Mittwoch, 10. Oktober 2012

APOLLO 18 (2011 Gonzalo López-Gallego)


Offiziell war die Apollo 17-Mission der letzte Flug der Amerikaner zum Mond. Im Geheimauftrag fliegt jedoch eine drei-köpfige Crew als Apollo 18 zum Erdtrabanten. Oben auf dem Mond angekommen merken sie nicht nur, dass die Mission eine andere ist als ihnen von oben vorgegaukelt wurde, sondern auch warum die Öffentlichkeit nicht eingeweiht werden durfte...


Drei Männer im Mond...

Ebbe und Flut beeinflussend und nachts am Himmel meist nicht zu übersehen, wirkte der Mond schon immer mysteriös auf die Menschheit. Neben der Esoterik hatte er einen ungeheuren Einfluss auf Geschichtenerzähler. Ob es nun die Kinderliteratur betrifft als ein für die Kleinen schnell erkanntes Symbol für die Schlafenszeit oder aber auch für abenteuerliche Geschichten wie "Peterchens Mondfahrt", oder ob es um die Phantasie des Erwachsenen geht, der das Mysterium Mond bereits in filmischen Anfängen mit "Die Reise zum Mond" verarbeitet hat, basierend auf Jules Vernes Printmedie. 

Als die Amerikaner zum Mond flogen war das ein Hoch der menschlichen Errungenschaft über die Technik. Das Ereignis war ein Quotenhoch am TV-Himmel, der Sieg der Amis in einem Wettbewerb gegen die Russen, nachhaltig aber auch eine Entmystifizierung, gab es doch nichts als karges Gestein dort oben. Vorbei die Phantastereien über Leben dort oben oder über kindliche Vorstellungen wie der klassische "Der Mond ist aus Käse"-Gedanke.

Von nun an war der Mond nur thematisch interessant für Esoteriker und für Verschwörungstheoretiker. So manch einer behauptete der Flug zum Mond sei inszeniert gewesen, abgefilmt in einem Fernsehstudio. An außerirdisches Leben glaubte man nicht einmal mehr bezogen auf den Mars, mit dem man diesbezüglich am liebsten liebäugelte. Weltraum-Abenteuer in unmittelbarer Nähe zur Erde wurden uninteressant. Mit "Krieg der Sterne" und "Star Trek" zog es die Geschichtenerzähler in andere Zeiten und weitere Tiefen des Alls. Filme wie "The Dark Side Of The Moon" und "Moontrap - Gefangen in Raum und Zeit" mit Bruce Campbell wurden zu einsamen Ausnahmen.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Aber der Hang zu Verschwörungstheorien ist in der Zwischenzeit immer größer geworden. Politische Lügen, oftmals aus Amerika, die ein Volk verarscht haben gossen Öl ins Feuer derer, die immer mehr hinter etwas vermuteten als uns gesagt wurde. Ein Großteil der heutigen Filme befasst sich mit Verschwörungen, und so war es an der Zeit auch wieder das alte Mond-Thema auszupacken, zumal sich mit "Paranormal Activity" und "[Rec]" gerade wieder der alte Semi-Doku-Bereich von "The Blair Witch Project" und "Die Delegation" in den Kinos erfolgreich breit gemacht hatte und eine Welle der Nachahmer mit sich zog. Es folgten "Cloverfield", "Der letzte Exorzismus", "Troll Hunter", "District 9", "Gacy House", "Diary Of The Dead" und viele andere Werke, die ein authentisches Material vorgaukelten, eine ideale Basis um von einer uns verheimlichten Mondmission zu erzählen.

Aufgrund der Kameratechnik von damals und dem Umstand dass mit dem obligatorischen Helm auf dem Kopf im All wenig Mimik zu sichten sein wird, bin ich schon etwas skeptisch auf "Apollo 18" zugegangen. Aber die Geschichte klang einfach interessant, zumal man über das was näher auf dem Mond passieren sollte nichts wusste.

Was Skepsis Nummer eins betrifft, die war nicht ganz zu unrecht von mir angerissen. Das Bild von "Apollo 18" ist absichtlich miserabel, meist nicht so verwackelt wie "Blair Witch" und Co, aber doch recht düster, auf alt und kaputt getrimmt und damit oft eine Herausforderung für die Konzentration des Zuschauers. Viele wird es nerven, zumindest vom authentischen Standpunkt aus funktioniert es aber. Man fühlt sich mittendrin in einer Weltraummission in glaubhafter Optik und später auch in unheimlicher Atmosphäre.

Skepsis Nummer 2 war unnötig. Vieles spielt sich in dem Gefährt ab, mit dem die Astronauten reisen, und da dürfen die Helme pausieren. Auf dem Mond selbst sieht es derart unheimlich authentisch aus, dass man die fehlende Mimik der Protagonisten gar nicht erst vermisst.

Bis es zu den ungewöhnlichen Ereignissen kommt, die erklären werden warum die Mission geheim gehalten und die Astronauten verarscht wurden, dauert etwas. "Apollo 18" zieht den Zuschauer dennoch in seinen Bann, ist das Weltall doch eine menschenfeindliche Umgebung in welcher jede falsche Bewegung zum Tod führen kann. War schon das isolierte Umherwandern im Nirgendwo in "The Blair Witch Project" für den zivilisierten Menschen in uns eine Horrorvorstellung, so ist die Reise in den luftleeren Raum um so beängstigender.
Technisch gesehen ist "Apollo 18" geglückt, und das betrifft auch die deutsche Synchronfassung, die zu gefallen weiß. Inhaltlich ist das Werk jedoch ein kleiner Wackelkandidat. Ich schimpfe nun auf hohem Niveau, denn der Unterhaltungswert von López-Gallegos Regiearbeit ist hoch. Aber wenn man nach langer Zeit erst einmal weiß was es mit der Mondmission auf sich hat, ein Fakt der zum Glück erst nach und nach entblättert wird, folgt der Streifen den üblichen Geschehnissen solcher Semi-Dokus und weiß kaum noch zu überraschen.

Da dies erst im letzten Drittel auftritt in einem Film der etwas unter 90 Minuten läuft, ist das nicht all zu schlimm. Aber eben durch seine völlig andere Geschichte und den damit einhergehenden völlig anderen Möglichkeiten hätte "Apollo 18" sich von den restlichen Werken seiner Art abheben können. So ist er nur einer von vielen geworden, zu jener Nische der brauchbaren Umsetzungen gehörend, aber nicht zu den Meilensteinen oder gar Trendsettern.

Zumindest blieb man dem Rezept einer Semi-Doku treu, sprich man baute nicht den selben Fehler wie Romero mit seinem "Diary Of The Dead" in welchem Hintergrundmusik eingespielt wurde oder Fehler im Sehverhalten der Zuschauer wie es in "Der letzte Exorzismus" geschah. "Apollo 18" bleibt bis zum Schluss glaubwürdig und authentisch, bis auf die übliche Frage warum in manchen Momenten noch immer gefilmt wird und einer Frage, die ich durch Unkenntnis der Materie nicht beantworten kann: wie lange am Stück konnte man damals überhaupt mit den vorhandenen Kameras drehen? Für wie lange reichte eine Filmrolle? So manches Mal kam mir der Film diesbezüglich etwas unglaubwürdig vor, aber ich kann mich ja auch irren.

Insgesamt ist "Apollo 18" aber auf jeden Fall ein Ausflug zum Mond geworden, dem man sich anschließen kann. Er ist nicht ganz so gut ausgefallen wie "Moon", dafür aber auch klarer am Unterhaltungsfilm orientiert, während "Moon" diesbezüglich ein Bastard war - anspruchsvoll für einen Unterhaltungsfilm, zu anspruchslos für mehr. Der schlichtere und plumpere "Apollo 18" weiß zumindest was er will und trifft mit seiner Umsetzung ins Schwarze. Im groben bot er schon in etwa das was ich von ihm erwartet hatte. Schade dass die letzten 20 Minuten etwas überraschungsarm ausgefallen sind.


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