Mittwoch, 21. November 2012

S. DARKO - EINE DONNIE DARKO SAGA (S. Darko 2009 Chris Fisher)


Samantha Darko ist die kleine Schwester des vor sieben Jahren durch einen mysteriösen Unfall umgekommenen Donnie. Nachdem sie sich mit ihren Eltern verstritten hat, tourt sie mit ihrer Freundin Corey Richtung Kalifornien um Tänzerin zu werden. Durch einen Defekt am Auto landen die beiden in dem Kaff Conejo Springs, in dem sie übernachten müssen. Samantha schlafwandelt und wacht ohne Erinnerung ihres nächtlichen Spaziergangs auf. Zeitgleich erhält der Außenseiter Iraq Jack Visionen einer verstorbenen Samantha. Als Donnies Schwester tatsächlich stirbt, reist Corey aus Schuldgefühlen mit Hilfe eines Jungen aus einer Vision in die Vergangenheit, um den Unfall zu verhindern...


Eine begriffene Hülle...

Auf einem Videomarkt, der sich recht gut von Fortsetzungen jeglichen kleinen und großen Erfolgen ernährt, sollte einen keine Erscheinung mehr verwundern. Doch es gibt Filme, bei denen man nie mit einem Sequel gerechnet hätte, und dazu gehört „Donnie Darko“, einer der außergewöhnlichsten Filme die je gedreht wurden, ein Film der in sich abgeschlossen war und wesentlich tiefgründiger, als die grobe Geschichte vermuten lässt. Die Geschichte dieses Werkes weiterzuerzählen würde den selben Sinn machen, wie „Titanic 2“ zu drehen. Beides durchaus denkbar, da jede Geschichte irgendwie weitergeht (ein Aspekt, der die Realität so unglaublich interessant macht), aber vollkommen unnötig.

Dass etwas unnötig ist heißt nicht, dass man es nicht auf halbwegs gelungenen Kurs bringen kann, und so bin ich als bekennender Fan des Originals zwar mit Misstrauen an Teil 2 herangegangen, jedoch auch mit dem Hintergedanken ihm eine echte Chance zu geben, indem man ihn nicht all zu hart mit der Genialität des Erstlings vergleicht. Ohnehin hat es mich verwundert, dass wir es bei der Fortsetzung auch wirklich mit einer Fortsetzung zu tun haben, sind doch Erscheinungen auf dem Videomarkt, die sich als solche ausgeben, recht häufig alternative Erzählungen, oft auch lediglich Neuverfilmungen.

Bei „Donnie Darko“ sollte dies nicht so sein. Chris Fisher, der ein Bewunderer des Originals sein soll, setzt die Geschichte fort, indem er erzählt was die jüngste Schwester Donnies erlebt. Und auch dies ist keine komplett unabhängige Erzählung, stehen die Erlebnisse Donnies doch in einem Zusammenhang mit dem Schicksal Samanthas und dem eines Verwandten von Grandma Death.

Allein daran mag man eventuell herauslesen, dass es besser wäre Teil 1 zu kennen, um sich im Sequel zurechtzufinden. Aber gerade jene, die Teil 1 begriffen haben (zumindest halbwegs, in seiner Gesamtheit haben das wohl nur die wenigsten), dürften keinen Gefallen an „S. Darko“ finden. Zwar ist dieser bemüht den Stil des ersten Teils aufrecht zu erhalten, aber diese Bemühung verkommt zu sehr zur Kopie. Der visuelle Stil wird übernommen, Figurenparallelen sind zu häufig vorhanden, und in Ermangelung an Atmosphäre weiß auch das übernommene musikalische Thema von „Donnie Darko“ nicht auf gleiche Art zu wirken wie im Vorgänger.

Zwar erleben wir eine echte Fortsetzung der Geschichte, aber diese erweist sich dann doch eher wieder als eine Art Remake, auch wenn dies etwas streng formuliert ist, bei den inhaltlichen Verknüpfungen zu Teil 1. Wie in so vielen Fortsetzungen glaubte man mehr bieten zu müssen als das Original, und so bleibt es diesmal nicht bei einer Person, die Visionen erhält. Man beließ es nicht bei einer Zeitreise, und man spann die innereigene Logik bezüglich Zeitreisen weiter. Letzteres schaffte man auf recht ordentlichem Wege, den Rest leider nicht. Denn spätestens im letzten Drittel der Story macht gar nichts mehr Sinn. Teil 1 war auch verwirrend, blieb aber logisch. Teil 2 rechnet damit, dass das Mysterium Zeit und die anderen mysteriösen Einflüsse der Geschichte, ihre Gesetzmäßigkeit haben werden, die wir als Menschen nicht begreifen würden, und zieht sich mit dieser Ausrede aus der Affäre.

Da bleibt am Ende nichts weiter als ein Eintopf interessanter, ominöser und geklauter Zutaten, die zusammen nie einen Sinn ergeben. Manche Zutat wird gar nicht mehr aufgegriffen und diente somit nur der Wichtigtuerei, bzw. des Blendens einer ach wie großen Mystik. Das ist schon eine Beleidigung zu einem Teil 1, der diesbezüglich keine Lücken offen ließ, und den Zuschauer, der nicht alles verstand, mit Poesie und Philosophie über die Lücken des eigenen Verstehens hinwegtröstete. „S. Darko“ blieb am Ende nur sein Mysterium. Das ist ein dünnes Ergebnis, erst recht wenn man bedenkt, dass dem kompletten Werk über eine dichte Atmosphäre fehlte. Dass man in einem Film sinnlos Puzzleteile zusammenstreuen kann und am Ende das Ergebnis offen bleiben kann, bewies die unterschätzte Fortsetzung vom „Blair Witch Project“. Aber die bot zumindest eineatmosphärische und eigenständige Geschichte.

„S. Darko“ guckt sich trotz aller Ärgernisse auf sehr schlichte Art durchschnittlich. Ich hatte mit einem schlimmeren Ergebnis gerechnet. Ärgerlich ist das ganze dennoch, verweigert man sich doch großteils jeder Logik und hofft auf den esoterischen Sinn des Publikums. Doch damit hat man genau das falsche Publikum angesprochen, da der Film nun mal „Donnie Darko“ weitererzählen möchte und keinen hirnlosen magischen Gefühls-Nonsens.

Für einen bekennenden Fan wie Chris Fisher ist das Ergebnis um so peinlicher, da er unfreiwillig demonstriert die Tiefe des Originals nicht verstanden zu haben. Zwar setzt er die Geschichte um die Zeitreise und deren Mysterien fort, übersieht dabei aber die versteckte Story des Originals, die sich mit dem gesellschaftlichen Wandel des Amerikas der 80er Jahre befasste.

Donnie gehörte nicht mehr in die Welt, in welcher er zu unrecht weiterlebte. Also musste er diesen Fehler rückgängig machen, auch wenn er einiges Positives in diese Welt brachte. Eine Gesellschaft muss mit ihren Problemen selbst zurecht kommen. Und seine Rückkehr in den verdienten Todesmoment brachte Donnies kleiner Welt Heil. Seine Freundin würde weiter leben, und seine Lehrerin würde nicht gefeuert werden, und könnte versuchen mit der auch von ihr gelebten alten Mentalität zumindest ein paar wenige Kinder zu erreichen. Donnie brauchte, musste und wollte keine Welt retten, mit deren Ideale er auf Kriegsfuß stand und deren Schwerpunkte er ethisch nicht begreifen konnte.

Samantha ist jedoch Teil der Welt in der sie lebt, ein wenig liebenswürdiger als die Menschen auf die sie trifft, aber dennoch ein typisches Kind ihrer Zeit. Dies trifft auf jegliche Person zu, die Visionen erhält. Die Reise durch die Zeit hilft lediglich dabei kleine Fehler zu beheben, sie korrigieren jedoch nicht das Universum. Das Ende der Welt war das Ende der Welt Donnies Mentalität. In der Fortsetzung wird die Formulierung nur noch des Effektes wegen angewendet. Und damit das ganze halbwegs Sinn macht, wird nun noch das komplette Universum und ein Meteoritenregen in die Geschichte integriert, wenn man das denn wirklich so nennen kann, so wenig Sinn der am Ende ergibt.

Mit Kopf aus lässt sich „S. Darko“ durchaus bis zum Schluss gucken, da er nicht wirklich langweilig ist. Aber er ist unsinnig und zu verkrampft auf mysteriös getrimmt. Er kopiert den Vorgänger ohne ihn begriffen zu haben, und er verliert sich selbst in seiner letzten halben Stunde, in der nicht alle Handlungsfäden verfolgt werden. Hier verliert der Regisseur die Übersicht, rettet sich in „unerklärliche“ Auflösungen und bedient damit nur noch das Esoterik-Publikum, das es aber sicherlich vereinzelt geben wird.


Trailer,   OFDb

1 Kommentar:

  1. Ich liebe diesen Film. Klar er ist fast eine dreiste 1:1 Kopie vom Vorgänger hat aber dennoch ein paar eigene Ideen die mir krass gut gefallen haben. Vor allem das apokalyptische Ende und der selten geile Soundtrack haben mir extrem zugesagt. Zudem fand ich die Mädels superhübsch. Ich muss zu meiner Schande gestehen das mir dieser Film sogar besser gefallen hat wie der grandiose erste Teil. Vor allem eignet sich dieser Film ob seines tollen Soundtracks wunderbar zum einpennen. Wenn das mal kein Kompliment ist :-)

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