Sonntag, 12. Mai 2013

DIE GROTTE DER VERGESSENEN LEICHEN (La notte che Evelyn usci dalla tomba 1971 Emilio Miraglia)


Lord Cunningham lockt Frauen in sein Schloss, um diese zu misshandeln und schließlich zu töten. So verarbeitet er den Tod seiner geliebten Frau. Um wieder zurück zur Normalität zu kehren, beschließt er erneut zu heiraten. Eine Braut ist schnell gefunden, doch Erscheinungen seiner toten Frau sorgen für Unruhe auf dem Schloss. Spukt es oder spielt hier wer ein linkes Spiel?...


Aus der Grotte der grottig langweiligen Filme...

Erotik und Horror ist immer so eine Kombination, die es schwer hat. Italien schmiss einen in den 70er und 80er Jahren zu mit schnell heruntergedrehten Werken dieser Rezeptur, doch 1971, zur Zeit als „Die Grotte der vergessenen Leichen“ auf die große Leinwand kam, da war eine solche Umsetzung noch relativ neu. Die Zeit der gewalttätigen Genre-Beiträge stand noch bevor, und da klingt ein Film wie der hier besprochene doch recht revolutionär und individuell.

Mag sein, dass er das damals war. Aber mir kann er nur ein heiteres Gähnen entlocken, nervt er zunächst doch mit peinlichen Foltereinlagen und nackter Haut, bevor er im Mittelteil immer mehr in die Belanglosigkeit abrutscht, bis schließlich zum Finale hin endlich mal wirklich erzählenswerte Dinge geschehen. Zu sehr wiederholen sich Storyfragmente und zu wenig passiert in der Zwischenzeit, um „Die Nacht in der Evelyn aus dem Grab kam“ (Alternativtitel) auch nur Ansatzweise interessant finden zu können.

Miraglia geht seine Geschichte schon recht ernstnehmend an. Die voyeuristische Seite spielt er nie ganz aus, gerade was blutige Momente betrifft, die rückblickend sehr harmlos ausfallen. Reißerische Momente umgeht er zwar nicht, aber die Figuren und die Entwicklung der Geschichte sind ihm sehr wichtig. Da aber die Psychologie in italienischen Billigfilmchen immer aus dem letzten Loch pfeifen und Filme in der Regel damit unglaubwürdig und lächerlich werden, bedarf es eben der Quantitäten, um Schund zu unterhaltsamen Schund werden zu lassen. Wem Talent fehlt, der kann nun mal nicht Shakespeare verfilmen. Und wer ähnliches versucht und mit Titten anreichert, der kann nur scheitern, zumindest dann wenn das Ergebnis so öde ausfällt wie im hier vorliegenden Fall.

Regisseur Miraglia hat in seinem Leben nicht viele Filme fertiggestellt, und dem hier besprochenen folgten nur noch zwei weitere, bevor er in Regie-Rente ging. Würde das unmotivierte Drehbuch ihm nicht so im Weg stehen, hätte er sicherlich recht anständige Arbeit leisten können, ist „La notte che Evelyn uscì dalla tomba“ (Original) doch recht ordentlich inszeniert, und hilfreich standen ihm auch die für Italienverhältnisse recht brauchbaren Darsteller zur Seite.

Doch erst zum Ende hin zeigen sich auch inhaltlich einige Pluspunkte. Die Maske einer aus dem Totenreich erwachenden Frau wirkt auf schundige Art sehr stimmig. Die Auflösung was wirklich gespielt wurde und wer hier wen ausgetrickst hat wäre auch in Ordnung, zumindest wenn das zuvor Geschehene einen irgendwie interessiert hätte. Und das Tempo in welchem ein Ereignis nun dem nächsten folgt, ist auch endlich auf einer Wellenlänge mit dem Zuschauer.

Aber das kommt alles viel zu spät, um den Langeweiler mit dem Alternativtitel „Stumme Schreie“ auch wirklich noch vor der Belanglosigkeit retten zu können. Und ob Miraglia oder sein Drehbuch-Autor tatsächlich wussten was sie eigentlich erzählen wollen, bleibt auch fraglich. Dafür reicht schon ein Blick auf die Figur des Lord Cunningham, der sicherlich kein Sympathieträger sein soll. Aber dass man ihm mal eben verzeihen soll, dass er bis vor kurzem noch ein Peiniger und Mörder war, ist schon etwas naiv von den Verantwortlichen der Geschichte gedacht. Man weiß zwar dass der Faschismus einst aus Italien kam und fragwürdige Ansichten in Werken aus dieser Region immer wieder aufblitzen, zumindest in der Schaffenszeit um die 70er Jahre herum, aber wie sich Cunningham vom Asozialen zum Opfer und schließlich zum Helden wandelt, ist schon alles etwas zu viel des Fragwürdigen.

In einem gut funktionierenden Trash-Streifen würde mich das auch gar nicht weiter stören, wäre es doch nur ein weiterer Baustein gut funktionierender unfreiwilliger Komik, aber durch die positiven Absichten des Regisseurs ist „Die Grotte der lebenden Leichen“ (Alternativtitel) nicht einmal dies geworden. Für schnellen, billigen Schund wollte der Mann zu viel. Und für einen funktionierenden gehaltvolleren Film ist der Streifen wiederum zu langweilig ausgefallen. Würde Miraglias Film nicht ständig auf der Stelle treten, hätte gerade der Wunsch nach Anspruch im Mix mit den Schundzutaten einen wundervolles Ergebnis werden können.


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