Donnerstag, 14. Februar 2013

CATACOMBS - UNTER DER ERDE LAUERT DER TOD (Catacombs 2007 Tomm Coker u.a.)


Die Amerikanerin Victoria reist auf Wunsch ihrer dort studierenden Schwester nach Paris. Kaum dort angekommen, wird sie von ihr zu einer ungewöhnlichen Party geschleppt: eine unterirdische Techno-Fete in den Katakomben von Paris, einem unübersichtlichen Labyrinth, in dem sich Victoria nicht nur wie zu erwarten verläuft, sondern auch auf einen legendären Killer stößt, von dem die Kids der Stadt sich erzählen...


Die Horror-Party...

Dunkle Bilder wegen düsterer Kulissen, wackelige Optik und hektische Schnitte wegen viel rennen und Panik haben, all das sind Elemente von „Catacombs“ mit denen sich viele schwer tun, die ich hingegen sogar recht passend und atmosphärisch fand, zumindest soweit wie die restlichen Komponenten des Streifens es zulassen. Von einer packenden Atmosphäre könnte ich aber nur dann sprechen, wenn sie dicht und spannungsgeladen ist, aber das sind Adjektive, die dank diverser Fehler nicht ins Repertoire der Filmschaffenden Coker und Elliot passen, zumindest wenn sie zusammen arbeiten.

Der größte Fehler von „Catacombs“ ist seine überraschende Auflösung. Aber damit meine ich keinesfalls die Auflösung an sich, die ist eigentlich ganz o.k. Sie mag für viele überraschend kommen, ist aber zu erahnen, wenn man zu Beginn den Erzählungen lauscht, was die Ortsansässigen Franzosen gerne mit Neulingen in der Stadt anstellen. Das Problem an der Schluss-Überraschung ist einfach, dass der komplette Film sich ihr fügen muss, und dementsprechend konstruiert wird der Rest zuvor aufgebaut für den einen Zweck: der Schluss-Pointe.

So wird auf der Party die Legende des Killers erzählt, Hauptfigur Victoria geht auf dümmstem Wege verloren, wird trotz Polizeiräumung allein zurückgelassen und ist dann doch nicht allein. Der Killer? Nein, das glaubt sie, aber es ist ein weiterer, von der Polizei nicht gesichteter, Partygast, ein Franzose der allerlei Englisch versteht, es aber nicht sprechen kann. Er ist nicht der Mörder, keine unübliche Überraschung, aber irgendwann muss der Killer schließlich mal zuschlagen. Tut er aber lange Zeit nicht! Tut er es doch mal, bleibt er gegen alle Slasher-Gewohnheiten den Augen des Zuschauers fern. Für die überraschende Auflösung am Schluss muss das auch so sein, lässt aber auf der einen Seite diesen Finaltrumpf erahnen und auf der anderen Seite muss mit einem nicht sichtbaren Killer vieles schlecht umgesetzt werden.

Das soll heißen, damit der Verfolger für den Zuschauer unsichtbar bleibt, muss sich Victoria noch dämlicher benehmen, als ohnehin schon. Und sie darf nicht zu viel verfolgt werden, also wird die Füllzeit bis zum Zusammenstoß mit dem Mörder mit Belanglosigkeiten langgestreckt. Diese sorgen jedoch nie für Spannungspotential oder für interessante Ablenkung. Alles was der Drehbuchautor uns hier auffährt (Ratten, unterirdische Müllkippe samt schmerzlichem Regenschirm, die Begegnung und diverse Auseinandersetzungen mit dem Raver, der Sturz in einen unterirdischen Tümpel) bleibt wirkungslos und präsentiert sich uns als das, was es nun einmal ist: belangloses Füllmaterial zum Spielfilmlänge-Strecken.

Dank der Abenteuer, welche die junge Victoria da erlebt, sieht sie extrem derangiert und misshandelt aus, noch bevor der Killer Hand anlegen musste. Das hat schon eine gewisse unfreiwillige Komik, lässt es sich doch kaum vorstellen, wie die Dame durch den Alltag kommt. Wie macht sie sich ein Brot ohne sich mit dem Messer zu schneiden, in die Butter zu greifen und ohne sich die Birne an der Spüle anzustoßen?

Die kleinen Anflüge dieser Art Komik und einige Ärgernisse ohne angenehme Nebenwirkung füllen den kompletten Film. Auch hier lässt sich wieder die Schluss-Pointe mit aufzählen, die aufgrund dessen was alles zuvor geschah recht unglaubwürdig wirkt. Aber sie ist nicht gänzlich ohne Faszination, soll also noch verziehen sein. Was aber unglaublich nervt ist die Hauptfigur an sich, die ewig Streits vom Zaun bricht, egoistisch handelt, fremdenfeindlich ist, ewig rumzickt, mit Beleidigungen um sich wirft, eine Dummheit nach der nächsten begeht und keinerlei Blick über den Tellerrand wagt.

Völlig verständnislos wehrt sie eine Attacke ihres Begleiters ab, den sie kurz zuvor blutend und schwer verletzt in einer Grube allein hat liegen lassen, nachdem sie ihm Stadtplan und Taschenlampe entwendet hat. Nun treffen sie wieder aufeinander, er zu recht verärgert, sie völlig außer sich, dass er nicht laut „Hurra“ ruft, wenn er sie sieht.

Das ist mehr als bloß eine biedere Person. Die mangelnde Lust auf Party und diverse Ängste kann man ihr sicherlich verzeihen. Es ist nicht die biedere Art, die nervt, es ist die egoistische Seite ihrer Person, die das Begleiten Victorias durch die Geschichte des Films so unerträglich macht.

Bieder muss sie sicherlich sein. Das gehört zu einem Horrorfilm, und ganz besonders zu einem Slasher, sicherlich dazu. Und doch ist hier mein Hauptkritikpunkt zu entdecken, der mir „Catacombs“ von Beginn an unangenehm auffallen ließ. Filme wie „Halloween“ und „Freitag der 13.“ waren seit je her auf Spießertum aufgebaut: habe nicht zu früh Sex, trinke nicht, etc. Das war auch vollkommen o.k. Immerhin wurde hier die Prüderie der Amis gezeigt, und junge Mitglieder dieses biederen Landes wurden für ihre Vergehen gegen die Tradition und die Werte in filmischer Übertriebenheit bestraft. Je nach Werk war dies pro oder anti-Spießertümlich gemeint.

Mittlerweile zeigt sich jedoch eine Verschiebung in diesem Bereich. Immer häufiger lassen Filmemacher ihre biederen Ansichten auf das zügellose Europa stoßen und stellen uns damit als höchst fragwürdig hin (aus Ami-Sicht). „Hostel“ dämonisierte die Rumänen (ein Volk bei dem Amis nur all zu gerne kostengünstig Filme drehen, so auch hier bei „Catacombs“ geschehen), im hier besprochenen Film sind es die Franzosen.

Schon bei der Einreise muss Victoria unangenehme Fragen und Taschenkontrollen über sich ergehen lassen (spätestens bei der Frage wo sie denn wohnen wolle, wird arg deutlich, dass die Amis hier von sich auf andere schließen), die Jungfranzosen sind alles Partyzombies, die sich einen Dreck um das Wohlergehen anderer kümmern, und mehr noch: Sie sind die Ausgeburt des moralisch Bösen. Bier reicht nicht, das Teufelsgetränk Absinth muss konsumiert werden, zügelloses Nacktbaden mit Gefummel unter fremden Augen gehört zur Tagesordnung, kurzum: der moralische Verfall hat sich in Europa reingefressen, ein Hoch auf das reine Amerika!

Hier zeigt sich politische Korrektheit wieder von ihrer faschistischen Seite, immerhin blenden Amis meist den Fakt aus, dass man in Europa die Freiheit besitzt all dies zu tun, es in Amerika jedoch wesentlich schwieriger ist, im ach so freien Land, wie es sich selbst gerne hoch preist. Damit die Propaganda geschluckt wird, muss Europa auch stets als unfrei gezeigt werden, so geschehen auch in „Catacombs“ wenn man die Flughafenkontrolle mit falsch höflichem und asozialem Personal sichten darf, oder aber auch die Polizeiräumung, die Brutalitäten zwar nur andeutet, aber dies schon sehr direkt.

Das ist eine Ausländerfeindlichkeit, die sich in „Catacombs“ von Beginn an zeigt, gepaart mit Sensationsgier, wenn die Geschichte der Katakomben von Paris auf die unheimliche und reißerische Art erzählt wird und im Deutschen zudem noch mit einer knallharten Stimme, eine solche, die auch immer die Filme in der Privatfernseh-Vorschau und in Kinotrailern ankündigen darf: cool, hart, peinlich.

Peinlich auch, dass man sich den internationalen Superstar Pink an Bord holt, der werten Dame jedoch eine freizügige Rolle gibt, die diese nicht ausfüllen kann. Die Schwester der Hauptrolle soll als Schlampe dargestellt werden, badet mit den anderen nackt im unterirdischen Katakombentümpel, ist aber die einzige, deren Oberweite man nicht sichten darf. Klar, diese gehören der Sängerin und in ihrem Beruf ist das verständlicher Weise (noch) Tabu. Aber warum besetze ich den Promi, der sich nicht entblößen darf, dann ausgerechnet auf diese Rolle?

Das mag Kleinkrämerei sein, immerhin gibt es zumindest Brüste in einem Ami-Streifen zu sehen, andererseits ist ja genau dies der Punkt, der Kids seit je her in Horrorfilme gelockt hat: Hier darf man das zeigen.

Auch in einem unterhaltsamen Horrorstreifen hätte ich all dies zu kritisieren gehabt, es hätte jedoch bei guter Restumsetzung lediglich Punkteabzug gegeben. Aber da „Catacombs“ auch als Horrorfilm an sich nicht zu gefallen weiß, bedeutet dies den Totalabsturz. Schade um die überzeugende Hauptdarstellerin, die meist stimmige Musikuntermalung und die schön anzuschauenden Nachbauten der Originalkatakomben.


Trailer,   OFDb

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen