Freitag, 23. November 2012

BLACK WATER (2007 David Nerlich u.a.)


Grace, Lee und Adam, drei junge Erwachsene, touren durch Australien. Einen Tag nach ihrem Besuch auf einer Krokofarm tuckern sie mit einem Motorboot in die wässrigen Tiefen des Urwalds. Ein Krokodil rammt das Gefährt, so dass alle ins Wasser fallen. Man flüchtet auf einen Baum und hängt von nun an dort fest, während das Tier unten geduldig auf seine Beute wartet...


Mein Baum ist meine Festung...

Es gibt Filme, die überraschen damit einem ausgelutschten Sub-Genre neues Leben einzuhauchen. Konnte man Filme wie "Lake Placid" und "Der Horror-Alligator" im Sumpf schlechter Produktionen wie "Killer Krokodil" und "Blood Surf" leicht wegen ihres Bekanntheitsgrades herausfiltern, fällt es bei unbekannten netten Filmen wie "Crocodile 2" oder gar Geheimtipps wie "Black Water" etwas schwerer darauf zu stoßen.

Dass „Black Water“ so völlig anders erzählt ist als die bisherigen Kroko- und Alligatoren-Horrorfilme, liegt daran dass man sich von der Idee eines "Open Water" hat inspirieren lassen, und eine Reptilienbegegnung auf die authentische Art und Weise präsentiert. Man reduziert die Personen um die es geht auf 3 Stück, lässt sie auf einem Baum festsitzen und konzentriert sich nun auf deren Aktionen, Emotionen und Dialoge. Letzteren Punkt hat "Open Water" etwas kaputt gemacht. Was nutzt die authentischste Inszenierung, wenn die Dialoge platter daher kommen als in den späten "Star Wars"-Filmen? "Black Water" kann auch hier punkten mit einem Mix aus nicht zu plumper Gespräche und dem weniger ist mehr-Prinzip.

Es liegt freilich auf der Hand, dass bei der vorliegenden Art an einen Kroko-Horror heranzugehen das eigentliche Biest wenig Beachtung geschenkt bekommt. Tierhorror-Fans, die ständig das Ungetier sichten wollen, sind im falschen Film. Die nach Blut lechzenden Gorehounds werden auch kaum bedient, bekommen aber hin und wieder etwas fürs Auge präsentiert. Vergleichbar mit "Blair Witch Project", erzeugt der Film die meiste Spannung immer dann, wenn nichts passiert, eben weil jeder Zeit etwas passieren könnte.

Die Kamera fängt tolle Bilder der großartigen Kulisse ein, zeigt uns das dunkle und ruhige Gewässer und lässt Szenenweise die Musik aus und nur die Natur für sich sprechen. All das sorgt dafür, dass man hinter jedem Wasserblubbern direkt das Ungetüm vermutet. Man ist als Zuschauer angespannt und mitten im Geschehen. Hilfreich kommt hinzu, dass man durch die eher dünne Charakterzeichnung auch nie weiß wen von den Dreien es erwischen könnte. Wer ist Held der Geschichte? Wird überhaupt wer als Überlebender das Filmende erreichen?

Zudem wurde an allerhand Randideen gedacht: das nicht funktionierende Handy, Körperwunden, Sehprobleme, Durst, Krokoopfer in Sichtweite der Festsitzenden, das mit anhören müssen des Aufmampfens eines der Opfer, Diskussionen verschiedenster Lösungsmöglichkeiten, die Anwendung diverser, usw. Langweilig wird es hier nie und unlogisch nur ganz selten, dann aber zum Wohle des Sehvergnügens.

Einige Kleinigkeiten haben mir auf der anderen Seite allerdings gefehlt. Wo Durst und Augenbrennen genannt wird, da darf auch der Drang des Pinkelns nicht fehlen. Festsitzend auf einem Baum, jede Bewegung könnte die falsche sein, da wäre es doch wirklich mal gut gewesen, das sonst so gern verschwiegene Thema aufzugreifen. Gerade die Angst des sich einmal falsch Bewegen und herunter fallen wird gar nicht erst aufgegriffen. Wer dreht sich nicht mal ungeschickt im Schlaf? Würde die Angst sich im Schlaf zu drehen mich dazu veranlassen mich provokativ wach zu halten? Oder würde der erschöpfte Körper siegen, der endlich etwas Ruhe benötigt?

Dass unsere Hauptrollen gerade in der Nacht diesen Schlaf finden, ist zwar möglich aber etwas zu naiv betrachtet. Die Nacht wird in "Black Water" relativ kurz angerissen. Gerade dort, wo "Open Water" punktete mit dem Gewitter in der Nacht als einzige Lichtquelle in der stockdüsteren Natur, blendet dieser Film aus. Dabei beginnt auch hier die Schlafenszeit recht gut. Gewitter, Angst weil man nichts mehr sieht, nicht einmal das Boot und dann die eben erwähnte Szene, in welcher man das Tier eines seiner Opfer mampfen hört. Die wenigen Szenen in der Nacht werden jedoch kaum genutzt, um die Angst der Protagonisten noch einmal eine Spur deutlicher einzufangen. Durch Aufnahmen in totaler Dunkelheit wäre aber genau dies möglich gewesen.

Stattdessen nutzte man jedes Gewitterzucken um nun öfters das Krokodil im Wasser zeigen zu können. Die Figuren ruhen, am Tage wird jedes Auftauchen des Viehs zur Bedrohung, da muss es zum Zwecke der Atmosphäre selten eingesetzt werden. Wahrscheinlich aus Angst die Zuschauer wegen geringer Krokopräsenz zum maulen zu animieren, werden nun nachts besonders viele Tierszenen gezeigt, die allerdings auch relativ unnötig sind. Was soll’s, sie sind immerhin atmosphärisch, und der Nacht wird wie erwähnt nicht so lange Beachtung geschenkt. Zumindest sieht das Tier toll aus, sowohl in den computeranimierten Szenen als auch in jenen in denen man Puppen einsetzte.

Man ist sehr um Echtheit bemüht, das tut dem Film gut, das macht ihn so gruselig. Ziemlich zum letzten Drittel hin ließ man dieses Konzept allerdings fallen und wendet sich nun dem typischen Kroko-Horror zu und der damit einhergehenden Unlogiken. Das hüpfende Krokodil ist noch vertretbar, soll es ja geben, aber da gibt es z.B. eine Szene, in der das Tier einem der Opfer ins Boot springt. Erst hätte es schon lange Zeit gehabt sich diesen Menschen im Wasser zu holen, nun ist dieser bereits schon längere Zeit im Boot, und erst jetzt springt es hinein. Das macht aus Jagdsicht keinen Sinn, und das Krokodil ist wohl kaum in der Lage aus Lust seinen Opfern angst machen zu wollen, ganz zu schweigen von der psychologischen Analyse die es hierfür erst einmal bewerkstelligen müsste.

So dumm solche Szenen sind, so wirksam sind sie auf der anderen Seite auch wieder. In verwandten Filmen wurde man laufend mit so etwas überhäuft und schaute gütigst und augenzwinkernd darüber hinweg. Bei "Black Water" fällt dies wegen der starken echten ersten Stunde etwas schwerer. Findet man sich aber damit ab, bietet auch das letzte Drittel Hochspannung. Warum manch einer aus dem Maul der Bestie entkommen kann und andere nicht, sei dahingestellt. Zumindest blieb einem die Flucht oder das Ausspucken aus dem Maul optisch erspart. Man bekommt lediglich die überlebende Person gezeigt.

Dieses fragwürdige Entkommen wird nun allerdings für Situationen genutzt, die vorher nicht machbar waren, wie z.B. das Warten eines zerstückelten, überlebenden Opfers auf dem Baum, welches dummerweise Blut ins Wasser tropfen lässt, oder aber das sich plötzliche Wiederfinden in der Vorratskammer der Bestie. Wie oben erwähnt werden also Unlogiken und Szenen die nah dran sind positiv genutzt und sorgen zudem für die wenigen sehr spannenden Actionsequenzen.

“Black Water“ ist ein gelungener Tier-Horror, der Angst auf psychologischer Ebene verursacht und das Sichten des Krokodils an der kurzen Leine hält. Dafür wird man mit Hochspannung und guten Darstellern belohnt, deren Figuren interessante Situationen durchleben, ein Gehirn zum Denken haben und nicht die filmtypischen Heldentaten vollbringen. Leider wurde der Nacht zu wenig Beachtung geschenkt, und das letzte Drittel lässt die zuvor angewandte Authentizität vermissen, welche die erste Stunde so konsequent einhielt. Alles in allem ist dieser australische Film aber auf jeden Fall ein Tipp, ganz besonders für die Filmfreunde, die sich ihr cineastisches Erlebnis nicht wegen seines Genres oder Themas angucken, sondern wegen der Umsetzung.


Trailer,   OFDb

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