Donnerstag, 11. Oktober 2012

DÄMONISCHE SPIELE - PUPPET MASTER VS. DEMONIC TOYS (Puppet Master vs. Demonic Toys 2004 Ted Nicolaou)


Robert Toulon tüftelt mit seiner Tochter an der geheimen Substanz seines Vorfahren André Toulon, welche Puppen zum Leben erwecken kann. Eine bösartige Spielzeugfabrikantin ist nach Gelingen des Experiments an den Puppen interessiert, während ein Dämon für den sie tätig ist, persönliches Interesse an den Toulon-Nachfahren besitzt...


Treffen der Spielzeug-C-Promis...

Was im Deutschen dank mangelnden Bekanntheitsgrades zweier Filmreihen den allgemeinen Haupttitel “Dämonische Spiele” erhalten hat, ist im Original- wie im Beititel ein Zusammentreffen zweier Horrorfilm-Reihen, die Schundfilm-Produzent Charles Band bereits in den 80er Jahren ins Leben gerufen hat. Während “Demonic Toys” bislang nur durch ein Cross Over mit den Filmen “Dollman” und “Cosmo” mit dem Titel “Tod im Spielzeugland” fortgesetzt wurde, brachte es die “Puppet Master”-Reihe bis 2004 auf 7 Fortsetzungen. 2010 folgte die 9., wenn man das Treffen der Killerpuppen in dem hier besprochenen Streifen zu den regulären Fortsetzungen dazuzählen möchte.

Der Zeitpunkt um einen Mix beider bösartigen Spielzeug-Cliquen herauszubringen ist sicherlich nicht zufälliger Natur, trafen 2003 doch die Horrorfilm-Killer Freddy Krueger und Jason Vorhees in “Freddy vs. Jason” aufeinander. Ein Jahr später, im Erscheinungsjahr von “Dämonische Spiele”, gab es das intergalaktische Zusammentreffen der Viecher aus “Alien” und “Predator” in “Alien vs. Predator”. Während besagte Beispiele vom Kinopublikum in aller Welt heiß erwartet wurden, war das Treffen der tödlichen Spielzeuge nur Futter für trashliebhabende Freaks, die Spaß an schundigen B-Movies haben.

Die “Demonic Toys” hatten ihr erstes Crossover wie erwähnt bereits hinter sich. Das Zusammentreffen mit den Puppen aus der “Puppet Master”-Reihe erschien jedoch wesentlich reizvoller. Während “Tod im Spielzeugland” dann auch eher enttäuschender Natur war, macht “Dämonische Spiele” zumindest halbwegs Spaß, auch wenn ich mir selbst innerhalb des Charles Band-Schund-Universums schon etwas mehr von diesem Streifen erhofft habe und mit dieser Einstellung sicherlich zu einer Minderheit in der Cineastenwelt gehörte.

Wie nicht anders zu erwarten übernahm Charles Band mal wieder nur die Rolle des Produzenten. Auf den Regiestuhl setzte er Ted Nicolaou, der schön des öfteren für ihn tätig war, z.B. mit der “Subspecies”-Reihe, dem “St. Francisville Experiment” (sicherlich der erste Nachahmer vom Erfolg vom “Blair Witch Project”) und mitunter auch von “Cosmo”, jenem Science Fiction-Spaß, der in der “Demonic Toys”-Fortsetzung “Tod im Spielzeugland” ebenfalls fortgesetzt wurde. Den drehte damals Charles Band selber, und nun darf es der Regisseur den dämonischen Puppen heimzahlen, was sie seiner geschrumpften Heldin aus “Cosmo” antaten, ohne dass er Mitspracherecht hatte.

Bedenkt man, dass “Dämonische Spiele” lediglich ein TV-Film war, darf man sich über die Puppenanimation ein wenig wundern. Nicht dass sie auf einem hohen Stand ist, aber wenn man manch andere Produktionen des ollen Bands sichtet, z.B. “Totem” oder “Doll Graveyard”, darf man sich schon darüber wundern, dass zur Bewegung der Puppen diesmal mehr Techniken verwendet wurden, als jene, die jeder Amateur zu Hause ebenfalls hätte anwenden können: die Figuren mit der Hand bewegen und darauf achten, dass die Hand nicht mit ins Bild kommt. Das ist kein Sarkasmus, so wurde tatsächlich häufig in den C-Filmen Bands gearbeitet.

Im Zusammentreffen der zwei kleinen Schundfilm-Reihen darf man jedoch hin und wieder Puppenbewegungen betrachten, während die Figuren komplett im Bild zu sehen sind. Das ist dank Motoren und einfachster Stop Motion-Technik nichts schweres, wie wir gerade erfahren haben in der Welt des Charles Band jedoch trotz Kostengünstigkeit kein Muss. Vielleicht lag es daran, dass er mit zu kostengünstigen Filmen seine Firma “Full Moon Pictures” in den Bankrott gesteuert hat, so dass er nun durch den von der Firma “Sci Fi Pictures” produzierten “Dämonischen Spiele” den Schritt vorwärts und zurück zugleich auf das Niveau seiner 80er Jahre-Filme steuerte.

Nicolaous Film ist alles andere als ein Werk mit hohem Budget, aber im direkten Vergleich mit “Full Moon”-Produktionen ist ein Unterschied zu erkennen. Und der zeigt sich nicht nur in der schlicht besseren Animation, sondern auch darin, dass man einen ehemaligen Teenie-Star mit an Bord holen konnte, dessen Name sicherlich noch den ein oder anderen Rest-Fan lockt: Corey Feldman. Dieser sammelte Genre-Erfahrungen bereits in “Freitag der 13. 4“, wurde mit “Stand By Me”, “Goonies”, Teenie-Komödien mit Busenkumpel Corey Haim und “Lost Boys” halbwegs berühmt und ließ im Erwachsenenalter kaum noch was von sich hören.

Dass er in Billigproduktionen landete, war kaum zu verhindern, war er doch trotz toller Auftritte wie im Kinofilm “Meine teuflischen Nachbarn” nichts mehr, als der fesche, freche Jungspund, und eine solche Stilrichtung besitzt nun einmal ein Verfallsdatum. Irgendwann landete er in der sehr mauen “Meatballs”-Reihe in “American Eiskrem 3 1/2“. Und von diesem zu einer Charles Band-Produktion war es nun auch kein sonderlich großer Schritt. Bevor er mit “Lost Boys 2“ wieder in einem etwas berühmteren Film auftauchen durfte, schlüpfte er also in die Rolle eines erneuten André Toulon-Nachfolgers in der nicht enden wollenden “Puppet Master”-Reihe.

Hätte man sich jedoch nur an ihr orientiert, wäre der gute Mann, der trotz Stoppelbärtchen noch immer wie der milchgesichtige Teenager wirkt, im falschen Film gelandet. Die Werke der “Puppet Master”-Reihe, mit all ihren unterschiedlichen Schwerpunkten, waren stets darum bemüht ernsten Horror darzustellen, so lächerlich und freiwillig schundig ihre Abenteuer auch waren. Freiwilligen Humor ließen lediglich die Auftritte der “Demonic Toys” zu, wo die meisten Lacher, so simpel sie auch waren, auf das Konto der Babypuppe gingen. Mit Corey Feldman bekommt diese nun im hier besprochenen Film jedoch Konkurrenz, denn Feldman spielt alles andere als ernst, und das weiß den überraschungsarmen und preisgünstigen Film auch halbwegs zu retten.

Während die Puppe ihre infantile Komik zur Schau stellen darf (mit ständigem Pupsen primitiver denn je), darf Feldman in comicüberzogener Art jeden Schwachpunkt seines Charakters parodieren, und das sind nicht gerade wenige, wie es sich zumindest der Stammzuschauer von Horrorfilmen solcher Produktionsbedingungen denken kann. Letztendlich verarscht man mit dieser belustigenden Wissenschaftler-Rolle nicht nur die Figur, sondern gleich den kompletten Horror-C-Film-Sektor, der sich seit je her nur von billigsten Klischees und einfachsten Sehbedürfnissen eines Ausnahme-Publikums nährt.

Etwas ärgerlich ist das viel zu kurz angeschnittene Zusammentreffen der beiden Filmreihen, die im Titel nach mehr Bildschirmpräsenz geklungen hat. Man bekommt von beiden Spielzeug-Cliquen genug zu sehen, aber das wahre Aufeinandertreffen ist kurzer Natur, kaum ausgewogen (die “Demonic Toys” haben kaum eine Chance) und fast unspektakulär umgesetzt. Im Sinne eines “Jason X” treffen die “Demonic Toys” zumindest auf eine “Puppet Master”-Puppenclique der nächsten Generation. Denn nach einem Feuerunfall repariert Robert Toulon seine kleinen Freunde nicht nur, er peppt sie noch ein wenig auf.

Da wird der sechsarmige Cowboy zum Laserschützen, und der Harlekin, der das Treiben der kleinen Wesen bislang nur mimisch kommentieren durfte, bekommt auch eine Waffe beschert. Vermisst habe ich die Puppe mit dem Bohrerkopf, und wie nicht anders zu erwarten ist die Puppe mit dem Feuerwerfer aus “Puppet Master 2“ mal wieder nicht mit dabei. Schade, ich mag ihr Design.

Auf der Seite der “Demonic Toys” ist auch nicht wirklich alles beim alten geblieben. Wir haben den scharfzahnigen Plüschbären und die Babypuppe. Nicht mit an Bord ist jedoch der Roboter bzw. die Actionfigur aus “Tod im Spielzeugland”. Der Nutzen des Killerclowns wurde ein wenig erweitert. Durfte dieser in den beiden Vorgängern neben seiner Bissigkeit bislang nur wegen einer extrem nervigen Lache auffallen, bekommt er nun einen dämonischen Touch beschert, der dem Hörorgan und damit dem Wohlbefinden seiner Gegner allgemein, enormen Schaden zufügen kann.

Man kann es jedoch halten wie man will, trotz nicht gerade weniger Auftritte auf der Spielzeug-Seite liegt die halbwegs sympathische Wirkung des Streifens nicht wirklich bei den Puppen-Helden beider Horrorreihen. Neben dem notwenigen humoristischen Gehalt trumpft “Dämonische Spiele” durch etwas, das wirklich nur einem Ausnahmepublikum wichtig sein kann: der skurrilen Handschrift eines Charles Band. Überzeichnete Figuren in schrägen Situationen inmitten von selten dämlichen Dialogen wissen in seiner Art herrlich grotesk zu wirken, während andere Produzenten mit theoretisch gleicher Taktik gerne mal scheitern. Zwar hält sich Band im Vergleich zu “Blood Dolls” und “The Brain" mit der Extreme seiner Ideen diesmal etwas zurück, das gewisse Etwas schimmert aber noch immer durch, selbst wenn er nur der Produzent ist.

Aber so oder so, “Dämonische Spiele” ist keine wirkliche Empfehlung. Für den Durchschnitts-Zuschauer ist er das sowieso nicht, aber auch für Fans der beiden Reihen oder ähnlicher Filme bildet “Puppet Master vs. Demonic Toys” in keinster Weise einen Höhepunkt. Damit erzielt er fast ein ähnliches Ergebnis wie “Alien vs. Predator”, mit dem Unterschied dass Fans der Puppenreihen bereits mit Schund gerechnet haben, während das Ergebnis der sich bekämpfenden Außerirdischen für Kinoniveau schon sehr unverschämt plump war.

Ein “Freddy vs. Jason” zeigte jedoch, wie viel intensiver so ein Zusammentreffen nun wirklich sein kann, auch wenn es dort wie hier ewig dauerte, bis es zur tatsächlichen Begegnung kam. Der Kampf beider Spielzeug-Truppen war letztendlich nicht ausgeglichen genug. Und betrachtet man die Handlung des Streifens, war sie nicht einmal Zentrum genug. Viel zu sehr beschäftigte man sich mit anderen Handlungsaspekten, die zwar Bands typischer Groteske den Eintritt erleichterten, letztendlich aber schuld daran sind, dass der Streifen innerhalb des C-Film-Rahmens sich nicht so entfalten konnte, wie es der Zuschauer ihm gedankt hätte. Einen Blick riskieren kann der treue Fan jedoch trotzdem.


Nachtrag:
An manchen Tagen ist man ernster drauf als an anderen. Als ich kürzlich recht unverkrampft und guter Laune ein zweites Mal an "Dämonische Spiele" heranging, hat er mir auch gleich viel besser gefallen als beim ersten Sichten. Der Grundton des Films ist ironischer Natur, Drehbuch und Akteure kommen angenehm verspielt daher. Letztendlich bietet der Film alles was einen Schundfilm ausmacht. Er ist nicht der große B-Movie-Wurf, unterhaltsamer als in meiner Review von mir behauptet ist er aber allemal!


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