie sind es diesmal aufgrund ihrer Art zu leben, zu reflektieren und ihrer Art zu fühlen. Einzig eine kleine Nebenrolle, die Teenagerin mit den kurzen Haaren, welche Interesse am Schulnerd aufbaut, bietet das was die anderen Figuren vermissen lassen und steht damit für die Ausnahme, welche die Regel bestätigt.

Auch die wichtigen Figuren der Originalreihe erscheinen eine Spur asozialer, ohne den Ur-Charakter zu verraten oder diesem zu widersprechen. Selbst Sidney verkommt zur Medienhure um eine Identität zu finden, Gale war dies schon immer, und Dewey kann sich in der Position des Sheriffsnun nicht mehr hinter seiner Unsicherheit verstecken, die noch manches egoistische Verhalten in der Vergangenheit entschuldigen konnte. Trotz alledem ist sein Part wohl noch der freundlichste von allen.

Ansonsten schwirren allerhand anderer Personen durch den Film, seien es Mitarbeiter der Polizei, Lehrer, Verwandte, verdächtig scheinen viele, manch einer offensichtlicher als der andere, aber das Spiel mit dem Zuschauer funktioniert. Zwar glaubt in Teil 4 nun niemand mehr einer der Ur-Figuren könnte der Täter sein, dennoch versucht Craven auch diesmal erneut diese verdächtig erscheinen zu lassen.

Die Auflösung des munteren Täterratens ist diesmal gelungen, ein Punkt der den an sich geglückten „Scream 2“ am Ende fast das Genick brach und Teil 3 endgültig zur Belanglosigkeit verkommen ließ. Teil 4 orientiert sich wieder an Teil 1, in dem die Geschichte nicht mit der Enttarnung des Mörders endet, sondern mit der Auflösung noch einige Minuten seiner Laufzeit weiterspielt, bis in einem finalen Satz die Ur-Weisheit über Neuverfilmungen verkündet wird, die einen schon vorher den Mörder hätte erahnen lassen können. Hinterher ist man immer schlauer.

Und da auch das Drehbuch sehr clever ist, schließt der Film mit einem erneuten Seitenhieb auf die Medien, und dies nicht auf eine so klägliche Art wie jene eines George A. Romero, sondern treffsicher und im gewissen Sinne sogar nachdenklich stimmend, zumindest wenn man sich als Zuschauer die Alternativen des Filmgeschehens oder die nicht gezeigten Folgen besagter Mediensatire durch den Kopf gehen lässt.

Also, „Scream 4“ sei gegen aller Erwartungen jedem Fan des Original-Filmes ans Herz gelegt und bildet, falls nicht mehr fortgesetzt, einen wesentlich würdigeren Abschluss der Reihe als der damalige Teil 3. Mag sein dass die Rückkehr des original Drehbuchautors der Teile 1 und 2 daran beteiligt ist, dass Teil 4 so positiv ausfiel. Zumindest liegt eine Vermutung nahe: Kevin Williamson scheint nun mit 46 Jahren erwachsener geworden zu sein.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen