Samstag, 17. November 2012

ZEIRAM (Zeiramu 1991 Keita Amamiya)


Die außerirdische Kopfgeldjägerin Iria wartet zusammen mit ihrem Computerpartner Bob auf der Erde auf die Ankunft eines bösartigen Androiden, genannt Zeiram. Vor seiner Ankunft errichtet sie eine Kampfzone, die dem Zeiram die echte Erde vortäuschen soll. Hier kann Iria gegen den Androiden kämpfen, ohne dass zu viel Schaden entsteht. Die Alienfrau zapft für ihren Plan heimlich Strom an, deswegen werden die Elektriker Teppei und Kamiya auf sie aufmerksam. Versehentlich landen die beiden zusammen mit Iria mit einem Teleporter in der virtuellen Zone. Iria gelingt die Rückkehr in die Zentrale, doch der Teleporter geht kaputt, und so bleiben die Elektriker allein zurück. Nun müssen sie gegen den mächtigen Zeiram kämpfen, angeleitet durch Iria über Funk. Denn die Teleporterreperatur benötigt einige Zeit. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kampfzone sich nach einiger Zeit beginnt aufzulösen...


Die ruhigen, frühen 90er...

Was sind die Sehgewohnheiten doch schneller geworden. Das denke ich mir immer wieder beim Sichten neuer Produktionen. Ich weiß noch wie ungewohnt es für mich war, das erste Mal „Futurama“ zu sehen, eine Serie, die ein Tempo vorgab, das sogar den zu diesem Zeitpunkt üblichen Cartoonstil toppte. Und man gewöhnt sich daran, vergleichbar mit dem Werbefernsehen. Lediglich mit dem hektischen Kamerawackel-Stil heutiger Filme kann ich immer noch nichts anfangen, weil ich einfach wenig in den Bildern erkenne. Ansonsten ist es eine wahre Wucht Filme wie „Spider-Man“ zu sehen, die vom Zuschauer in den schnellen Superkräfte-Szenen eine hohe Aufmerksamkeit abverlangen. Auch das Japankino mit seiner schrillen, bunten Art ist flotter geworden, und das merkt man spätestens dann, wenn man ein 90er-Produkt wie „Zeiram“ sichtet.

Es dürfte um die 10 Jahre her sein, dass ich ihn letztmals sah und auch recht unterhaltsam fand. Gestern schaute ich ihn mir zur Vorbereitung auf Teil 2 an, und ich war erstaunt, wie ruhig dieser Film erzählt war – obwohl auch er knallbunt und schrill war. Spaßig zu schauen war er immer noch, ohne Frage, das Gucken erforderte jedoch mehr Geduld als vermutet.

Gerade in der Anfangsphase wirkt „Zeiram“ aus heutiger Sicht etwas zu lahm. Die Figuren werden eingeführt, was soviel bedeutet, wie dass man die Alienfrau mit ihrem Computerfreund beim Programmieren beobachten darf mit einer Flut veralteter Grafiken und dass man zwei Menschen bei belanglosem Alltagsgeschwätz zuhören darf. Das ist ab und an witzig, führt aber zu nichts, außer dass man einen Hauch mit ihren Charakteren warm wird. Was sie reden, hat für die Story kaum Belang.

Das könnte man allerdings auch als Stil von „Zeiram“ betrachten. Die dünne Handlung wird immer wieder mit Szenen verschiedenster Art gestreckt. Ob das nun besagte Dialoge sind, oder der ein oder andere Spezialeffekt (beispielsweise die missglückte Klongeburt), oftmals experimentiert man mit Ideen, die für die Geschichte selbst unnötig sind. Das mag negativ klingen, sorgt aber für den nötigen Pepp und für große Augen.

Die Spezialeffekte sind nämlich oft eine wahre Wucht. Hier wird geschleimt, geglibbert und gematscht, wie man es sonst nur aus dem Horrorklischee kennt. Hier gibt es einige schräge Kreaturen und Ideen, die dem ganzen sinnlosen Gesamten einen gewissen Charme bescheren. Dass mancher Stop Motion-Effekt nicht mehr so frisch wirkt ist da schnell verziehen, allein schon wegen dem Klumpen Irgendwas, der mit dieser Effektart bewegt wird.

Zwischendurch gibt es auch die ein oder andere arg plumpe Schaumgummi-Kreatur zu sehen, die in alter „Power Rangers“-Art vermöbelt werden darf. Selbst hier verzichtet man nicht auf Matschepamp-Momente, die dem ganzen das glibberige Etwas geben, um zum Rest zu passen. An „Power Rangers“ wird man auch dann leicht erinnert, wenn die Alienfrau ihren Kampfanzug trägt, um es dem Androiden „Zeiram“ mal so richtig zu zeigen.

Somit ist eigentlich alles dabei, was man als Vorurteil von einem japanischen Schundfilm erwartet: Wuchtige Waffen, knallbunte Klamotten, Kampfsequenzen, futuristischer Touch, ein Monster in der Art eines Computerspiel-Endgegners und natürlich der landesübliche Klamauk. Einer der beiden Menschen ist für diesen zuständig, darf immer schimpfen, schräg gucken und seinem Partner eins über die Rübe donnern. Vergleichbar ist er mit dem Zwerg aus „Versus“, der sich ständig größere Waffen beschafft. Hin und wieder funktioniert diese Komik. „Versus“ und „Zeiram“ würde ich zu den Werken zählen, wo der Humorfunke auch bei Nichtasiaten überspringt.

Die Musikuntermalung geht etwas in die Richtung von „Gunhed“, sprich sie ist für die eigentlich flotten Szenen (aus damaliger Sicht) sehr monoton und elektronisch. Meist überhört man sie einfach, in den wenig ruhigeren, bedrohlichen Momenten kann man ihre Wirkung aber nicht abstreiten.

Die Sinnlosschlacht gegen den „Zeiram“, der einen toll umgesetzten weißen „Kopf“ am Kopf trägt, ist schon etwas lahm umgesetzt. Aber wilde Spezialeffekt-Orgien und der Humor machen ihn immerhin unterhaltsam, wenn auch leider nicht auf hoher Ebene. Etwas mehr Kurzweile wäre wünschenswert gewesen.


Trailer,   OFDb

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