Mittwoch, 26. Dezember 2012

FORGET PARIS (1995 Billy Crystal)


Mickey Gordon ist in Paris um seinen Vater zu beerdigen und lernt die attraktive Debra kennen, in die er sich verliebt. Nach einiger Zeit zieht Debra zu Mickey nach Amerika. Doch da ihr Partner in seinem Beruf als Schiedsrichter ständig unterwegs ist, ist das Leben nach dem Verfliegen der rosa Wolke sehr unbefriedigend. Eine Lösung muss her...


Ein Schiedsrichter –Blind vor Liebe statt blind auf dem Spielfeld...

Diese Liebeskomödie ist ein sympathischer Beitrag seines Subgenres. Er ist jedoch Meilenweit von den großen Filmen seiner Art entfernt (z.B. „Pretty Woman“, „Harry und Sally“). Das hat mehrere Gründe: Die Tragik mit immer neuen Wendungen und Erkenntnissen ist etwas arg dick aufgetragen, die Story wird durch ihre episodenhafte Erscheinung nie ganz eins, und die Komik Crystals outet viel zu häufig ihre Herkunft aus der Ecke der Stand Up-Komik.

Dennoch ist das fertige Werk witzig, trotz kleiner Längen großteils kurzweilig und pfiffiger als die routinierten Beiträge zum Subgenre Liebeskomödie. So erntet „Forget Paris“ einige hervorragende Lacher über seine Erzählweise, den Rückblick. Texte werden falsch erzählt, um zu prüfen ob die Person, welche die Geschichte erzählt bekommt, auch noch zuhört. Der Kellner des Lokals, in dem die Story erzählt wird, kennt sich mit den verworrenen Geschehnissen irgendwann fast besser aus als die Erzähler. Die einzelnen Kapitel klingen oft nach Happy End, dann wird die Story wieder ins negative umgeworfen, was die zartbesaitete Frau, der das alles erzählt wird, immer wieder Tränen in die Augen schießt. Und da gibt es noch jede Menge andere Spiele mit dem Rückblick.

Zusätzlich zu diesem Kniff gesellt sich ein weiterer hinzu: Mit fortschreitender Laufzeit erzählen immer mehr Menschen die Geschichte, meist übernehmen die Neuankömmlinge im Lokal, die zu besagter Runde gehören, bei ihrer Ankunft das Ruder um weiter zu erzählen. Oftmals ist man sich aber auch uneinig, was auch zu gelungenen Witzen in Rückblickszenen führt, die währenddessen zu sehen sind. Das ist eine gute Idee, weit aus besser als wenn die Unklarheiten lediglich ohne optisch Zusatzunterstützung am Lokaltisch ausdiskutiert würden.

Neben der üblichen, meist harmlosen Witzchen, dieses Subgenres bekommt man in „Forget Paris“ auch herrlich alberne und skurrile geboten. Diese sind zwar nicht in der Überzahl, frischen den Film aber enorm auf. Mit zu den schrägsten Ideen, man könnte es fast schwarze Tragikomik nennen, gehört der Einzug des Stiefvaters in die zu diesem Zeitpunkt ohnehin nicht mehr fröhliche Zweisamkeit.

Bleibt zum Schluss nur zu sagen, dass das fertige Werk ruhig einen kleinen Kick flotter hätte sein können und weniger Tragik locker gereicht hätte, um schräge Situationen auf realitätsnahe knallen zu lassen. Insgesamt bleibt das Ergebnis aber immer noch überdurchschnittlich. Spätestens der Fan des Hauptdarstellers wird einen Freudensprung machen, darf Billy Crystal doch, wohl auch weil er hier Regie führte, viel improvisieren.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen