Donnerstag, 13. Dezember 2012

DEAD END (2003 Jean-Baptiste Andrea u.a.)


Eine Familie ist im Auto unterwegs zu einer Weihnachtsfeier. Man nimmt eine Abkürzung, die sich kurz darauf als seltsam entpuppt. Erst trifft man auf eine seltsame Anhalterin, dann scheint sich die Straße endlos ohne Kurven ins Dunkle zu strecken...


Immer geradeaus...

Seit „The Sixth Sense“ scheint es Pflichtprogramm in Horrorfilmen zu seinen, ein überraschendes Ende zu präsentieren, dass die vorherigen Geschehnisse aus einem anderen Blickwinkel erscheinen lässt als zuvor. Doch wenn der Papa der Familie am Steuer einschläft und es fasst zum Unfall kommt und von dort an nur noch ominöse Dinge geschehen, dann kann man sich das Ende eigentlich schon denken. Welch ominöse Zeichen: die Uhren blieben seit der Minute des Unfalls alle stehen, oh da steht eine ominöse Anhalterin mit totem Kind. Man muss nicht Einstein sein, um den Drehbuchautoren die Überraschung zu versauen.

„Dead End“ ist ein dicht erzählter Gruselfilm, der einige kleine Schockmomente parat hält und mit einem konstanten Spannungsaufbau trumpfen kann. Die Darsteller schwanken zwischen o.k. und gut besetzt, ihre Figuren sind etwas zu überzeichnet um realistisch zu wirken. Das ist etwas schade, da der Film mit realistischen Figuren noch einmal eine Spur spannender hätte werden können. Zumindest wäre die Identifikation mit den Protagonisten effektiver gewesen. Aber das ist letztendlich alles Kleinkrämerei, da das Werk schlussendlich funktioniert – wäre da nicht diese Ernüchterung am Schluss eines Finales, das man längst erraten hat.

Ich kann sie gar nicht mehr alle aufzählen, die jüngsten Horrorwerke, die mit der selben Pointe enden. Um nur mal ein paar zu nennen, die man sich eigentlich sparen kann: Da war der sehr schlechte „Soul Survivors“, der halbgare „Reeker“ und der etwas zu langatmige „Haunted - Haus der Geister“. „Dead End“ war so dicht erzählt, dass ich kurz am grübeln war, ob nicht doch eine andere Schlusspointe möglich war. So liebäugelte ich kurze Zeit mit der Idee, dass der Vater einen Schaden vom Unfall genommen hatte. Er steht ziemlich im Mittelpunkt, er ist der, der ständig Scheiße baut und seine Tochter, als direkteste Bezugsperson, lernt Psychologie. Begleitet sie ihn durch ein wirres Szenario seiner durch den Unfall krank gewordenen Seele, um einen Weg zu finden, ihn wieder in die Realität zurückzuholen? Sehen wir das was wir sehen nur aus dem Blickwinkel eines verwirrten Geistes? Das wäre doch wirklich eine tolle Schlussidee gewesen, ebenfalls wandelnd auf dem Prinzip, dass zum Ende eines Werkes nicht alles so war wie es schien.

Positiv hervorzuheben wären die Dialoge. Sie müssen den kompletten Film tragen. Letztendlich ist der Film ein Kammerspiel in Road Movie-Form. Es gibt nur den Innenraum des Autos und die verlassene Straße. Ziemlich zum Ende hin kommt auch der düstere Wald mehr zum Einsatz, den es sonst nur am Straßenrand zu sichten gab und aus der hervorragenden und extrem bedrohlichen Aufnahme der Vogelperspektive. Wem beim Anblick der Autoscheinwerfer auf einer endlosen und verlassenen Straße im nicht enden wollenden Grün des Waldes nicht vollkommen anders wird, dem wird wohl nicht zu helfen sein. Es ist unglaublich atmosphärisch eingefangen, nah am Unheimlichen und handwerklich wurde optische Perfektion erreicht.

Inmitten dieser sehr gut gewählten Location liegt es also wie erwähnt bei den Dialogen den Zuschauer bei der Stange zu halten. Trotz der zu überzeichneten Charaktere ist dies auch von Anfang bis Ende gelungen. Sarkastische Sprüche, Informationen, Diskussionen und Smalltalk wechseln sich ab, geben sich die Hand und wissen zu überzeugen. Erstaunlich ist auch, dass der Drehbuch-Autor es immer wieder schaffte Gründe zu nennen auszusteigen und sich wieder anders hinzusetzen als zuvor.

Ich hörte einmal im Audiokommentar zu „Pretty Woman“ wie bemüht der Regisseur dieses Filmes war, seine Protagonisten immer in Bewegung zu halten. Sie sollten so gut wie nie sitzen, und wenn sie es taten, dann nie auf herkömmliche Art. Obwohl man sich im Leben in ähnlichen Situationen anders verhält, fällt einem das gekünstelte Verhalten der Figuren im Film gar nicht auf. Im Gegenteil, das Werk bleibt attraktiv, da es dem Zuschauer winzige Aktionen für das Auge bietet. Und so ähnlich ist es bei „Dead End“.

Der Großteil der Geschichte spielt im Auto, also versucht man den Zuschauer bei Laune zu halten. Man wechselt Kameraperspektiven ebenso wie Sitzplätze, und immer wieder gibt es einen Grund zu halten, selbst dann wenn man beschließt von nun an nicht mehr anzuhalten. Bis auf die Szene mit dem Kinderwagen auf der Straße waren die Gründe auszusteigen auch immer nachvollziehbar, das war das erstaunliche. Da muss man schon seinen Hut vor Drehbuch und Regie ziehen.

Letztendlich weiß „Dead End“ zu gruseln, zartbesaitete Zuschauer zu erschrecken und atmosphärisch dicht zu unterhalten. Dass man den Schluss erahnt macht inmitten des ganzen Treibens nichts kaputt. Erst wenn die bereits gewusste Pointe einem so extrem überraschend präsentiert wird, wird man als Zuschauer leicht säuerlich. Was glaubten die Verantwortlichen? Einen in eine völlig andere Realitätsebene gezogen zu haben? Nein, nein, so einfach geht das nun nicht, liebe Drehbuchschreiber.

Von mal zu mal, wie die Schlusspointe immer wieder filmisch genutzt wird, wird es für die Schreiber solcher Horrorfilme schwieriger, den Zuschauer auf die falsche Bahn zu führen. Dann muss schon etwas unauffälligeres passieren, als das sehr deutliche Einschlafen am Steuer eines Autos in Kombination mit der beinahen Kollision mit einem entgegenkommenden Auto. Dafür wurde der Kinofreund im vergangenen Jahrzehnt schon viel zu sehr für solche möglichen Schlusspointen sensibilisiert.

Wer den Cineasten überraschen will, muss etwas neues bieten. Trotz alledem ist „Dead End“ eine Empfehlung wert. Es verwundert, dass der Film mit seinem Manko derart gut funktioniert. 


Trailer,   OFDb

1 Kommentar:

  1. Mein absoluter Lieblingsgruselfilm. Selten war die Atmosphäre stimmiger und die Dialoge zackiger. Man kann lachen, sich gruseln und wird durchgehend supertoll unterhalten. So und nicht anders muss ein Film dieser Gattung aussehen.

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