Donnerstag, 20. September 2012

SAW 3 (2006 Darren Lynn Bousman)


Jigsaw konnte untertauchen. Das Stadium seines Krebsleidens ist mittlerweile in der Endphase angekommen. Da er noch ein Spiel laufen hat, welches er persönlich überwachen muss, lässt er von seiner Partnerin eine Ärztin entführen, die ihn so lange am Leben hält, wie das besagte Spiel dauert...


Spiel mir das Spiel vom Tod...

„Saw 3“ weist Unlogiken im eigenen „Saw“-Universum auf, welche Bewunderer des Erstlings mit Sicherheit ärgern werden. Die Spiele Jigsaws brechen vorherige Regeln, insbesondere in den Bereichen Vergehen und Selbsterrettung. Wahrscheinlich ist dies den Verantwortlichen selbst gar nicht aufgefallen, da sie sich in Jigsaws Spiel lediglich auf die Hauptfigur konzentrieren, bei der sie diese Fehler nicht eingebaut haben. Das der Hauptfigur aufgedrückte Spiel beherbergt jedoch Folterszenen Dritter, die nicht die Möglichkeit haben sich selbst zu erretten. In Jigsaws Sinne kann das eigentlich nicht sein.

Ich muss gestehen, dass mich der Bruch der innereigenen Logik nicht gestört hat, und das hat auch seinen guten Grund. Ich kann die „Saw“-Reihe nicht ernst nehmen. Ließ Teil 1 bei mir lediglich ein enttäuschtes Kopfschütteln zurück, so bot mir Teil 2 wenigstens Unterhaltung, wurde aus dem ach so möchtegernanspruchsvollen Teil 1 in der Fortsetzung nun blutiger Trash ohne Anspruch (auch wenn er sich die größte Mühe gab diesen zu haben). Und vom Unterhaltungswert kann man behaupten, dass Teil 3 Teil 2 recht ebenbürtig ist.

Neben dem oben erwähnten Fakt gibt es jedoch noch ein weiteres Qualitätsdefizit im Vergleich zu den ersten beiden Teilen. Die zweite Fortsetzung schließt nicht mit einer überraschenden Wende, die alles bisher Geglaubte auf den Kopf stellt. Zwar bietet auch Teil 3 am Schluss immerhin eine kleine Überraschung, aber diese ist ohnehin nur für den denkfaulen Zuschauerteil gedacht, ist sie doch sehr naheliegend und damit vorhersehbar. Nicht nur das zwei Situationen parallel nebeneinander herlaufen, so dass man sich denken kann, dass eine Verbindung besteht, zusätzlich wird nebenbei sogar erwähnt, dass die Ärztin wichtiger sei, als der erste Eindruck vermuten lässt.

Eigenes Denken traut man dem Zuschauer aber ohnehin nicht zu. Am Ende werden wieder einmal die Zusammenhänge des Gezeigten verdeutlicht. Diese sind eng verwoben mit den Geschehnissen aus den Teilen 1 und 2. Das ist lobenswert, zumal Teil 3 damit noch halbwegs glaubhaft umgeht. Zumindest wenn man einfach einmal akzeptiert Jigsaw könne wirklich alles exakt so einfädeln, wie es später auch geschehen wird. Manche Zusammenhänge werden im Laufe des Filmes klar, andere erst gegen Ende. Leider wird dort nun jeder Hinweis per Rückblick-Flash wiederholt, egal wie naheliegend und überdeutlich er war, damit nun auch der allerletzte Vollidiot begreift, was bereits in einem durchschnittlichen Kopf angekommen ist. Das ist nun wirklich beleidigend zu nennen.

Dass der Zuschauer seinen Kopf einschaltet wurde in der „Saw“-Reihe ohnehin nie gefordert, im Gegenteil, von Fortsetzung zu Fortsetzung setzt man immer mehr auf den anspruchsloseren Part der Unterhaltung, was in „Saw 3“ besonders deutlich wird durch das Austauschen pseudointellektuellen Geschwafels gegen ultrabrutale Bilder. Zog sich manchem bereits in den Vorgängern der Magen zusammen, dürften Zartbesaitete diesmal das Kotzen kriegen. Selbst hartgesottenen Gorehounds müsste anders werden, wenn einem Todkranken mehrfach an der freiliegenden Schädeldecke herumgebohrt wird und dies auch noch in Nahaufnahme. Zeigten „Saw“ und „Saw 2“ noch abartige Ideen, deren Umsetzung in den fiesesten Momenten ausgeblendet wurden, so hält „Saw 3“ gnadenlos drauf. Fleisch, welches sich aus eisernen Ketten befreit, verdrehte Gelenke, man lässt fast nichts aus.

Diese Blutrünstigkeit, die hervorragend getrickst wurde und in manchen konservativen Köpfen die Frage nach dem Geisteszustand der Drehbuchautoren entfacht haben könnte, hätte „Saw 3“ eigentlich gar nicht nötig gehabt. Die Geschichte ist interessant, flott erzählt (die wesentlich längere Laufzeit fällt nicht auf) und wird Eins mit den Vorgängern. Ich vermisse zwar noch immer einen augenzwinkernden Umgang mit der Thematik, aber die habe ich in einer zweiten Fortsetzung nun auch nicht mehr erwartet. Das plötzliche Einbringen dieser hätte wahrscheinlich ohnehin eher kontraproduktiv gewirkt, hätte sich Teil 3 damit doch nicht so nahtlos dem Rest der Reihe angefügt, wie nun geschehen.

Großartiges Kino waren die „Saw“-Beiträge noch nie, und Teil 3 ist ohnehin nur für die eingefleischte Fangemeinde gedreht. Allein die engverwobene Geschichte in Bezug zu den Vorgängern macht Neueinsteigern das Zuschauen zwar nicht unmöglich, und es ist auch nicht schwer die Zusammenhänge zu knüpfen, jedoch wirkt das Gezeigte sicherlich noch sinnloser, wenn man Teil 1 und 2 nicht gesehen hat. Schade ist einfach, dass die zweite Fortsetzung zu sehr versucht einem mit Banalitäten zufriedenzustellendem Publikum zu gefallen. Spätestens mit Teil 3 ist man nun endgültig im Voyeur-Kino angekommen. Wie man sieht kann so etwas aber auch unterhalten.


Trailer,   OFDb

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