Donnerstag, 27. Dezember 2012

MESSENGERS 2 - THE SCARECROW (2009 Martin Barnewitz)


Farmer John Rollins ist pleite, und sein Maisfeld leidet unter dem trockenen Wetter und den zahlreichen Krähen. In seinem Schuppen stößt John auf eine verborgene Tür. In dem unbekannten, kleinem Nebenraum entdeckt er eine alte Vogelscheuche. Nachdem er diese mitten auf dem Feld aufgestellt hat, beginnt für ihn ein neues Leben. Die Ernte wird besser, Krähen sterben, leider aber auch Menschen, denen der Farmer nicht gut gesonnen war. Da es mit seiner Ehe nicht gerade gut läuft, wendet sich John mit seinen Vermutungen, die Vogelscheuche habe etwas mit alledem zu tun, an seinen neuen, freundlichen Nachbarn, einem guten Zuhörer...


Der, der hinter den Reihen steht...

Eigentlich ist „Messengers 2“ gar keine Fortsetzung des Spukfilms „Messengers“. Die einzigen Parallelen sind zwei einsame Farmen, ein Feld und ein erfolgloser Farmer samt Familie. Das ist nicht viel, und wenn Hauptfigur John Rollins durch sein Maisfeld stapft, dann hat das ganze viel eher Verwandtschaft zu Stephen Kings „Kinder des Zorns“, spätestens wenn der Mann ein Kinderkichern aus den undurchsichtigen Maisreihen vernimmt.

Wer Teil 1 gesehen hat, dürfte jedoch wissen, dass es gar nicht weiter wild ist, sich nicht an ihm zu orientieren. Er war sicherlich kein Totalreinfall und hatte auch gruselige Momente zu bieten, insgesamt war der Film jedoch viel zu routiniert, servierte Altbekanntes etwas neu aufgelegt und dies im Rahmen eines mehr als ausgelutschten und biederen Familienbildes.

Mit Spuk hat Teil 2 recht wenig am Hut. Gruselige Momente sind auch nicht vorhanden. Dennoch muss ich gestehen, dass mir dieser Film besser gefallen hat als sein „Vorgänger“. Zum einen ist die Geschichte interessanter und nicht so verkrampft darauf erpicht den Zuschauer zu erschrecken. Regisseur Barnewitz geht es um die Geschichte, die zugegebenermaßen nicht sonderlich neu ist.

Einem Versager wird durch übernatürliches Geschehen das Glück geschenkt. Das ist ihm nicht geheuer, also wendet er sich gegen die Macht, die daraufhin wütend wird. Das ist klassischer Gruselstoff, der sich in manchen Elementen auch in anderen Genres findet, z.B. in „Spider-Man 3“.

Als zentrale Figur des Bösen eine Vogelscheuche zu nehmen, ist eine viel zu selten verwendete Idee, aber es gab sie trotzdem schon einige Male im Horrorbereich. Da war „Night Of The Scarecrow“, bei dem sich ein Zauberer in eine Vogelscheuche verwandelte. Da war „Die Nacht der Vogelscheuche“ (nicht mit Beispiel 1 zu verwechseln), in welcher ein ermordeter geistig Behinderter Rache nahm. Unter eingefleischten Horror-Fans ist „Paratrooper“ noch ein Begriff, der viel im Dunkeln spielt, aber zu gefallen weiß. Im Original heißt er „Scarecrows“, und da könnte man ihn mit „Scarecrow“ verwechseln, wie ein billiger Schnellschuss-Horror 2002 hieß.

Während in den meisten dieser Beispiele die Strohpuppe recht schnell selbst aktiv wurde, darf der Vogelschreck im hier besprochenen Film lange Zeit nur herumstehen. Wir bekommen immer nur das Ergebnis präsentiert, von dem was er tut. Das mag lahm klingen, ist aber dennoch interessant, da man nebenbei erleben darf, wie John seinen Verstand zu verlieren scheint. Ein wenig wirkt der Film wie „Shining“ im Maisfeld, und auch wenn John wieder anfängt zu trinken, kann man dies als Parallele sehen, wenn auch nur zum Buch statt zu Kubricks Film.

Für diesen Kniff hätte die Vogelscheuche nicht so lange pausieren brauchen, zeigte doch B-Film „Pinocchio – Die Puppe des Todes“, dass man den vermeintlich lebendigen Gegenstand bei seinen Taten zeigen kann, und trotzdem damit spielen kann, ob dieses Gesehene wirklich passiert ist oder doch nur die schräge Wahrnehmung einer geisteskranken Person war.

Dennoch, auch dieser Kniff ist kein Muss, „Messengers 2“ weiß dennoch zu funktionieren, wenn auch nicht überdurchschnittlich gut. Wieder bekommen wir ein ziemlich biederes Familienbild präsentiert, wieder sieht man nichts Neues, und auch das Finale präsentiert keine Innovationen.Neueinsteiger ins Horror-Genre werden sicherlich nett unterhalten, der Fan solcher Filme nur dann, wenn er immer wieder zu solchen Werken greift.

Man mag argumentieren können, dass ein Film, der auf einer Farm spielt, gut damit fährt ein biederes Familienbild zu präsentieren. Würde man mich nach Sichtung von „Messengers 2“ aber nach seiner Aussage fragen, ich müsste auf eine veraltete Geschlechtertrennung verweisen, die auf unangenehme Art präsentiert wird. Der Ehemann hat immer recht! Mag er sich auch noch so ungehobelt und fragwürdig verhalten, es ist nur zum Besten der Familie, also behalte Dein Vertrauen zu ihm, auch wenn Du daran zweifelst.

Die Finalszene geht sogar noch einen Schritt weiter. Hier wird das weibliche Geschlecht in seinem Handeln nun komplett zurückgesetzt, wenn ein kleiner Junge wesentlich mehr zum Zusammenhalt und Überleben der Familie beisteuern kann, als eine erwachsene Frau und ihre jugendliche Tochter. Hier zeigt sich das amerikanische Familienbild nun von seiner ganz klassischen Seite, das trotz aller angeblichen Emanzipationszustände unserer Zeit noch immer aktuell ist. Traurig!

Am Unterhaltungswert nagt das ganze nur bedingt und dies auch nur wegen seines biederen Beigeschmacks. Andererseits ist das Genre Horror dafür auch wieder der richtige Unterschlupf, propagierte diese Filmrichtung doch schon immer gerne Moral, Ehrfurcht und Tradition. Horrorfilme, die sich um den Rückhalt Andersartiger bemühen, sind mir im Vergleich jedoch wesentlich lieber.

„Messengers 2“ kommt ohne einen hohen Spannungsbogen und mit nur wenigen blutigen Bildern aus. Er ist ruhig erzählt und lässt sich allgemein viel Zeit für seine Geschichte. Damit wirkt er ähnlich veraltet wie sein Familienbild, ist aber auch eine willkommene Abwechslung in den Videoregalen für jene Filminteressierte, die nur neue Produkte konsumieren. Vom großen Wurf ist Teil 2 aber ebenso weit entfernt, wie Teil 1, der mit seiner angeblichen Fortsetzung inhaltlich nichts zu tun hat. 


Trailer,   OFDb

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