Dienstag, 2. Oktober 2012

RIDING THE BULLET (2004 Mick Garris)


Da seine Mutter im Krankenhaus liegt, verzichtet Student Alan auf den Trip zu einem Rockkonzert, lässt alles stehen und liegen und trampt in seine Heimatstadt. Einigen unangenehmen Geschehnissen folgen einige unheimliche, bis sich Alan schließlich im Auto von Staub wiederfindet, einem Mann dessen Grab er zuvor zufällig sichtete...


Der Tramp...

Alan nimmt die Dinge ein wenig anders wahr, als seine Mitschüler. Er ist mit reichlich Phantasie gesegnet und besitzt einen Hang zum Morbiden, jedoch nicht nur aus subkultureller Sicht, sondern auch pessimistisch geprägt. Das Abrutschen in dieses immer extremer werdende Verhalten trennt ihn schließlich von seiner Freundin, was ihn wiederum zu einem Suizidversuch führt. Der Trip zur Frau Mama dient nun der Selbstfindung, jedoch auf Alan-Art: morbide und von Phantasie geprägt. So vermischen sich Einbildung und Wirklichkeit, wobei der Zuschauer zumindest teilweise an die Hand genommen wird und nicht alleine enträtseln muss, was nun wirklich passiert ist.

Wer den Zwischen-Mix aus Roman und Kurzgeschichte von Stephen King kennt, auf welchem der Film basiert, der wird sich wundern, dass man die Geschichte überhaupt auf Spielfilmlänge getrimmt bekommt. Das Buch selbst war recht uninteressant, hielt eine lange Hinhaltezeit bereit und weckte erst gegen Ende die Neugierde. Nun musste man für die Filmversion die Story strecken, doch das wurde nicht gerade professionell angegangen, riecht doch alles vor dem Beginn der Reise wie Streck- und nicht wie Füllmaterial.

Nun war mit Mick Garris aber auch nicht der beste Regisseur mit dem Projekt beauftragt. 1988 vergeigte er bereits “Critters 2“ und nach einem sympathischen “Schlafwandler” wandte er sich weiteren King-Verfilmungen zu, die aber alle nicht das Niveau seiner ersten Arbeit zum Literatur-Horror-King heranreichen konnten. “The Shining” war nah am Buch orientiert, aber auch arg gewöhnlich, “Quicksilver Highway” war im King-Bereich einfach nur lächerlich, und der zwei Jahre nach “Riding The Bullet” erschienende “Desperation” war nur Routine.

Immerhin ist “Riding The Bullet” dies auch noch geworden, was bei all diesen Vorzeichen und Fehlern einem kleinen Wunder gleich kommt. Erst recht wenn man bedenkt, dass die Hauptrollen-Wahl nicht gerade glücklich ausfiel, weiß Jonathan Jackson doch bis zum Schluss hin nicht zu überzeugen.

Bis David Arquette das Ruder lahmen Schauspiels herumreißen darf, dauert zu lang, spätestens dann ist der Film jedoch in sicheren Händen. Neben der guten Darbietung des spätestens durch “Scream” bekannt gewordenen Hollywood-B-Stars, kommt der Geschichte jedoch hilfreich zugute, dass sie sich nun nur noch auf ein Szenario konzentriert: die Autofahrt mit Staub.

Zuvor wurde man mit allerlei Situationen mal mehr mal weniger gelungen hingehalten, viele interessante Aspekte entpuppten sich als Phantasie Alans, so dass man im Laufe der Zeit einen Riecher dafür bekam, dass sobald etwas interessantes passierte selbiges der Fall sein musste. Damit kann man einzelne Momente hochhalten, jedoch nie wirklich die Aufmerksamkeit des Zuschauers.

In seiner zu gewöhnlichen Umsetzung interessiert es auch nicht wirklich, dass all das Hinhalten einen Nutzen hat im Beleuchten des Hauptcharakters und in der Vorbereitung einer ihm bevorstehenden schwierigen Entscheidung, die wiederum Grundlage für einen leicht philosophischen Bereich hat. Das ist alles schön und gut, jedoch nie wirklich tiefgehend und da teilweise unterhaltungsfeindlich ohnehin egal.

Während sich also in der ersten Stunde Langeweile und manch nette Momente abwechseln, kommt mit der Fahrt mit Staub nicht nur mehr Rasanz in die Geschichte, sondern auch genügend Stimmung. Die Grundlage der Beziehung zwischen den beiden ist schnell geklärt, so dass auch Alans Problem schnell zum Vorschein kommt, dessen Entscheidung ebenso wie im Buch sehr überraschend kommt und damit die Schluss-Phase der Geschichte auf einem Hoch der Neugierde hält.

Während zwischendurch immer wieder Elemente älterer King-Werke aufblitzen (“Friedhof der Kuscheltiere”, “Christine”, ...), ist es in der Endphase des Streifens eher ein Film nach Richard Bachmann, Kings Pseudonym, an den man hier erinnert wird: “Stand By Me”. Der Horror bekommt einen dramatischen Aspekt, womit sich der Kreis schließt, da der Film vor seiner Horrorphase mit einer dramatischen Einführung begann.

Nervte in der TV-Mini-Serie “The Shining” noch die Idee, dass die Stimme, die der Junge vernahm, nicht wie bei Kubrick im Selbstgespräch mit Betrachtung auf den Finger dargestellt wurde, sondern über eine weitere Kinderrolle, so ist es eben dieser Kniff des imaginären Freundes, im Falle von “Riding The Bullet” ein Abbild von Alan selbst, was man als gelungenes Stilmittel bezeichnen kann. So sind Alans Gedanken ohne Off-Kommentar schnell auf den Zuschauer übertragen, und die häufig gar nicht so unwitzigen Sprüche Staubs erhalten ihren Höhepunkt, wenn der Fahrer aus der Gruft nachfragt, was dieser zweite Alan eigentlich darstellen soll.

Zwar hätte man mit solchen Einfällen auch mehr Grusel erzeugen können (nach dem Motto: Scheiße, Staub hat uns die ganze Zeit belauscht! Was habe ich mir noch gleich alles erzählt?), aber um Grusel geht es nicht wirklich. Garris und King wollten eine unterhaltsame Geschichte erzählen, die ein klein wenig Tiefsinn hervorbringt und statt Grusel lieber ein paar morbide Phantasien als Horror-Gimmicks einbauen. Da das Ergebnis jedoch nur mittelmäßiger Natur ist, hätten sie vielleicht doch ein wenig auf den unheimlichen Aspekt achten sollen. Aber egal, guckt man halt stattdessen lieber einen der gelungenen King-Verfilmungen. Davon gibt es schließlich auch genug.


Trailer,   OFDb

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