Donnerstag, 13. September 2012

KOMMISSAR KLEFISCH 5 - KLEFISCHS SCHWERSTER FALL (1995 Wolf Dietrich)


Klefischs Wohnviertel wird leer. Auch Onkels Freund Mähling hat ein großzügiges Angebot bekommen um auszuziehen. Der will jedoch nicht raus und wird sodann mit Randale und Körperverletzung doch noch „überredet“. Während auch Klefisch um sein Wohlergehen bangen muss, begibt sich Döpper auf die Suche nach Beweisen, um das ungesetzliche Treiben zu unterbinden...


Klefischs Ruhetag...

Man soll es nicht meinen, dass man nach vier Klefisch-Filmen noch immer nicht genug hat, zumal bei mir persönlich die Pausen zwischen den Sichtungen immer kleiner werden. Aber was soll man sagen: wenn man sie nicht ernst nimmt macht diese Krimireihe einfach viel Spaß, und ich verkünde voller Freude, dass ich mit der vierten Fortsetzung „Klefischs schwerster Fall“ auch gleich den besten, weil schlechtesten Teil gesehen habe. Was Krimi-Freunden hier zugemutet wird, ist eine Unverschämtheit, und die Anwesenheit Willy Millowitschs dürfte Fans dieses Darstellers auch nur bedingt vom Zustand dieses Filmes ablenken.

Die „Kommissar Klefisch“-Reihe war schon immer banalste Unterhaltung auf Groschenheft-Niveau, zugeschnitten auf Millowitsch, der mehr oder weniger sich selbst spielt. Schon immer durfte man beobachten, wie selbst talentierte Schauspieler sich keine Mühe geben, verschiedene Regisseure den Stoff schnell abdrehten und Drehbuchautoren lust- und sinnlos eine Geschichte runterschrieben. Millowitsch stampft als egoistisches Trampeltier durch dem Kölner bekannte Ortschaften, versucht gar nicht erst sympathisch zu wirken, weiß er doch, dass er bereits zu Lebzeiten Legende war, und das hat Sympathie zu ersetzen.

Das lustige an Teil 5 ist mitunter sein reißerischer Beititel, der dem Inhalt so gar nicht gerecht werden will. „Klefischs privatester Fall“ könnte noch passen, zumindest wenn man manchen Vorgänger verschlafen hat, aber um „Klefischs schwerster Fall“ zu sein, hätte für die Titelfigur überhaupt erst ein Fall vorhanden sein müssen. Der einzige der in Teil 5 ermittelt ist jedoch Döpper, gespielt von Dietmar Bär, der seinem Ich aus der Gegenwart von Teil zu Teil dank Gewichtszunahme immer ähnlicher (und auch irgendwie sympathischer) wird. Döpper forscht nach, ermittelt, alles was er sonst auch immer tat, diesmal jedoch nicht parallel zu Kommissar Klefisch. Mehr noch, der Rentner gibt ihm diesmal nicht mal mehr Hinweise.

Klefisch macht eigentlich das, was Rentner halt so machen. Er geht Kaffee trinken und spazieren. Letzteres sieht man nicht zu oft, schien Millowitsch doch schon recht wackelig auf den Beinen zu sein. Wenn man im Abspann zusehen darf, wie der Rentner dem Sonnenuntergang entgegen geht, ist dies eine Ausnahme. Ansonsten wandert er in der Nähe von Gegenständen, an welchen er sich abstützen kann, oder er bewegt sich überhaupt nicht. Tadeln kann man den alten Mann dafür nicht. Im Gegenteil, er gibt sich taff, da immer noch arbeitswütig genug diesen Film zu drehen.

„Klefischs schwerster Fall“ ist nicht nur gar kein Fall für den Kommissar a.D., es ist auch noch ein sehr unsinniger. Döpper erlebt seine bescheuertsten Momente, wenn er einen Mann interviewen darf, an dem sich die Maske mal ordentlich ausgetobt hat. Heute machen wir mal all das, was unter einer anspruchsvollen Produktion verboten ist, da sie realitätsnah sein will. Da sitzt der komische Kauz im Verhör mit einem Schnauzbart, wie man ihn wohl sonst nur aus dem Comicbereich kennt und angeklebten Kotletten, die der Haarfarbe so gar nicht ähneln wollen, so dass deutlich der Ansatz zu erkennen ist, wo die echten Haare aufhören und die Kotletten beginnen. Dass der Schauspieler zudem noch eine dicke Nase hat, die gar nicht erst versucht wurde mit Schminke zu retuschieren (vielleicht war eher gegenteiliges der Fall: schminken zur optischen Vergrößerung), gibt diesen humorvollen Momenten noch das gewisse Etwas.

Bescheuerter wird es aber eigentlich immer in den häufigen Szenen, in denen weder Döpper noch Klefisch aktiv beteiligt sind, jene Szenen, in denen ein Verbrechen passiert oder dem Zuschauer Hintergründe beleuchtet werden, von denen die beiden Kriminalisten noch nichts wissen. Da kommt es zu erotischen Liebeleien zwischen einer nicht gerade attraktiven gealterten Frau mit ihrem arbeitstechnisch untergebenen Jüngling, der in seiner Oben-ohne-Szene auch gleich wie der Held daliegen darf, so als wäre er der Gott im Knattern und Erobern.
Der sonst so schlaue Chef, welcher der Mann der untreuen Dame ist, ahnt freilich nichts. Die berufliche Raffinesse spiegelt sich im privaten Bereich nicht wieder, erstaunlicher Weise seine Gnadenlosigkeit ebenso wenig. Wenn auf ihn im Auto geschossen wird, legt er sich zunächst einmal todspielend hin, bis jemand schockiert zu ihm hinläuft, sich Sorgen machend, um bei Ankunft von ihm an die Seite gedrängt zu werden, da der fast Erschossene nun weiter seinem Alltag nachgehen muss. Dass der selbst Kriminelle nicht gleich die Polizei ruft, mag noch Sinn ergeben, aber den Vorfall so ganz ignorieren (irgendwo lauert noch der Schütze, das Auto ist kaputt, ...) dann aber gar nicht.

Recht lustig ist auch die Auflösung ausgefallen, die hier freilich nicht verraten wird. Kurz vor der Täteraufdeckung ist nur noch eine Person als Mörder möglich. Deren Beweggründe sind völlig unsinniger Natur und ergeben nur in einem sinnlosen Drehbuch wie diesem so etwas ähnliches wie einen Sinn. Schön dass der Kriminalkommissar a.D. zumindest  hier zu wirken weiß, darf er doch in dieser Szene erstmals Sympathie in Teil 5 aufblühen lassen, die nicht einmal aufgesetzt wirkt, sondern erschreckend ehrlich.

Dass auf den in dieser Besprechung kaum erwähnten Chef zwei Mal geschossen wird, sorgt auf dem Weg zum Ziel auch für manche Lustigkeit, ist der Hintergrund des ersten Mordanschlags doch Teil eines kleinen Nebenstrangs der Hauptgeschichte, der uns eine Romantik zwischen einem dusselig aussehenden, geschwätzigen Alkoholiker und einer unheimlich schlecht, aber dafür um so selbstsicherer und selbstverliebter gespielten widerlichen Karrierefrau aufdrängen will, die, so sehr man sich auch bemüht, nie romantisch wirken will. Lustig dass das Gestehen des Mordversuchs als eine Art Kavaliersdelikt abgetan wird, und das in der Welt der Klefisch-Filme, in welcher jede noch so harmlose Tat direkt aus biederer Sicht verurteilt wird.

Wie erwähnt: zu lachen gibt es viel. Das nervige Sabrinchen bekommt in Teil 5 nur noch einen Gastauftritt und verrät mit diesem auch gleich, warum Jasmin Münch außer dieser Rolle nur noch kurzzeitig in einer TV-Serie mitwirkte und die Schauspielerei dann für immer an den Nagel hing. Sie ist sehr pummelig geworden, wirkt damit nicht mehr frech und taff, und so darf sie es gerechter Weise diesmal auch gar nicht mehr sein. Da sind die Leute vom Film halt sehr streng. Ihre Gewichtszunahme belustigt jedoch, wenn auch zugegeben auf recht ungerechte Art, aber spätestens wenn man sich die Szene der Marmeladenpfannkuchen-verschlingenden Sabrina aus einem der Vorgänger in Erinnerung ruft, kann man nicht mehr anders. Man muss einfach lachen.

„Kommissar Klefisch 5“ ist wenig Kriminalfilm, fast schon mehr ein privates Drama eines Rentners, der von Geschäftsleuten reingelegt werden soll. Dass er dank schlechter Köpfe vor und hinter dem Projekt nicht als das funktioniert, was er eigentlich sein sollte, ist für schadenfreudige Zuschauer wie ich es bin freilich ein gefundenes Fressen. Ungewöhnlicher Weise kommt in der vierten Fortsetzung dem unfreiwilligen Humor aber noch ein schlechter gewollter zu Hilfe. Die „Kommissar Klefisch“-Reihe war nie todernst gemeint, ließ immer mal augenzwinkernde Momente aufblitzen, aber mit richtigem Humor hatte man sonst eigentlich nie gearbeitet. Millowitsch wirkt diesmal jedoch teilweise wie auf der Bühne in einem seiner Lustspiele und spricht hin und wieder mit der lustig gemeinten hohen Stimme, die man aus seinen Komödien aus den 60er und 70er Jahren kennt (z.B. „Zum Teufel mit der Penne“).

In Szenen, in welchen er bockig auf seine ihm aufgezwungene Altenpflegerin reagiert, schaukelt sich der Grad der Komik erschreckend unpassend hoch, zumal man nie weiß, warum ein theoretisch intelligenter Mann wie Klefisch seiner Hilfe so feindselig gegenüber steht, selbst dann, wenn sie sich auch noch in anderen, wichtigeren Bereichen für ihn aufopfert, als in den für ihren Beruf üblichen.

Der Kenner der „Klefisch“-Reihe weiß allerdings bereits warum der Rentner ihr gegenüber so biestig ist. Die Altenpflegerin ist weit davon entfernt attraktiv zu sein, und der gute Beobachter der Filme um Klefisch weiß, dass der tatterige Kommissar nur zu in seinen Augen attraktiven Damen höflich und freundlich ist, während er den Rest als das behandelt, was auch Männer in seinen Augen sind: störende Lustbremsen im Kopf eines immergeilen Rentners. Da dies aber schon den Bereich der Analyse streift, und mir meine Zeit für einen Klefischfilm diesbezüglich dann doch zu schade ist, schließe ich die Besprechung stattdessen lieber mit dem Fazit: bester, da schlechtester Teil der Reihe, der sich eigentlich nicht nur nicht „Klefischs schwerster Fall“ nennen dürfte, sondern gar nicht erst Kriminalfilm.


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