Donnerstag, 7. Februar 2013

UNBEKANNTER ANRUFER (When A Stranger Calls 2006 Simon West)


Eine Teenagerin babysittet die Kinder eines reichen Ehepaares, das ziemlich abseits wohnt. Der ruhige Abend nimmt ein jähes Ende, als ein Unbekannter das Mädchen telefonisch belästigt. Dass der Unbekannte die Babysitterin scheinbar auch noch beobachten kann, macht die Lage noch gefährlicher...


Die Babysitterin und das Biest...

Gleich vorweg, ich kenne das Original nicht und kann mich deshalb nur an der Neuverfilmung orientieren. Diese ist ein typischer Hochglanz-Teenie-Horror, konzipiert um dem jugendlichen Publikum zu gefallen. Oftmals reizen derartige Werke auch kaum wen der älter ist, bei „Unbekannter Anrufer“ kann aber auch ruhig mal das ausgegrenzte Publikum einen Blick riskieren. Man sollte natürlich nicht mit hohen Erwartungen herangehen, das zeigt allein schon die schlichte Ausgangsposition der Geschichte, die ähnlich schlicht bleiben wird. Überraschende Wendungen oder inhaltliche Highlights gibt es nicht.

Warum trotzdem einschalten? Der Film ist spannend. Der Regisseur versucht sobald die Babysitterin im Haus ist (und das ist sie bereits nach etwa 8 Minuten) konsequent Spannung aufzubauen. Jedes Mittel das ihm in den Sinn kommt wendet er an, um dem Zuschauer das Gefühl von Nervenkitzel zu bescheren. Das funktioniert nicht von Anfang an, das dürfte nur bei sehr naiven Zuschauern der Fall sein, aber irgendwann ist es da, das unwohlige Gefühl, das man beim Einlegen eines Horrorfilmes spüren wollte.

Schon erstaunlich, denn der Drang unbedingt Spannung erzeugen zu wollen, wirkt zunächst etwas verkrampft. Der Regisseur strampelt sich einen ab, gibt sich viel mehr Mühe als nötig wäre und doch wirkt es zunächst einmal viel zu gewollt. Klischeehafte Spannungserzeuger werden aneinander gereiht, bemühte Gruseloptiken scheitern oftmals am modernen Glanzbild und ständig hat man das Gefühl ähnliches schon einige Dutzend Male gesehen zu haben.

Aber es wird spannend. Irgendwann ist man drin im Strudel der angsteinflößenden Geschehnisse. Man bibbert mit der Heldin mit, die glücklicher Weise wenig Idiotien begeht. So bleibt sie sympathisch, und man wünscht ihr nicht den Tod, wie es bei vielen ähnlichen Rollen in des Horrorfans liebstem Genre der Fall ist.

Hätte man die erste halbe Stunde etwas weniger auf Spannungsaufbau trimmen sollen, wenn der Nervenkitzel dort nur bedingt auf den Zuschauer überspringt? Ich bin der Meinung die Antwort müsste nein heißen. Ich hatte das Gefühl, dass der Gruseleffekt nur deshalb bei mir übergesprungen ist, weil man sich von Anfang an in dieser dichten angstgewollten Atmosphäre befindet und sich von dieser irgendwann einfach anstecken lässt.

Denn eigentlich wendet Regisseur Simon West keine unbekannten Kniffe an. Das Erzählte an sich ist viel zu gewöhnlich. Fallen, die dem Zuschauer gestellt werden, sind schon viel früher enttarnt, als es West lieb wäre. Und dass mindestens die Hälfte des Filmes nur dem Hinhalten dient, ist dem erfahrenen Genrefreund auch schon vorher bewusst. Aber in diesem Punkt zeigte ja bereits Carpenters „Halloween“, dass dies eine wirksame Herangehensweise sein kann. Wäre „Unbekannter Anrufer“ zunächst normal erzählt und würde dann erst später mit seinem Spannungsaufbau beginnen, wäre das Ergebnis so 08-15, wie der Film in der Theorie ja eigentlich auch ist.

Erstaunlicher Weise hat Camilla Belle in der Hauptrolle wenig Einfluss auf das Gelingen des Streifens. Ein Film, der sich konsequent in jeder Szene nur an einer Figur orientiert, benötigt eigentlich wen besonders talentiertes, damit das Endprodukt fesselt. Belle fällt allerdings durch nichts ungewöhnliches auf. Sie kann ein wenig spielen, gut genug damit alles glaubhaft bleibt, aber sie ist auch kein großes Talent. Alles steht und fällt mit der Inszenierung Wests. Und dessen Bemühen, den Film auf Spannung zu trimmen, ist schön und gut, aber auch dies kann „Unbekannter Anrufer“ nicht vor seinem zu lahmen Schluss retten. Irgendwie endet „When A Stranger Calls“ (Originaltitel) zu unbefriedigend. Der Film ist zu plötzlich beendet, auch wenn er einen wenigstens mit seiner Schlusseinstellung zu gefallen weiß.

Mit diesem Wehrmutstropfen muss man leben, schade drum, aber was soll’s. Dass Wests Film nun kein großer Knüller ist, merkt man ohnehin schon an den kleinen Ärgernissen am Rande. Bescheuerte Momente, wie das plötzliche Auftauchen der Freundin im Haus, und das Aneinanderreihen zu vieler Zufälle, bringen einen immer wieder in die Lage ein Auge zudrücken zu müssen. Da die Atmosphäre dadurch, dank dem konsequenten Klammern am verwendeten Erzählmuster, keinen Bruch erlebt, macht man dies auch.

Kenner des Originals werden es sicherlich ärgerlich finden, dass die Schlüsselszene der ersten Verfilmung hier im Meer an Geschehnissen unter geht. Das fände ich zumindest verständlich. Meiner Meinung nach hätte man sie im Remake sogar ganz verschwinden lassen können, immerhin arbeitet diese Verfilmung von Anfang an mit der Angst, es könne noch wer im Haus sein. Aber das war den Produzenten wohl zu gewagt, genießt das Original „Das Grauen kommt um 10“ doch einen guten Ruf, dessen besagte Schlüsselszene eine ähnliche Wirkung besaß, wie eine urbane Legende. Jeder kennt das „Klischee“, und kaum wer weiß woher es kommt.

Der Soapgehalt wurde sehr zurückgeschraubt. Diverse Sätze in den ersten Minuten lassen einen da schlimmes erwarten. Um so erstaunlicher wie schnell jeglicher privater Einfluss der Hauptfigur abgehakt wird, um sich den Geschehnissen im Haus zu widmen. Diese Herangehensweise ist eine Seltenheit im für die Jugend konzipiertem Kino.

„Unbekannter Anrufer“ macht Spaß und Angst, präsentiert allerdings eine viel zu gewöhnliche Geschichte. Obwohl es richtig spannend zur Sache geht, ist das Gefühl nach Ende des Films eher unbefriedigend. Irgendetwas hätte da noch kommen müssen. Für einen anspruchslosen Gruselabend ist er allerdings genau das richtige.


Trailer,   OFDb

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