Dienstag, 27. November 2012

PLÖTZLICH WIEDER 16 (2003 Andi Niessner)


Anwalt Thomas ist ein Egoist, gerade frisch verliebt in eine wesentlich jüngere Dame und kurz vor der Scheidung mit seiner Frau Julie, die er bluten lässt, so eiskalt wie er auch seine Fälle vor Gericht erfolgreich durchboxt. Doch Thomas baut einen Autounfall, und als er erwacht, ist seine Erinnerung zerstört. Thomas besitzt nur noch das Wissen bis zum Zeitpunkt seines 16. Lebensjahres, und dementsprechend jugendlich verhält er sich nun in einer Welt, die moderner geworden ist und in der er eine Frau und zwei KInder hat. Thomas merkt recht schnell, dass er sein altes Anwalts-Ich nicht mag und verliebt sich erneut in Julie, die ihn, trotz aller Differenzen die beide vor dem Unfall hatten, betreut und bei sich wohnen lässt...


Das Kind im Manne...

Denkt man an ein Kind im erwachsenen Körper, so mag einem der Film „Jack“ mit Robin Williams einfallen, viel eher aber noch Tom Hanks in „big“ als verzauberter Knabe im Körper eines Mannes, der unverhofft auf die Tücken der Welt der Großen stößt. Es gibt diverse Körpertausch-Komödien, die das Thema streifen, wie „Ich bin Du“, „Wie der Vater so der Sohn“ und „Endlich wieder 18“, müsste man „Plötzlich wieder 16“ mit einen von diesen vergleichen, würde „Was ist denn bloß mit meinen Männern los?“ am ehesten passen, da beides deutsche TV-Produktionen sind.

„Plötzlich wieder 16“, eine Komödie des Regisseurs Andi Niessner, kommt jedoch ohne Hokuspokus aus und orientiert sich in seiner Begründung viel mehr an dem US-Hit „50 erste Dates“. Der Held unserer Geschichte hat eine merkwürdige Form der Amnesie, in welcher er sich im Bewusstseinszustand befindet, den er mit 16 Jahren hatte. Seine Ehefrau ist ihm fremd, Vater sein erst recht und mit Neugierde entdeckt er die Fortschritte der letzten 20 Jahre.

Das klingt alles recht nett, und Kino erwartet man in einem TV-Film ohnehin nicht, aber „Plötzlich wieder 16“ guckt sich noch seichter als erwartet. Zwar ist er in den wichtigen Rollen passabel besetzt, und die Verantwortlichen für die Maske des Thomas verrichteten auch eine gute Arbeit (in den letzten 20 Minuten sieht Thomas aus wie ein Mix aus erwachsen und im Jugend-Zustand), das Drehbuch selbst baut jedoch den ein oder anderen Klöpper.

Klar, als TV-Film einer privaten Fernsehanstalt ist er dem Stammpublikum verbunden, da darf man über Witze zum Thema Mode und Trend nicht meckern. Das Zielpublikum orientiert sich nun einmal an öffentliche Vorgaben, und so muss man bittere Szenen schlichtweg ignorieren, wie beispielsweise jene, in welcher der „Teen“ sich über seine für ihn aktuellen Hits aus den 80er Jahren im Radio freut und verwundert fragt: „Die hört ihr immer noch?“, und er eine Antwort erhält die lautet: „Das hört man wieder.“ An so etwas würde ich mich auch nicht wirklich aufhängen, auch wenn ich ein solches Denken ärgerlich finde. Dran aufhängen sowieso nicht, weil es nicht nur zur Produktion, sondern auch zur Figur passt, die diese Antwort präsentiert.

Viel ärgerlicher ist jedoch die Art, wie Thomas mit dem Geiste eines 16 jährigen dargestellt wird. Der Sender Pro 7, der sonst stark jugendorientiert ist, scheint einen Film für die Hausfrau zusammengeschustert zu haben, denn lediglich naive Erwachsene vermuten ein derartiges Benehmen bei solch einem Halbwüchsigen. Was uns über den „jungen“ Thomas präsentiert wird, würde ich maximal noch einem 14jährigen zutrauen. Nicht nur dass der „jugendliche“ Thomas lange braucht um Modernes zu begreifen, er schafft es auch partout nicht sich in seine neue Rolle einzufühlen. Dass er Vater ist, ist ihm nicht im geringsten bewusst. Ständig verplappert er sich mit seiner Jugendhaftigkeit, anstatt einfach mal den Erwachsenen zu spielen, um nicht aufzufallen. Kurzum, er benimmt sich wie ein Kind und nicht wie ein Jugendlicher, dem mental wesentlich mehr zuzutrauen gewesen wäre.

Psychologisch stimmt auch wenig. Zwar wird versucht den Wandel vom netten Buben zum erwachsenen Arschloch zu erklären, aber das ist nicht stimmig und keineswegs überzeugend. Dennoch ist gerade der Aspekt des sein altes Ich nicht mögen der interessanteste in der Geschichte, jedoch als Idee geklaut von dem Drama „In Sachen Henry“ mit Harrison Ford, entfernt auch mit Dickens’ berühmter Weihnachtsgeschichte.

„Plötzlich wieder 16“ ist arg blauäugig erzählt. Bis zu einem gewissen Grad mag das die lockere Atmosphäre einer anspruchslosen Trivialunterhaltung für zwischendurch unterstützen, in der Dosis wie hier präsentiert schadet sie leider dem Ergebnis. Thomas ist so kindlich, dass die Lovestory zwischen ihm und seiner Ehefrau nicht glaubhaft wirkt. Es gibt kleine Momente prickelnder Romantik, aber die sind nur von kurzer Dauer, verlangen solche Szenen doch schlichtweg zu wenig Geist vom Zuschauer, selbst für ein TV-Produkt.

Am überzeugendsten ist da noch die Schlussphase des Filmes, in welcher Thomas sein Gedächtnis zurückerlangt und durch den Unfall charakterlich geheilt wird. Hier pausiert zwar der Witz, ein Hauch Tragik macht sich breit, aber in seiner ersten Stunde mochte man den Film ohnehin nicht gerade wegen möglicher glorreicher Witze. Der Film funktionierte halbwegs aufgrund seiner Charaktere, und denen tut der ernstere Ton in der Schlussphase sichtlich gut.

„Plötzlich wieder 16“ ist kein großer Wurf geworden. Das habe ich ohnehin nicht erwartet. Aber auf dem Niveau eines „Ein Zwilling zuviel“, „Was ist denn bloß mit meinen Männern los?“ oder „Zwei vom Blitz getroffen“, alles TV-Produktionen, hätte er ruhig sein können. Dort wusste man wie man leichte, anspruchslose Unterhaltung so dosiert bekommt, dass die Geschichte trotzdem glaubhaft zu funktionieren vermag.


OFDb

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