KRABAT (1977 Karel Zeman)


Der Bettlerjunge Krabat erreicht eine Mühle, wo er von dem Meister die Chance bekommt sein neuer Gehilfe zu werden. Der Müllermeister lässt viele Jungs für sich arbeiten und lehrt sie zudem die schwarze Magie und zeigt ihnen, wie man mit Hilfe dieser Leute betrügen kann. Das Leben auf der Mühle hat jedoch auch eine böse Kehrseite für die Gesellen...



Es klappert die Mühle...


Um den Vagabunden Krabat ragen sich so manche Erzählungen, beruhend auf einer Legende. Jurij Brezan schrieb über ihn ebenso wie Otfried Preussler. Brezans Version wurde zwei Jahre früher in der DDR verfilmt. Preusslers Vorlage musste zwar bis 2008 auf eine Realverfilmung warten, dafür wurde ihm 1977 eine Zeichentrickversion beschert, die bei echten Anhängern des Kult-Kinderbuches sich größerer Beliebtheit erfreut, als die spätere Verfilmung.


„Krabat“ ist in schlichten Bildern gehalten, einfachst animiert, jedoch nicht ohne Charme. Ein wenig Gewöhnungszeit brauchte ich schon, gerade bei der Animation Krabats selbst. Aber mit der Zeit zeigten sich die positiven Aspekte den Film per Scherenschnitt zu animieren, und der von mir zunächst als unangenehm gezeichnet empfundene Bettler Krabat, erwies sich als passende optische Charakterisierung.


Ich wage es gar nicht mir vorzustellen, wie eine Trickfilm-Version heutzutage ausgefallen wäre. 1977 durften Produkte für Familie und Kind noch ebenso hart erzählt werden, wie die Werke der Gebrüder Grimm. Und so ist der Tod ständiger Begleiter der Geschichte. Man sieht Särge, unheimliche Totenköpfe, es darf geblutet und gestorben werden. Das macht den Film heutzutage auch interessant für ein erwachsenes Publikum, trotzdem bleibt diese Verfilmung im Gegensatz zu der 2008-Version in erster Linie ein Kinderfilm.


Dieser zeigt, dass Moral nicht in Form von Kitsch präsentiert werden muss, ein häufiger Irrtum aktueller Produkte für das Jungvolk. „Krabat“ ist eine düstere Geschichte, eine die auch eine Aussage tätigen will. Er will keine triviale Ablenkung vom vielen Denken sein.


Die Bilder selbst sind nicht so düster gehalten, wie man passend zur Geschichte meinen sollte. Aber die Geschehnisse ziehen einen rasch in ihren Bann, und man verfolgt interessiert dem Ablauf.


Ich bin Nichtkenner des Buches und konnte mich nur an „Krabat“ von 2008 und an die Verfilmung nach Brezan namens „Die schwarze Mühle“ orientieren. Da letzteres Beispiel nur die Basis mit Preusslers Werk gemein hat, blieb mir nur der vergleichende Blick zur Realverfilmung.

Und da sind Unterschiede erkennbar, meist in dem was man für wichtig erachtete zu erzählen und was nicht. Die Annäherung an das Mädchen, bzw. das Entdecken der Gefühle zu ihr, bekommen in der Zeichentrickversion einen größeren Rahmen. Liebe wird auf schlichtere Art gezeigt, und die hohe Aufmerksamkeit zu diesem Thema muss sein, da es für das Finale von hoher Bedeutung ist.

Die Auflösung der Gefangenschaft unter einem zauberbegabten Tyrann wird wesentlich rätselhafter ergründet, als in der 2008er-Version. Das wundert, da sie an anderer Stelle dem Zuschauer nicht jede Information vordergründig aufs Brot schmieren musste. Regisseur Zeman erwartet von seinem jungen Publikum nichts, was es nicht leisten könnte. Schön, dass die Geschichte wegen dem Vertrauen an die Fähigkeiten der Zuschauer mit Wendungen und Überraschungen jeweils bis zum entscheidenden Moment wartet, anstatt zu früh mit offenen Karten zu spielen.


Inhaltlich haben beide Verfilmungen ihren interessantesten Unterschied in der Schluss-Situation. Um Nichtkennern nichts zu verraten sage ich nur die Stichwörter Raben und verbundene Augen. Bei Brezan war es übrigens ebenso die Rabenvariante, wie in der Realverfilmung „Krabat“. Auf mich wirkt diese Variante auch wesentlich hinterhältiger.


In der Zeichentrickversion gibt es einige Elemente, die mir zu kurz kommen, gerade weil das Zielpublikum ein junges ist. Die überraschende Wendung eines wichtigen Charakters wird trotz ihrer Wichtigkeit für die Geschichte lediglich am Rande erwähnt, ebenso wie die erste Freundschaft, die Krabat auf dem Hof schließt. Auch ein verräterischer Geselle wird nur eingangs als solcher vorgestellt und taucht mit dieser entscheidenden Charakteristik nie wieder auf. Stattdessen wacht der Meister selbst über Ungehorsam.


Dass er hierfür verschiedenste Verwandlungen durchmacht, was im Realfilm nur kurz angeschnitten wird, ist trickreich und furchteinflößend eingebracht. Der Meister verwandelt sich in allerhand Tiere, und in einer Winternacht wird dieser Bereich der Zauberkunst in Zemans Film genutzt, um eine ähnliche Situation aufzuzeigen, wie seinerzeit im Zauberduell von Disneys „Die Hexe und der Zauberer“.


Der Meister lehrt seinen Schülern schwarze Magie nicht nur Just For Fun. Er bezweckt damit gaunerisches Treiben, was anhand einiger Betrügereien gezeigt wird. Allerdings wird der Meister auch wesentlich bösartiger dargestellt als im Realfilm, wo der Gauner-Aspekt komplett ausgeblendet wird. Von Anfang an ist seine böse Art offensichtlich. Er bestraft im Gegensatz zu seinem reellen Gegenstück auch gerne mal ohne Grund, ist also ein Fiesling sondergleichen.


Hier gehen beide Verfilmungen meiner Meinung nach richtig vor. Der Zeichentrick wählt die simplere und märchentypischere Variante für die Kinder, der Realfilm zeigt die bösen Seiten des Müllers erst mit der Zeit, um mit dem erwachsenen Publikum zu spielen. Dennoch überraschte mich die Zeichentrick-Variante. Ich habe mir von Lesern des Buches nämlich erzählen lassen, dass die Mühle in der Vorlage zunächst als friedlicher Ortdargestellt wird. Da wirkt ein offenes Spiel mit der Bösartigkeit des Müllers widersprüchlich.

Zemans „Krabat“ benötigt nur einen Sprecher, den des Krabat selbst. Als Off-Kommentator erzählt der Bettler von seinen Erlebnissen, die sich im Gegensatz zur anderen Verfilmung übrigens auf ein Jahr länger stützen.


Die Musik passt sich der restlichen inszenatorischen Schlichtheit (Sprecher und Zeichenstil) an, spielt sich nie in den Vordergrund, sondern versucht dem Treiben auf der Leinwand möglichst unterstützend zu begegnen.


Trotz aller Schlichtheit ist Zeman, der mehrfach Erfahrungen im phantastischen Filmbereich gesammelt hat, eine liebevolle Umsetzung geglückt, die mit ihrer Moral erst zum Schluss hin arbeitet, was ich gut heiße. Ein früheres Einbringen hätte die nüchterne Atmosphäre auf dem Hof zerstört, dessen einziger Ausweg die Ausflüge zur Geliebten darstellten. Psychologisch gesehen ist Zeman also richtig vorgegangen.


Etwas unnötig fand ich die sehr lang gehaltene Prüfung mit einem türkischen Sultan, die der Meister an Krabat stellt. So wichtig sie auch für die Geschichte ist, sie wird zu sehr vertieft und reißt einen ein wenig aus dem hauptsächlichen Geschehen heraus.


Nichtsdestotrotz ist „Krabat“ ein schöner Film geworden, den einige Erwachsene aufgrund seiner Härte sicher nicht ihren Kindern zeigen werden. Ich denke gegenteilig, finde es gut, wenn ein Kinderfilm sein Publikum nicht in Watte packt, denke aber auch, dass der Zeichentrick noch eine Spur düsterer hätte umgesetzt werden können. Mag sein dass es an der friedlichen Stimme des Erzählers liegt, oder daran dass die Bilder selber arg hell gehalten wurden. „Krabat“ ist zwar kein schlechter Film, aber ich bin froh, dass er später für ein erwachsenes Publikum umgesetzt wurde, wie es die düstere Geschichte längst verdient hat.


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