Samstag, 13. Oktober 2012

CUBE (1997 Vincenzo Natali)


Sechs Menschen erwachen innerhalb eines Würfels, der aus mehreren Räumen besteht, von denen manche todbringende Apparaturen beherbergen. Wie man hier hereingekommen ist, weiß keiner. Was das ganze soll ist ebenso unklar. Nur eines ist sicher: man will hier raus. Der mit unterschiedlichsten Charakteren zusammengewürfelte Haufen tut sich zusammen, um einen Ausgang zu finden und entdeckt dabei, dass die Geheimnisse des Würfels ein Muster ergeben...


Sieben mal sieben ergibt feinen Sand...

“Cube” ist ein hervorragender Film, der es trotz einiger Schwächen schafft einen zu überzeugen und zu unterhalten. Allein die Grundidee besitzt so viel Potential, dass sie einen ganzen Film tragen kann. Gedreht in nur einem Raum, wird Hochspannung erzeugt, obwohl die mathematische Logik ab einem gewissen Punkt für den Zuschauer nicht mehr nachvollziehbar ist. Man muss sich einfach darauf einlassen, dass die Genies des Films recht haben. Bis es zu diesem Punkt des Nichtwissens kommt, machen die Erklärungen und Berechnungen jedoch Sinn.

Die Räume wirken fremd, düster und skurril zugleich. Die Todesfallen sind einfallsreich und abwechslungsreich. Die Spezialeffekte lassen nichts zu wünschen übrig, gerade dann wenn wieder wer einer bösen Falle zum Opfer fällt. Und da wird mit recht fiesen Ideen gespielt, die sicherlich auch die späteren Schreiberlinge der “Saw”-Reihe inspiriert haben dürften. Der durch einen Laser zerschnittene Mensch ist sicherlich diesbezüglich der Höhepunkt dieses Werkes.

Regisseur Natali schafft es jedoch nicht nur durch Aktion Spannung zu erzeugen, sondern auch auf atmosphärischem Wege. Das Geschehen im klangaktivierten Raum, dürfte das beste Beispiel hierfür sein, bibbert der Zuschauer in dieser langsamen Szene doch allein schon deshalb, weil er dem Autisten nicht zutraut so lange leise zu sein. Wenn dieser das Misstrauen des Zuschauers bestätigt, läuft es einem eiskalt den Rücken herunter.

Die Protagonisten rätseln und philosophieren. Sie forschen und grübeln was der Sinn der ganzen Sache ist. Das wird grob abgearbeitet, und dennoch sind hier hervorragende Ansätze zum Philosophieren, Diskutieren und Phantasieren gegeben, so dass man nach Schluss des Streifens noch eine nette Gesprächsrunde vor sich haben kann, vorausgesetzt man schaut den Film mit den richtigen Leuten.

Besonders gelungen fand ich den Ansatz, in welchem einer der Beteiligten die Nutzung des Würfels allein mit dessen Existenz begründet. Würde er nicht genutzt, hätte der Würfel keinen Sinn. Das ist eine sympathische kaputte Idee und doch ähnlich skurril wie viele Dinge und Rituale in unserer Gesellschaft, auf die ähnliches zutrifft. Am Schluss macht der Film das einzig richtige: es gibt keine Auflösung über den Sinn des Würfels. Auch die Besitzer bleiben anonym. Gut so, die Wirkung des Filmes würde verpuffen, wenn man anders vorgegangen wäre. Neben der Logik, die hin und wieder bröckelt, lebt “Cube” von der Mystik des Geschehens.

Somit kann man diesen Science Fiction-Horror immer wieder gucken und seiner Phantasie immer wieder aufs Neue freien Lauf lassen. Das offene Ende sorgt für allerlei Gesprächsstoff, und die Entscheidung warum welche Person dieses Ende erleben darf, ist geradezu typisch für die heutige Gesellschaft. Auf versteckter Ebene findet an allen Ecken und Enden Gesellschaftskritik statt. In manchen Szenen allerdings auch mit dem Holzhammer präsentiert.

Das ist manchmal dennoch gelungen, z.B. wenn der Konstrukteur der Außenwände über sein Leben grübelt und sich fragt was ihn außerhalb des Würfels erwarten wird. Manchmal ist die aufgesetzte Kritik aber auch arg plump, z.B. wenn es, zugegeben etwas ironisch angehaucht, um Verschwörungstheorien geht und um diverse Begründungen der Existenz des Würfels betreffend. Manchmal wirkt der Film auf oberflächliche Art kritisch, wenn sich die Figuren streiten und dabei ihre Standpunkte und Ansichten des Lebens klar machen.

An sich ist "Cube" ein ordentlicher Genre-Beitrag mit viel Potential geworden, und gerade deshalb überraschen manche Fehler. Von der leicht bröckelnden Logik des Films einmal abgesehen fallen da in erster Linie die Charaktere auf. Gewisse Klischeefiguren einzubauen, die zu entdecken glauben, dass jeder im Würfel zur Aufgabenbewältigung Sinn macht, ist noch o.k. zu nennen Dass aber eben jene Klischeefiguren derart überzeichnet werden, ist nicht nur kontraproduktiv und unnötig, sondern manchmal auch hart an der Schmerzgrenze für den Zuschauer.

Besonders negativ fällt hierbei der Anführer der Gruppe auf, der im letzten Drittel durch Overacting verkörpert wird und dessen Charakter in dieser Phase des Films viel zu dick aufgetragen wird. Er hätte auch das Störelement der Gruppe auf einer harmloseren Ebene sein können und wirkt ab einem gewissen Punkt kaum noch glaubhaft.

In Sachen mangelnde Glaubhaftigkeit ist die Hauptattraktion dieses Kinofilms allerdings der Autist. Er ist schlecht besetzt worden, spielt seine Krankheit wie ein Kasperle, und nicht mal das Drehbuch kann ihm den Rücken decken. Man muss als Zuschauer einfach akzeptieren, dass man es hier mit einem besonders umgänglichen Autisten zu tun hat, der all diese unglaublichen Dinge und Situationen meistert und sich auch noch überraschend gut ins soziale Gefüge der Gruppe einfindet. Dass nun auch noch die Synchronstimme gerade dieser Person überzogen wirkt, gibt dem ganzen in der Deutschfassung noch den Rest.

Da sind deutliche Schwächen in der Besetzung und den Charakterzeichnungen vorhanden, so dass es einen wundert am Schluss einen derart guten Film gesehen zu haben. Fans harter Gorseszenen werden hier ebenso gut unterhalten, wie Freunde skurriler Ideen. “Cube” ist sehr ruhig erzählt, liefert zu passenden Zeitpunkten kleine Events und ist mit einer Musik untermalt, welche die Atmosphäre der Geschichte bereichert. Leute, die in Filmen alles vorgekaut kriegen müssen, sollten lieber zu actiongeballteren und hirnfreieren Werken wie "I Robot" greifen. Filmfreunde, die auch mal gern herausgefordert werden wollen, sind hier goldrichtig. Das Glück des Films ist es eine sehr starke Grundidee zu haben, deren Unterhaltungswert selbst dann nur leicht zu wackeln beginnt, wenn die hier aufgezählten Schwächen in Erscheinung treten.


Trailer,   OFDb

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