Sonntag, 9. Dezember 2012

NEVER CRY DEVIL (Night Visitor 1989 Rupert Hitzig)


Billy staunt nicht schlecht. Nebenan zieht die Prostituierte Lisa ein, und seine besten Freunde wollen ihm nicht glauben, da er ein notorischer Lügner ist. Als er Beweisfotos machen möchte, muss er mit ansehen, wie Lisa mit einem Dolch ermordet wird. Doch das ist noch nicht alles: der Mörder ist Billys Geschichtslehrer Mr. Willard, der sich als waschechter Satansanbeter entpuppt. Obwohl die Polizei schon lange nach dem Prostituiertenmörder sucht, glaubt sie Billy kein Wort. Nicht nur weil der als Lügner bekannt ist, sondern auch weil er mit seinem Lehrer noch eine Rechnung zu begleichen hatte, wurde der Schüler doch seinetwegen von der Schule suspendiert. Während Mr. Willard mit seinem geistig minderbemittelten Bruder ungestört weiter morden kann, beschließt Billy dass er selbst etwas unternehmen muss. Er kontaktiert einen alten Familienfreund, der früher Polizist war...


Herr lass Hirn regnen!...

Ich habe noch selten einen stümperhafter zusammengeschusterten Streifen gesehen, wie diesen hier. Die Geschichte ist uninspiriert erzählt, besitzt nicht den geringsten Hauch von Logik und wird mit Unnötigkeiten lang gestreckt. Die Darsteller sind alle kilometerweit davon entfernt glaubhaft spielen zu können, und die deutsche Synchronisation hilft noch fleißig dabei ihre Leistung noch schlimmer wirken zu lassen, als sie ohnehin schon ist. Dies tut sie nicht völlig ohne Augenzwinkerei. Scheinbar schien man zu bemerken, welchen Schrott man für den deutschen Markt aus Amerika eingekauft hatte. Und so wird die kleine Dosis Augenzwinkern, die tatsächlich im Film enthalten ist, in der deutschen Fassung ein klein wenig ausgeweitet mit pubertären Sprüchen und albernen Stimmen der Killer.

Wenn man in einem Meer an Unfug nicht mehr durchblickt, fängt man am besten von vorne an. Billy wird von einer attraktiven, älteren Nachbarin eingeladen, ein Rezept dass es gerade in den Teenfilmen der 80er Jahre sehr häufig im Horrorbereich und deren Parodien zu sehen gab („Einmal beiße, bitte“, „Liebe mit Biss“, ...). In alter „Fenster zum Hof“-Art beobachtet Billy ihr nächtliches Treiben, da sie sich als Prostituierte entpuppt. Dabei beobachtet er einen Mord, und diese Tatsache, sowie dass er den Mörder kennt, der Mörder vom Wissen des Zeugen weiß und von nun an dessen Leben bedroht (zumindest stößt der Lehrer Warnungen im Sinne Satans aus) erinnert alles stark an „Fright Night“.

Das sind alles taugliche Vorbilder, wenn auch nicht immer Filme erster Klasse. Gelernt hat man nichts von ihnen. Erst ein Blick auf den Polizisten, der trotz Zeugen, und mag er noch so fragwürdig sein, wirklich rein gar nichts unternimmt, außer einem oberflächlichen zwei Minuten-Plausch mit dem Hauptverdächtigen, erinnert an einen Film fast gleichen Kaliebers, „Die Teufelsbestie“. Die wusste den Freund filmischen Schundes zumindest mit seinen Unsinnigkeiten und seiner unbedarften Art zu belustigen. „Never Cry Devil“ geht noch einen Schritt weiter und serviert seine Geschichte derart blöde, dass man nicht fassen kann was man da sieht. Und da vergeht einem fast jegliches Lachen.

Jede Figur spielt steif, verhält sich unrealistisch und wird uninspiriert in der Deutschfassung gesprochen. Beste Freunde verhalten sich bieder, glauben Spaßvogel Billy, der übrigens wie die meisten Schüler viel zu alt gecastet wurde, kein Wort, lassen ihn daheim eiskalt sitzen, als die Nachbarin nicht genau in dem Augenblick vögelt, in dem die Truppe beschließt sie zu beobachten. So was aber auch! Und da sie Hautcreme im Gesicht hat, wird die Behauptung sie sei eine Hure auch gleich als Lüge gestraft! Aha!

Solche Kleinigkeiten häufen sich im Sekundentakt: ein angekündigter Nachbarschaftsbesuch dauert nicht einmal 5 Minuten, weil bereits die nächste Verabredung an der Tür klingelt, jugendliche Spione springen vor ein Auto, um vor ihm wegzurennen, noch bevor klar wird, dass es sie verfolgt oder gar töten möchte (Lemminge?), eine Schülerin spioniert völlig ohne Grund vor dem Fenster des verdächtigen Lehrers. Der wiederum hält seine Zeremonien mal so und mal so ab, schert sich einen Dreck um seine Tarnung, wenn er in einer Szene eine Prostituierte gleich von seinem Wagen aus tötet, und warum dies die andere Nutte nicht gesehen hat, die Sekunden vorher auf der selben Straße posierte, weiß wohl auch nur ihr Zuhälter.

Warum sich Billy eine Art Peter Vincent zur Seite stellt, obwohl der so gar nicht hilfreich ist (was später zumindest erklärt wird), weiß keine Sau. Billy erledigt die ganze Denkarbeit, obwohl sein Helfer behauptet stets mit Köpfchen gearbeitet zu haben, und eben jener der zudem behauptet nie eine Waffe benutzt zu haben, ist im Finale lediglich dafür hilfreich, ein paar Mal auf die Schurken zu schießen. Würde hier auch nur eine Figur so etwas wie einen Charakter besitzen, wäre das Treiben der Figuren auch diesbezüglich widersprüchlich.

Der Handlungsablauf könnte holpriger kaum sein. Anfangs pendelt der Film unentschlossen zwischen gagarmer Teenie-Komödie und Horrorfilm. Letzteres vergeigt er, wenn er seinen einzig mystisches Punkt, den unbekannten Killer im Wagen, bereits bei seinem zweiten Auftritt enttarnt. Bleibt zumindest sein Beweggrund längere Zeit ein Geheimnis, plaudert der Film plötzlich alles nach jener Szene aus, nach welcher die Polizei den bösen Mann und seinen Bruder „verhört“.

Von nun an switcht der Film immer wieder mal in die Bude des Psycho-Brüderpaares, um uns zu zeigen wie unglaublich krank sie sind. Damit und mit ihrer Geschwätzigkeit verlieren sie auch den letzten Ansatz von Mystik und mit einher der Film seine letzte Chance auf Atmosphäre. Dank schlechter Inszenierung geht auch jeder Ansatz von Satire oder zumindest Augenzwinkern restlos verloren. Was in den Händen eines Geschichtenerzählers zu einer Groteske für ein kleines Publikum hätte werden können, entpuppt sich in der Hand eines Regisseurs, der einen Film nur fürs schnelle Geld herunterkurbelt, als Desaster erster Güte.

Wie gesagt, es fehlt an unfreiwilliger Komik, trotz all dieser Dummheit, eben weil alles wieder eine Spur zu schlecht gedreht wurde, selbst dafür. Wer gab für so etwas Geld? Wer fand das Drehbuch gut? Wer glaubte der Regisseur hätte eventuell einen kleinen Hauch Talent? „Never Cry Devil“ ist so schlecht, dass man es selbst gesehen haben muss. Klar hält er unfreiwillige Lacher bereit, doch die bleiben einem bei so viel mangelnder Begabung meist im Halse stecken.

Meist – ein gutes Beispiel für eine schlechte partyfördernde Szene bietet der Schluss. Nachdem die Polizei eingeweiht ist und Billys nicht mehr als Spinner dasteht, darf man ihn zusammen mit seiner Freundin dabei zusehen, wie glücklich die beiden sind. Sie küssen sich, sie unternehmen etwas, sie fahren Auto. Ständig sieht man beide in neuen Situationen. Schnitte vereinen die einzelnen Szenen des Glücklichseins zu einer. Ein Stilmittel um auf einen Schlussgag hinzuarbeiten? Nein, die beiden sind einfach irre glücklich zusammen. Am Schluss fahren sie mit ihrem Auto dem kalifornischen Horizont entgegen, während ein total routiniertes Stück 80er Jahre Musik, wie es zurecht vergessen wurde, im Hintergrund spielt.

Diese Musik, die den kompletten Film ab und an untermalt, ist übrigens noch das beste an diesem Stück Schund, der gerne ein Horrorfilm wäre. Als Amateurfilm könnte ich all seine Fehler und das mangelnde Talent noch verstehen. Aber „Night Visitor“, so der Titel im Original, ist eine professionelle Produktion, sicherlich kein Kinofilm, aber professionell produziert – bzw. eben nicht! 


Trailer,   OFDb

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen