Sonntag, 12. Mai 2013

RANGO (2011 Gore Verbinski)


Ein Chamäleon in Menschenbesitz geht bei einem Umzug in der Wüste verloren. Nun muss der wunderliche und stets einsam gewesene Selbstdarsteller sich dort zurecht finden. In einer kleinen Stadt in der Wüste wird er durch seine fantastischen Geschichten zum Sheriff gekürt und hilft den Bürgern die Wasserknappheit zu beheben... nun ja... zumindest versucht er dies...


Für ein Glas voll Wasser...

Der Zeichentrickmarkt mit Computeranimationen ist überfüllt, das Volk lechzt nach immer mehr, und wie das zu Hochzeiten so ist, wird die Qualität der Produkte immer bescheidener, was das Massenpublikum nicht weiter stört. Meist werden Filme auf den Spuren von „Shrek“ gedreht, ein Rezept von denen sich die beiden Großmeister Pixar und Dreamworks immer mehr distanzieren. Und nun kommt ausgerechnet der Kindersender Nickelodeon daher, um im ohnehin schon überfüllten Kino-Zeichentricksektor auch einen Stück vom Kuchen abhaben zu wollen.

Neulinge bringen oft frischen Wind in ein alteingesessenes Genre, und da auch „Rango“ auf „Shrek“-Pfaden wandelt und mit dem hier besprochenen Film nicht nur der Kindersender, sondern auch gleich Produzent und Regisseur Gore Verbinski ihren Einstieg in diesen Filmsektor abliefern, darf man schon neugierig werden, ob sie etwas anders machen als die vielen Vorgänger. Sich den Bereich des Westerns auszusuchen klingt da schon nach der richtigen Idee. Etwas kritisch durfte man jedoch dennoch werden als nachzulesen war, dass Genre-Legende Clint Eastwood nicht zum Synchronsprecher Rangos werden wollte.

Stattdessen holte man sich Johnny Depp an Bord, der mit Verbinski bereits „Fluch der Karibik“ drehte, mit Western zwar fast nichts am Hut hatte, dafür aber abonniert war auf skurrile Außenseiterrollen, und genau so eine ist Titelheld Rango. Also passt das schon.

Unterschiede zu Konkurrenzprodukten sind dann auch tatsächlich zu sichten, nicht in einem Umfang der wünschenswert gewesen wäre um das Zeichentrick-Kino zu revolutionieren, aber immerhin genug um ein positives Ergebnis im geklonten Einheitsmeer abzuliefern. Neben dem verstärkten Blick auf ein erwachsenes Publikum und einem Zurückschrauben der Gag-Quote fällt in erster Linie der dreckige Stil der Charaktere auf. Hier ist nicht nur die Location staubig und (wie es der Name der Stadt schon aussagt) dreckig, die Figuren sind es auch. Hässlich und vom Leben gezeichnet, jedes mit einem individuellen Touch versehen, das gibt der ganzen Sache eine frische Optik die dem Film einfach gut tut.

Ein wenig mag das an so lobenswerte Werke wie „Mary & Max“ erinnern, dessen Niveau „Rango“ freilich niemals erreicht. Wie sollte er auch, serviert er doch im Gegenzug eine 08/15-Geschichte, die zwar einige winzige Haken schlägt, aber eigentlich trotzdem nur den üblichen Spuren folgt, wie die Geschichte eines Zeichentrickfilms nach US-Ansicht angeblich zu sein hat. Schade, aber ein wenig entschuldigt dadurch, dass „Rango“ ohnehin hauptsächlich vom Zitieren, Nachahmen und im Klischee sudeln lebt, was ich durchaus positiv meine.

Wer ein Genre wie den Western parodieren will, dem bleibt gar nichts anderes übrig als dies zu tun. Und da der Humor zudem recht treffsicher eingesetzt wird, funktioniert diese schlichte Rezeptur, die es den Verantwortlichen des Filmes einen recht einfachen Weg beschert hat ihr Produkt zu vollenden. Die Königsübung des Genres ist eine solche Herangehensweise nun einmal nicht, also braucht es auch nicht wundern wenn das Ergebnis so positiv daher kommt.

Der letzte Schritt Klasse, der mit „Rango“ durchaus möglich gewesen wäre, fehlt dem Film aber dann doch. Ich persönlich finde Verbinski hätte es dabei belassen sollen Produzent der ganzen Chose zu werden, denn als Regisseur hat er meiner Meinung nach bislang nur „Fluch der Karibik“ zur vollen Zufriedenheit abgeliefert. „Mäusejagd“ und „Mexican" waren nur ganz nett, „The Time Machine“ und „Ring“ routiniert und austauschbar und die Fortsetzung des beliebten Piratenfilmes zu unoriginell. Das sind nicht gerade die besten Referenzen um einen überdurchschnittlichen Film abzuliefern, der mehr bietet als die dünnen Erwartungen, die das Massenpublikum an einen solchen Film stellt, so wie es schon immer dankenswerter Weise den bisherigen halbgaren Fraß Verbinskis annahm.

Was „Rango“ zur vollen Entfaltung im Weg steht sind seine ersten zehn Minuten, die mit ihren Gags und Actionsituationen auf das junge Publikum schielen, das ansonsten eigentlich ausgegrenzt wird. Mit Ausnahme des Dialogs mit dem Gürteltier wird der Film erst ab dem Betreten der Wüste interessant und zeigt mit einer weiteren Actionsequenz, wie man eine solche passend zum Inhalt und für ein erwachsenes Publikum interessant und lustig einsetzen kann ohne gleich den Kindergarten zu bedienen, wie jene Szene, in welcher der zukünftige Rango auf der Straße von einem Auto zum nächsten geschupst wird.

Ansonsten kann man über „Rango“ eigentlich nicht meckern, und wer sich mit dem Genre des Westerns auskennt, wird sicherlich gleich doppelt Spaß haben. Ich bin in diesem Bereich nicht so bewandert und erkannte nur Parallelen zu „12 Uhr mittags“, „Ein Fremder ohne Namen“ und dem Titel nach zu „Django“. Aber da gibt es sicher noch viel mehr, und außerhalb des parodierten Genres gibt es auch noch Verweise auf Filme wie „Apocalypse Now“.

Stimmige Figuren in einer (für gewöhnliche Wege beschreitende) kurzweiligen Geschichte sorgen für genügend Sehfreude, und da das ganze zudem noch musikalisch zitierfreudig geglückt von Hans Zimmer untermalt wurde, gibt es nach dem unglücklichen Einstieg ins Geschehen nichts mehr zu bemängeln. Nach zehn Minuten bereitet „Rango“ nur noch Freude. Selbst seine ernsteren Momente sind geglückt. Und der graphisch wie musikalisch ansprechende Vorspann, der wie so oft heutzutage erst vor dem Abspann erscheint, entlässt einen zufriedenstellend aus einem Film, dem der letzte Schliff zur wahren Größe im eher anspruchslosen Blockbuster-Kino gefehlt hat.

Besser als so olle Werke wie „Planet 51“, "Himmel und Huhn", „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ und „Madagascar“ ist „Rango“ um Weiten. Und selbst so nette Filme wie „Bee Movie“ und „Ab durch die Hecke“ lässt er locker hinter sich. Nur in der ersten Liga wie „Antz“, „Drachenzähmen leicht gemacht“, „Findet Nemo“ und „Shrek“ kann er dann doch nicht mitspielen.


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