Donnerstag, 13. September 2012

DER AUFREISSER (2006 Steffen Winert)


Olli möchte sich nach einem One-Night-Stand morgens davon schleichen und wird von der Tochter seiner Eroberung überrascht. Diese stellt ihm einige lästige Fragen...


Kindermund tut Wahrheit kund...

Ich verstehe es nicht, wie es dieser Film zu den wenigen ausgewählten geschafft hat, die in der Kurzfilmrolle jährlich präsentiert werden. Die Idee selbst ist klasse, bietet Möglichkeiten für Doppelbödigkeit und cleveren Witz, aber für was entscheidet sich Regisseur Steffen Weinert? Für simpelste Komik für das Massenpublikum, so wie man es in den ollen Comedysendungen der Privatsender trotz Übersättigung zugeschmissen bekommt. Was nutzt da noch ein sympathisch gewähltes und halbwegs talentiertes Mädchen in der wichtigsten Rolle?

Ihr gegenüber steht ein Schauspieler, der die Schwäche der vorliegenden Banalität nicht zu überspielen weiß. Im Gegenteil, auch er agiert wie die Pausenclowns besagter Humorsendungen. Seit wann ist das Forum Kurzfilm dafür da plumpste Massenkost zu drehen? „Der Aufreißer“ ist ein Film geworden, der den Nutzen dieser Form komplett vermissen läßt: Experimentierfreude, Innovationen, Aussagekraft.

Spätestens im Schlussgag gibt sich der Film im Vollen der plumpen Massenkomik hin, die wirklich so gar nichts Gewitztes mehr bietet. Doch bereits vorher ist von Anspruch keine Spur zu sichten. „Der Aufreißer“ arbeitet gängige Klischees von Mann und Frau und gängige Weltansichten des ungebildeten Privatfernseh-Publikums ab, lässt in seinen extremst plumpen Momenten, wie z.B. der Schlüssel-im-Klo-Szene, selbst das sonst sympathisch wirkende Mädchen so herüberkommen wie die blonde Nervgöre einer Joghurtreklame selbiger Zeit, freilich ohne deren an Kokainkonsum erinnerndes Herumwirbeln und Rumschreien.

Die Fragen, die das Mädchen dem Casanova stellt, bieten nur den Ansatz von dem was man hätte vertiefen bzw. erreichen können. Man hätte sein Augenmerk mehr auf bohrende Fragen aus der Sichtweise eines Kindes lenken sollen, mit dem Ziel den Lebenssinn des Aufreißers auf pfiffige, sozialkritische und philosophische Art als sehr traurig und plump zu entlarven, anstatt sich derart auf die kindliche Erpressung zu versteifen. Ein mutiger Film hätte den Aufreißer vielleicht sogar gar nicht läutern lassen, sondern damit geschockt, dem Mädchen, in dem Umfang wie es dies begreifen könnte, eine Realität des Lebens näher zu bringen und ihr damit schon mal einen kleinen Schritt ihrer Kindheit zu nehmen.

Kunst ist das vorliegende Ergebnis nicht, und die Mühe etwas besonderes erzählen zu wollen ist auch nicht zu sichten. Die Grundidee ist gut, das Mädchen spielt großteils auch überzeugend und wie das bei Komik für die anspruchslose Masse so ist: hin und wieder verläuft sich im Sumpf schlechter Witze auch mal ein Schmunzler. Dies alles mitbedacht kann man den Film schon noch zur mäßigen Durchschnittskost zuordnen, anstatt ihn als Totalreinfall abzustempeln.


OFDb

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