Freitag, 23. November 2012

ALIEN AUTOPSY - DAS ALL ZU GAST BEI FREUNDEN (Alien Autopsy 2006 Jonny Campbell)


Ein Reporter interviewt einen jungen Mann, der einige Jahre zuvor die Welt mit einem gefälschten Video verarschte, auf dem zu sehen war, wie das US-Militär eine Autopsie an einem Außerirdischen tätigt...


Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht...

Alien Autopsy“ war ein Video, welches, wie der Titel bereits verrät, die Autopsie an einem Außerirdischen zeigt, angeblich aufgenommen in den 40ern in Roswell. Experten stritten sich um die Echtheit dieser Aufnahmen, und 10 Jahre später entpuppte sich alles als Fake. Wie es zu dem Video kam und was dies so nach sich zog, davon berichtet diese Komödie, zumindest teilweise.

Und das macht sie auch sehr unterhaltsam. Nach einem neugierig machenden Anfang in der Gegenwart steigt der Film mit flotter Musik dort in die Geschichte ein, wo es 10 Jahre zuvor losging. Dank der Interviewsequenzen kennt man die Hauptfiguren bereits, so dass man zu Beginn der Story auch gleich mit ihnen warm geworden ist. Sie haben zwar hollywoodtypische Charaktere (zu einseitige Darstellung eines Peppigen und eines Verkrampften), aber dank einer flotten Inszenierung hat man diesen Wermutstropfen schnell verarbeitet, und außerdem ist die Geschichte ja nun auch nicht von schlechten Eltern.

Die tollsten Storys schreibt immer noch das Leben, und im Falle von „Alien Autopsy“ fällt es auch wirklich schwer zu glauben, was man da sieht. Glauben sollte man aber ohnehin nicht alles, immerhin gibt es auf der einen Seite spekulative Bereiche (z.B. die Reaktion des US-Militärs auf das Fake-Video) und auf der anderen Seite kommerziell wichtige Bereiche. Ähnlich dem „Blair Witch Project“ wollen die Video-Betrüger, die auch die Produzenten der Komödie sind, einen Hauch Restlüge erhalten, und so wird steif und fest behauptet, das besagte Video wäre der Nachdreh einer echten Doku, von der das Filmmaterial zerstört ist. Auch der Zeitpunkt, zu dem dieser Film herauskam ist theoretisch sicherlich kommerziell clever gewählt zu nennen.

Auch in den Punkten, die man sicherlich auf der Seite der Wahrheit nennen kann, gibt es immer wieder Übertreibungen zur Steigerung des Unterhaltungswertes. So ist beispielsweise die Art und Weise, wie ein freakiger Filmprofi gerettetes Material übergibt, arg Kino-typisch eingebaut zu nennen.

Mit all diesen Punkten sollte man aber nicht zu streng sein. Immerhin behauptet der Film nicht, er sei ein Tatsachenbericht. Zu Beginn darf man lediglich den altbekannten Spruch lesen, der besagt, dass der Streifen auf wahren Tatsachen beruht. Von daher ist es schon gut, dass man den Weg der Komödie wählte, so kann man mit dem hier Gezeigten besser, da weniger kritisch, umgehen.

Leider bekommt man von dem was wirklich interessiert nur einen kleinen Teil gezeigt. Man sichtet die Hintergründe wie es zum Dreh kam, wie die Vorbereitungen waren, wie der Dreh selber vonstatten ging (eine sehr lustige, aber auch viel zu lang geratende Szene). Wir dürfen daran teilnehmen, wie einem der beiden Amateurfilmer der Erfolg zu Kopf steigt und wie es überhaupt zum Erfolg und dem Medienrummel kam.

Leider fehlen mir hier wirklich interessante Aspekte: Wie war das Leben in der Öffentlichkeit, belagert von Medien, Alienfreaks und, wenn man sich an die Kinogeschichte hält, Geheimdienst? Dies wird viel zu kurz angeschnitten. Man bekommt erzählt, irgendwelche Menschen wären nachts auf dem Dach gewesen. Leider erfährt man dies als Zuschauer nur über Worte. Das wären eigentlich spannende, lustige und vor allen Dingen interessante Momente gewesen, die es wert gewesen wären sie zu zeigen.

Auch der angeblich echte Kameramann kommt etwas zu kurz. Einmal flüchtet er vor einer Journalistin, hin und wieder wird er mit Einzeilern eingeblendet. Wieso wird er in diesem Punkt wie ein Actionheld behandelt?

Und der wohl wichtigste Punkt: Wie war denn nun das Mediengeschehen, und wie waren die privaten Situationen der Protagonisten, als sich Experten um die Echtheit des Dokumentes stritten? Und wieso muss man Theorien, welche eine Lüge nahe legten, erst bei Wikipedia nachlesen? Es ist doch interessant zu hören, was Experten am Video für Ungereimtheiten aufgefallen sind. Eben weil man eine Komödie und keinen Tatsachenreport sichtet, wäre es doch vollkommen o.k. gewesen, solche Punkte in die Geschichte zu integrieren.

Zudem kommt der Schluss viel zu plötzlich, zu einem Zeitpunkt, wo man gerne mehr sehen will. Der Plan einer Fortsetzung? Vielleicht, aber mittlerweile unnötig! Der Film spielte nicht einmal seine Kosten ein. Damit wären wir wieder beim Thema von oben angelangt: In der Theorie ist der Zeitpunkt der Kinoveröffentlichung kommerziell sicherlich clever gewählt zu nennen, aber die Praxis sieht nun einmal häufig anders aus.

„Alien Autopsy“ ist sicherlich nicht der große Wurf geworden, aber ein unterhaltsamer Film, bei dem die Laufzeit wie im Fluge vergeht, ist er auf jeden Fall. Man darf seine Ansprüche nicht zu hoch schrauben, und was in seiner Nichtigkeit nerven oder verärgern könnte, wird ohnehin durch die sehr interessante Geschichte wieder wett gemacht.

Anbei finde ich es sehr interessant, dass der flotte und passende Soundtrack viele Coverversionen enthält. Ist es Zufall, weil die ganze Welt nun einmal Lieder aller Art covert, oder ist es Augenzwinkerei, eben weil die Amateurfilmer behaupten ihr Video sei auch nur ein Remake, eine Coverversion, des Originals? Die Antwort dazu kennen wohl nur die Verantwortlichen des Filmes, und wer die sind weiß man ja: Die Lügner vom Dienst. Könnte man ihnen glauben, wenn sie behaupten dieser Musikkniff wäre Absicht?


Trailer,   OFDb

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