Mittwoch, 6. März 2013

DEAD BIRDS - IM HAUS DES GRAUENS (Dead Birds 2004 Alex Turner)


Im 19. Jahrhundert landet eine Gruppe Bankräuber in einem alten Haus, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht...


Fratzen...

Nachdem ich einige Bilder des Films im Internet gesehen hatte, welche die Dämonenfratzen zeigen (ähnlich wie auf dem Cover) war ich sehr neugierig auf "Dead Birds". Diese Gruselgesichter hatten in Fotoform eine richtig unheimliche Wirkung. Um es gleich vorwegzunehmen: im Film haben sie das nicht, obwohl die Möglichkeit bestanden hätte.

Leider war die Regie nicht sonderlich gut gewählt. Alex Turner schaffte es einfach nicht die gewollten Schockeffekte und die Verwandlungssequenzen in die Fratzen gruselig umzusetzen. Normale Gesichter werden, wie fotografisch schnell ausgetauscht, blitzschnell zu den Fratzen ohne eine sichtbare Form der Mutation. Dabei sind sie zunächst zu kurz im Bild, und im späteren Verlauf des Films zu lang. Dort werden sie aus Blickwinkeln gezeigt, die sie nicht so wirksam werden lassen wie auf den Fotos.

Dies ist jedoch nicht das einzige, das auf eine schlechte Regie hinweist. Auch der Versuch die Hintergründe der Gruselgeschichte auf einer anderen Zeitebene zu erzählen ist nicht geglückt. Die Erklärungen kommen ruppig, und die Rückblicke werden zu wenig eins mit den Erzählungen im Jetzt. So wirken diese im Endeffekt wie unnötig eingebrachte Sequenzen, um den ganzen Treiben im Haus nun noch Sinn zu geben, mit einer kleinen Hintergrundgeschichte a la "Tanz der Teufel". Der Rest erinnert von der Umsetzung her eher an eine uninspirierte Variante des brillanten "The Grudge - Der Fluch".

Was man "Dead Birds" nicht abstreiten kann ist die Bedrohlichkeit, die von Anfang an in der Luft liegt. Diese bricht auch in der anfänglich extrem zähen Erzählweise nicht ab. Der letzte Funke springt allerdings nie über, weil die Figuren einfach nicht genug Tiefe (oder aber wenigstens Sympathie) besitzen. Sie bleiben bis zum Schluss Fremde, die man auch nicht näher kennen möchte. Ähnlich plump, wie das in der Jugendliteratur häufig kopierte Charakter-Konzept von „TKKG“, bekommen wir fast nur langweilige Prototypen präsentiert: da ist der dumme Dicke, die Frau (wie in vielen Filmen ist an diesem Charakter nur das Geschlecht Schwerpunkt), der erfreulich uncool spielende Quotenschwarze, ein Schlitzohr der wie ein zu braver DiCaprio für Arme wirkt, ein Verwundeter, der dem vierten eher unwichtigen Gangmitglied aus "Uhrwerk Orange" ähnelt und allen voran der Anführer, gespielt von dem Mann der einst als Kind den Freund von „E.T.“ mimen durfte und nun trotz Bart noch immer wie der kleine Junge wirkt. Das macht ihn in seiner Rolle als harter Kerl ähnlich lächerlich wie seinerzeit Casper van Dien in "Python" und Lou Diamond Phillips in all seinen Rollen.

Keiner von ihnen spielt schlecht genug um die bedrohliche Atmosphäre zu unterbrechen, aber auf der Gegenseite spielt auch keiner gut genug um die inszenatorischen Schwächen überspielen zu können. Nach den ersten Attacken der Dämonen wird dem Zuschauer ohnehin schnell klar, dass er sich nicht mehr auf etwas gruseliges gefasst machen muss. Da kann die bedrohliche Filmatmosphäre noch so in der Luft hängen.

Für den Gorefreund gibt es ein paar kleinere härtere Szenen zu sichten. Da wäre zu Beginn die für seine Verhältnisse extrem übertrieben blutige Überfallszene. Nichts für ungut, ich mag es auch wenn in Horrorfilmen der Lebenssaft spritzt, aber dann soll es möglichst in einer Horrorszene sein und nicht in einer ollen Goldraub-Sequenz. In solchen Situationen wirkt extremes Blutspritzen einfach unnötig, da hätten die üblichen Einschüsse und Wunden gereicht, wie man sie üblicherweise sichtet.

Bis zur nächsten harten Szene vergehen über 45 Minuten. Danach gibt es wieder das ein oder andere zu sichten, das aber kaum der Erwähnung würdig ist. Selbst eine an sich gut wirkende Ekelszene in einer Scheune wird trotz ihrer Extreme deswegen schon wieder banal, weil sie urplötzlich abbricht und nur sehr wenig Sinn macht.

Unheimlich eingefädelte Szenen werden dank schlechter Szenenwechsel, unnötiger Kameraeinstellungs-Wechsel oder einfach wegen dem weiteren Fortlauf einer solchen Szene wieder zunichte gemacht. Besonders enttäuschend ist hierbei die erste Mordszene auf dem angekommenen Grundstück, in der ein Dämon einen der Banditen in den Brunnen zieht. Hier wird eine enorme Atmosphäre aufgebaut, die Dunkelheit des Brunnens hätte einiges an simplen Schockmöglichkeiten geboten, und am Ende verpufft alles in einer Mordszene, in der man nichts sichten darf.

Gerade diese erste Mordszene hätte stimmen müssen, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Da man die Dämonenfratze sehr flott darauf zu Gesicht bekommt, ist es auch keine der üblichen Hinhalteszenen. Und wer sich an das unheimliche Mädchen in "The Grudge - Der Fluch" auf dem Dachboden erinnert, der weiß wie böse ein gruseliges Gesicht aus der Dunkelheit des Brunnens hätte wirken können.

Man kann „Dead Birds“ bis zum Schluss gucken, und wie erwähnt hält er tapfer, trotz all seiner Defizite, seine Atmosphäre. Dies tut er selbst zum Schluss hin noch. Aber was nutzt das alles, wenn einfach die falschen Leute ein solches Projekt vor und hinter der Kamera angehen? Für Neueinsteiger ins Horrorgenre gibt es sicherlich genug gruseliges zu entdecken, der alte Horrorhaudegen hingegen ist besseres gewöhnt. Er ist aber auch, gerade in diesem seinem Lieblingsgenre, wesentlich schlechteres gewöhnt.


Trailer,   OFDb

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen