Donnerstag, 13. Dezember 2012

THE CAVERN - ABSTIEG IN DAS GRAUEN (WIthIN 2005 Olatunde Osunsanmi)


In Kasachstan möchte ein Trupp junger Männer und Frauen ein neu entdecktes Höhlensystem erforschen. Man klettert hinein und muss schnell feststellen, dass man hier drin nicht alleine ist. Einer nach dem anderen wird von einer Bestie getötet...


Höhlen-Horror die Dritte...

The Descent“ bescherte einem ein realitätsnahes Grusel-Feeling, „The Cave“ punktete als Horrorfilm aus dem Bereich des Phantastistischen. Und im selben Jahr der beiden Werke erschien der unbekannteste Film von den dreien, „The Cavern“. 2005 war das Horrorgenre scheinbar geprägt von der sonst so vernachlässigten Idee vom Ungewissen dunkler, bisher unentdeckter Höhlen.

Das späte Interesse dieses schlichten Stoffes wundert schon ein wenig, immerhin ist der Tiefsee-Horror schon lange Bestandteil der Gruselwelt und wird gerne damit begründet, dass auf der Erde halt doch noch nicht alles ergründet ist. Diese Beschreibung passt auch zur Idee des Höhlen-Horrors, der gegenüber des Tiefsee-Horror-Bereichs einen Pluspunkt birgt: In der Location einer Höhle kann man gut mit Kindheitsängsten spielen. Dunkelheit und fremde Geräusche gehen Hand in Hand mit dem unangenehmen Gedanken der Klaustrophobie. Auch wer allgemein nicht darunter leidet, kann sicherlich nicht verneinen, dass der Gedanke unter der Erde inmitten von Stein eingeschlossen zu sein, ein mulmiges Gefühl hinterlässt.

Bleiben wir aber bei der Dunkelheit und den unheimlichen Geräuschen. Eben weil ein Höhlensystem auch gut auf Kinderängste setzt, kann man es Regisseur Osunsanmi zunächst nicht verübeln, dass er versucht sich auf das Entstehen von Grusel durch eben diese Elemente zu konzentrieren. „The Blair Witch Project“ hat schließlich auch auf diese Art funktioniert. Und sieht man einmal vom Kamerastil ab, der beide Werke trennt, bauen beide auf dem weniger ist mehr-Prinzip auf. Mit schlichten Mitteln Gruseln erzeugen ist meist ein ergebnisreiches Konzept.

Dennoch ist es kein narrensicheres, so dass jeder untalentierte Mensch mit Kamera ohne Gespür für Grusel eben diesen erzeugen kann. Und das muss der Zuschauer unter der Regie von Osunsanmi, der mit „The Cavern“ sein Regiedebut vorlegt, bitter erfahren.

Es hinterlässt bereits kein gutes Gefühl, dass jegliche Situation vor dem Einstieg in die Höhle dick aufgetragen wird. Charaktere werden mitten in Klischees gehauen, bierernst werden Philosophien ausgetauscht, wie sie kindischer nicht vorgetragen werden könnten, und jegliches Schauspiel zeigt sich im Überagieren. Da fällt gerade zu Anfang bereits die Lagerfeuerszene erschreckend übertrieben gespielt auf, bei der man der Gruppe junger Menschen bei einem Gelächter zusehen darf, wie es unechter kaum rüberzubringen wäre. Einen Vergleich fand ich lediglich im grottenschlechten „State Of Emergency“, bei dem es eine ähnlich miese Szene gab. Aber der war zumindest ein Amateurfilm.

Es wundert also nicht, wenn sich im weiteren Verlauf der Geschichte an unrealistischem und übertriebenem Spiel nichts ändern wird. Hier wird Gekeift bis der Arzt kommt, ängstliche Herren benehmen sich wie Psychopathen im Endstadium kurz vor dem Versuch der Weltherrschaft und püppchenhaftes Weibsvolk kreischt und posiert, wie man es durch das Gucken diverser Werke diverser Jahrzehnte von früh an gelernt hat.

Osunsanmi gelingt es nicht die Darsteller bei der Orientierung ihrer Rolle und der jeweiligen Situation an die Hand zu nehmen. Wie sollte dies auch gelingen? Er selbst hat das Drehbuch verzapft, und dies zeigt diese Schwächen nicht nur in bisher beschriebenen Punkten, sondern auch in inhaltlichen und psychologischen Bereichen.

The Descent“ erzählte eine nahezu ähnliche Geschichte, und der Regisseur dort wusste bis zu einem gewissen Zeitpunkt genau, wie er das Erzählte auf realistischem Niveau halten konnte. Osunsanmi gelingt dies nie. Das Monster ist viel zu sehr präsent (ohne dass man es sieht), die Art wie die Protagonisten eingesperrt werden ist arg konstruiert, und der Versuch dem Film einen mystischen Touch zu geben scheitert bereits am Anfang, wenn darüber nachgedacht wird, warum der Eingang so dunkel erscheint.

Der dünnen Geschichte vertraute der gute Mann ebenso wenig wie der Storyverantwortliche von „The Descent“, und so wird auch hier eine tragische Hintergrundgeschichte mit eingebaut, die hier wie dort nicht nötig gewesen wäre. Osunsanmis Untalent sei dank wirkt auch diese billigst aufgesetzt, reißerisch eingebracht, klischeehaft dramatisch und mit Blick auf die Gesamtinfo des tragischen Rückblicks auch schlichtweg banal.

Die darauf aufbauenden Streitereien wirken unnötig wie unglaubwürdig, da sie von Menschen kommen, die trotz des Wissens der Umstände dem „Schuldigen“ blindlinks ins aktuelle Höhlenabenteuer folgen. Diese Unlogik kann sich mit der Finalauflösung die Hand reichen, auch hier wäre jeder vertiefter Erklärungsansatz Unsinn. Es gäbe bessere Alternativen als Lebensraum, und Nahrung innerhalb einer Höhle dürfte auch recht knapp sein. Gerade jene Nahrung, die zum Raubtierverhalten führt, wie es in „The Cavern“ zelebriert wird.

Das Raubtier innerhalb der Höhle sorgt immerhin beim Gorehound für etwas versöhnliche Stimmung. Immerhin geht es hier recht blutig zu. Da fließt das Blut, da darf man halbe Menschen sehen. Wenn es um Ekel geht, gibt Osunsanmi einen klaren Blick auf die Bilder.

Beim Rest des Films ist ihm das völlig schnuppe. Ich mag „The Blair Witch Project“ und kann gut damit leben, wenn ein Film in der Dunkelheit bei verwackelten Bildern spielt. Aber was uns in „The Cavern“ vorgesetzt wird ist penetrant. Die Bilder sind nicht nur verwackelt, sondern auch noch verschwommen. Hin und wieder wird mit schnellem Schnitt gearbeitet. Was bei der Titeleinblendung noch Wirkung besitzt, nervt innerhalb des Filmes selbst und endet in einem lächerlichen Verfahren, wenn Opfer in der Dunkelheit mit kurz eingestreuten Bildern bei Licht, bei ihrem Ableben gezeigt werden (gezeigt in sofern wie es ein Blitzlichtgewitter zulässt). Warum darf das Opfer nicht in der Dunkelheit sterben? Ist das ungewisse Schreien und die Geräusche des Kampfes und getötet werden nicht schon effektiv genug? Eigentlich schon, aber nicht für den Regisseur.

Zudem gibt es in Osunsanmis Film einen gehörig qualitativen Unterschied zu „The Descent“: die Location ist nicht stimmig. Die Höhle wirkt plump und irgendwie auch unecht. Zudem ist es viel zu leicht durch sie hindurchzustapfen, wenn man einmal bedenkt, dass die Herren und Damen sich gerade in einer ihnen fremden Umgebung umhergeistern. Die Höhle in „The Cavern“ hinterlässt den Eindruck man tappse durch eine dunkle Wohnung mit glattem Fußboden. Hier kann man springen, rennen und andere Dinge tun. Nie hat man Angst vor Schluchten, vorstehenden Steinen und tiefen Decken. Vielleicht sehen die Filmfiguren aber auch einfach mehr als der fast blinde Zuschauer. Und ich meckere hier nicht über die Dunkelheit (möglichst mit dem realen Licht arbeiten finde ich ein immer wieder gelungenes Stilmittel), ich meckere über das Verschwommene der Bilder.

Der Soundtrack ist auch so eine Sache für sich. Da wird am Synthesizer mit einer schlichten Melodie gearbeitet. Würde man sich an John Carpenter orientieren, könnte dies ordentlich Gruselstimmung in die Bude zaubern. Aber Osunsanmi wollte wie in jedem Bereich zu viel und so wird die banale Musik von einem Chor begleitet, der die Musik derart hochschaukelt, dass man meint in einem großen Überwerk zu sein, einem Monumental-Epos der Extraklasse, den man mit offenem Mund gebannt, begeistert, ja geradezu fanatisch anstiert. Die Musik will Mystik erzeugen, erzeugt aber nur Lächerlichkeit, da ein solcher Sound vorlügt es würde nun etwas unglaubliches passieren, etwas dass die Zeit für immer verändern wird. Und man weiß genau, dass nicht einmal etwas passieren wird, dass es nicht schon in vielen anderen Genre-Beiträgen gab.

Dass die Art wie die letzten Überlebenden auf den Hintergrund des Rätsels der Höhle stoßen ebenso überkonstruiert wie unglaubwürdig umgesetzt wurde, brauche ich eigentlich nicht zu erwähnen. Erwähnen tue ich es nur deshalb, weil Osunsanmi damit die letzte Möglichkeit verbaut, ein wenig Mystik entstehen zu lassen. Hätte man nicht einfach ungeklärt lassen können was da nun im Höhlensystem herumgeisterte? Muss man stattdessen mit Erklärungen kommen, die selbst den Psychologie-Laien den Kopf schütteln lassen?

Glückwunsch, lieber Regisseur! Du hast es geschafft von Anfang bis Ende wirklich nur Mist zu verzapfen. Und dank unglaublich schlechter Dialoge im Dauerzustand wird dies dem Zuschauer auch schnell genug bewusst, um sich früh genug auf einen Haufen Schrott einzustellen oder besagten Haufen auszuschalten.


Trailer,   OFDb

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