Montag, 3. Dezember 2012

ZOMBIE BLOODBATH (1993 Todd Sheets)


Eine gemütliche Wohnsiedlung birgt ein Geheimnis: einst stand auf ihrem Platz ein Kraftwerk. Als es zu einem Reaktorunglück kam und viele Menschen starben, wurde die Siedlung gebaut, um alle Beweise verschwinden zu lassen. Durch die Strahlung haben sich die eingebuddelten Toten jedoch in Zombies verwandelt...


Großangriff der Zombies...

Einem Amateurfilm verzeiht man viel, und auf der Gegenseite weiß man Kleinigkeiten zu schätzen oder zu würdigen. Und so gibt es auch einiges, was "Zombie Bloodbath" als Lob einstecken kann. Das mag daran liegen, dass man im Vorspann nicht immer nur die selben Namen liest. Regie, Spezialeffekte, Kamera liegen mal nicht in der Hand eines Mannes. Das ist in diesem Bereich relativ selten der Fall. Dass der Regisseur letzten Endes dennoch die meistgenannte Person ist, und dass man im Abspann unter den Darstellern viel Verwandtschaft zu lesen bekommt, ist wiederum typisch.

Für einen selbstgedrehten Film hat man immerhin ordentlich Leutchen zusammengetrommelt bekommen, was gerade den Zombieszenen sichtlich gut tut. Billigproduktionen wie "Zombie Night", die noch nicht einmal Amateurfilm sondern semiprofessionelle Produktionen waren, hätten sich davon eine Scheibe abschneiden können, erst recht wenn man die Dreistigkeit besitzt seinen Film auf DVD zu vermarkten.

Die Hauptrollen sind alle schlecht gespielt. In einem solchen Werk erwartet man keine echten Schauspieler, aber auch für einen Amateurfilm sind sie arg steif, streckenweise sogar unmotiviert. Letzteres bemerkt man besonders in der Rolle der jungen Teenagerin.

Was nicht fehlen darf und deshalb wieder viel zu übertrieben wurde, sind die Fressattacken der Untoten. Das ist zwar abwechslungsreicher gestaltet und nicht so penetrant häufig eingebaut wie in "Zombie 90", geht aber dennoch auf die Nerven. Die Tricks sind nicht gut. Metzgerutensilien werden auf Bäuche gelegt und von den Zombies dann roh gemampft, betatscht und verschmiert. Der rote Saft fließt oft, hat allerdings eine ominöse Farbe. Und so gering wie die Qualität der Innereienszenen sind ohnehin alle Goreszenen ausgefallen. Sie sind schnell zu durchschauen und wirken nur in den seltensten Fällen.

So bekommt man beispielsweise einen wirkungslosen Kopfschuss zu sehen, wie er billiger nicht getrickst sein könnte. Und eine der größten Unverschämtheiten ist jene Szene, in welcher die Teenagerin mit einer Machete eine Horde Zombies kalt macht. Das Gemetzel bekommt man pro Zombie nur im Endergebnis zu sehen, wenn die Klinge bereits in den Untoten eingedrungen ist. Dabei spielt das junge Ding besonders versteift und unmotiviert (wahrscheinlich wegen der häufig benötigten Schnitte, die einen immer wieder aus der Situation schauspielerisch herausreißen) und die Zombies stehen um sie herum, relativ angriffsfaul, als würden sie nur darauf warten endlich die Machete abzubekommen.

Diese Unmotiviertheit der Kreaturen ist ohnehin ein weiterer Kritikpunkt den sich "Zombie Bloodbath" auch als Amateurfilm gefallen lassen muss. Die Zombies wirken in ihrem Handeln nicht bedrohlich. Selbst in großer Anzahl versuchen sie nie mit dem Mund nach den Flüchtenden zu schnappen. Auch mit den Händen greifen sie nur höchst selten zu, und die Art und Weise wie sie zu töten sind ist auch sehr simpel. Bedrohlich ist das nicht, so dass der lächerliche Plan, den die Hauptfiguren aushecken um der Bedrohung Herr zu werden, im Nachhinein durch diese Peinlichkeit sogar sinnig wirkt.

Einer der Hauptdarsteller ist ein Jugendlicher, der ganze Zombiehorden mit billigstem Möchtegern-Karate platt macht. Und das macht er nicht nur einmal, nein, den ganzen Film über kämpft er. Man muss sich das wie bei einer schlecht gespielten Tekken-Figur vorstellen, nur dass sie nicht von Level zu Level wechselt, sondern kämpfend als Jump'n Run die Gegend unsicher macht. So leicht lassen sich unsere Untoten zerstören.

Haben die Zombies ihr Opfer endlich erwicht, sind sie plötzlich auch wesentlich aktiver. Sie fressen und beißen, auch wenn man die Bisse selbst nicht sieht, ein grober Fehler für einen Horror, der gerne sehr hart sein möchte. Ein weiteres Beispiel wäre unser Karatekämpfer, der irgendwann von einem Ast durchbohrt wird, und dem danach nicht einmal der Lebenssaft aus dem Mund läuft.

Eine lustig dämliche Szene außerhalb des Gorebereiches ist die, in der eine Person vor einer Horde Zombies flüchtet und sich in ein Auto rettet. Nach Genrepflicht springt das Auto nicht an, die Zombies bummern fleißig gegen das Vehikel, also was macht unsere Heldin? Sie steigt einfach auf der Beifahrerseite wieder aus, wo noch kein einziger Untoter steht.

Zur Verteidigung des Films muss man allerdings erwähnen, dass er nicht komplett ernst erzählt ist. Er ist zwar keine wirkliche Horror-Komödie, aber freiwillige Gags sind durchaus vorhanden. Das Retten in eine Kirche wird auf die humorvolle Art als Zombiemeeting entpuppt. Und wahrscheinlich der schönste Witz ist jener, wo ein Sohn seinen militärerfahrenen Vater ziemlich zum Ende des Films hin fragt, warum er eigentlich die ganze Zeit über seine Schrotflinte mit herumschleppt, wenn er doch nie damit schießt. Die Antwort ist einleuchtend: Ich habe die Munition im Auto vergessen. Ja, so lassen sich Unlogiken schnell und plump erklären, aber immerhin mit positiver Wirkung.

Die Zombies selbst sind sehr unterschiedlich gut gemacht. Der Großteil ist lediglich blass geschminkt mit dunklen Augenrändern, andere haben irgendwelche Gummipampe verschiedenster Farben im Gesicht, das hat schon etwas mehr Wirkung. Beachten sollte man zumindest dass für einen selbstgedrehten Film viele Zombiedarsteller am Start waren, so dass es allerdings verwundert warum der ein oder andere in verschiedenen Rollen öfters auftaucht.

Wie auch immer, die Vielzhl an Mitwirkenden entschuldigt, dass man nicht jeden Zombie liebevoll gestalten konnte. So ein Amateurfilm ist ja auch immer ein Zeitproblem, da die Beteiligten ihre Freizeit dafür opfern. Da muss es manchmal etwas schneller gehen. Ich habe zwar schon besseres Zombiedesign gesehen, aber es reicht. Und ganz unverschämte Profiproduktionen wie "Zombies unter Kannibalen" schafften es fast das Make-Up von „Zombie Bloodbath“ zu unterbieten.

Die Geschichte, die keine ist, funktioniert verwunderlicher Weise halb auf fast 90 Minuten. Wie so oft blendet die Laufzeit etwas, Amateurfilme haben häufig einen langen Abspann und so ist es auch hier. Dennoch kann auch die Restzeit theoretisch schnell langweilen, erst recht in einem Film, der hauptsächlich ernst erzählt sein will. Humor hat schon viel Selbstgedrehtes retten können, bierernste Nichtproduktionen scheitern meist (bestes Beispiel "Insel der Dämonen"). Das bisschen Humor, das uns hier zugeworfen wird, hilft dem Zuschauer also etwas, um die Ziellinie zu erreichen.

Flott fürs Auge wirkt zudem der ständige Ortswechsel. Hier muss das Auge nicht stets die selben Räumlichkeiten sichten, da hat man sich viel Mühe gegeben. Normale Orte wie verschiedene Straßen, Häuser, eine Brücke, Feuerleitern dienen ebenso als Augenfutter wie auch die Aufnahmen in einer Kirche oder einer Videothek (war ja klar dass einer der Kasper wieder mal wen kannte dem eine gehört).

Hinzu kommt, dass die Macher zwar inhaltlich, darstellerisch und von den Effekten her versagten, dafür in anderen Bereichen wesentlich bessere Arbeit leisteten. Da wäre ganz klar die Musik zu nennen, abwechslungsreich, gut ausgewählt (wenn auch bei der ein oder anderen Stelle mancher Ton zu lang erklingt) und zudem nie so laut in den Film eingebracht, dass man die Protagonisten nicht mehr hören könnte. Das passiert schließlich relativ häufig in Amateurfilmen. Der Cast ist vom quantitativen Gesichtspunkt auch geglückt. Wie erwähnt gibt es relativ viele Mitwirkende und es sind zudem nicht nur Jungspunde dabei. Deren Anzahl macht zwar den Hauptteil aus, aber auch ältere und jüngere Menschen sind zu sehen, Erstgenannte sogar in Hauptrollen.

Ein Lob gebührt auch den Kameramännern. Sie suchten sich gern mal bewährte Schrägpositionen aus, wackelten nie und spielten auch hin und wieder mit ihrem Arbeitsinstrument, z.B. wenn es über den Boden gleitet. Auch der Schnitt ist für einen derart selbstgedrehten Film überdurchschnittlich, und auch auf diesen Punkt hin gesehen gibt es keine Makel bei der Vertonung. Szenen mit ruppigen Übergängen sind vorhanden, aber nur sehr selten. Schön auch, dass es keine Nackt- geschweige denn Fummelszenen gibt, wie in „Slasher“ oder „Meat Market“.

Wie erwähnt ist etwas arg viel unnötiger Gore enthalten, der gerade zum Ende hin viel zu häufig vorkommt, und viel zu lang eingefangen wird. Aber immerhin wird etwas Abwechslung geboten. So sieht man ziemlich zu Anfang des Films z.B. Menschen schmelzen. Die Umsetzung einer so schwer klingenden Szene wurde ganz simpel, und eben auch uneffektiv, gelöst: man goss den Leutchen einfach verschiedenfarbige Flüssigkeiten über die Rübe. Zumindest warnt diese Szene schnell vor, worauf man sich beim Gucken eingelassen hat und was einem in Sachen Tricks später noch erwarten darf. Wie einer für einen Zombieimbiss seinen Arsch bearbeitet bekommt, dürfte zu den skurrilsten Ideen gehören, überzeugt aber auch nicht ansatzweise.

Wie subgenreüblich sind viele Figuren nach bekannten Horrorregisseuren benannt, wobei mich das Auftauchen Bookwalters Namen schon etwas wunderte. So ganz in die Kategorie eines Argento, Raimi und Fulci gehört er ja eigentlich nicht. Dennoch gebührt ihm wenigstens für "The Dead Next Door" der hier eingebrachte Respekt.

Der lange Abspann wird mit einer kleinen Slideshow schmackhafter gemacht, in der wir Bilder von hinter dem Set sehen. Da das ganze Geschehen in einem AKW seinen Anfang nahm (auf billige Art recht nett umgesetzt), bekommen wir vor dem Abspann noch einen schwarzhumorigen Bonus der besonderen Art präsentiert. Hier darf man nun einen Originalbeitrag sichten, über die Eröffnung des ersten AKWs, wie er selbstlobend seinerzeit als Nachricht in den amerikanischen Kinos lief.

Man liest es heraus. Es gibt genug Gründe den Film nett zu finden, und es gibt genug Gründe ihn wirklich nervig zu finden. Da mir über die komplette Laufzeit nie wirklich langweilig wurde, dafür mein Sehorgan vor lauter Augenverdrehen nie mehr das selbe sein wird, ist er meiner Meinung nach in der schwachen Routine anzusiedeln. Dass das Werk nur etwas für Genrefans mit Faible für Amateurfilme ist dürfte klar sein.


Trailer,   OFDb

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen