Mittwoch, 21. August 2013

EIN COMPUTER WIRD GEJAGT (The Questor Tapes 1974 Richard A. Colla)


Kurz nachdem der Android Questor fertig gebaut ist und nicht zu funktionieren scheint, bricht dieser zunächst unentdeckt aus dem Labor in dem er erschaffen wurde aus, um seinen Schöpfer zu finden, den viele Beteiligte des Projektes für tot halten. Ein Mitarbeiter der Crew wird erst unfreiwillig, dann freiwillig Helfer seiner Odyssee, die in London beginnen soll...


Der Plan des Schöpfers...

„Ein Computer wird gejagt“ ist schon ein recht simples Produkt seiner Zeit, in dieser auch extrem feststeckend, was durch die TV-Herkunft nicht zwingend etwas schlechtes bedeuten muss. Gerade der 70er Jahre-Charme wirkte auf mich ungemein, und da die eher banale Geschichte sympathisch, da in aller Ruhe und mit Liebe zu den Charakteren, erzählt ist, kann man einem Werk mit solch schlichtem Gemüt nicht wirklich böse sein, dass es eigentlich eine recht unaufgeregte Geschichte erzählt.

Der naive Geist ihres Erfinders Roddenberry ist immer präsent mit seinem optimistischen Blick der perfekten Zukunft des Menschen, mit der Meinung der Mensch müsse zunächst gelenkt und errettet werden, da in ihm Großes stecke, versehen mit einer widersprüchlichen Moral die sich mit ihrer Fragwürdigkeit selbst in den Schwanz beißt. Das ist schon sehr naiv und manchmal schwer zu erdulden, erst recht wenn relativ plump Tiefsinn mit Pathos verwechselt wird. An anderer Stelle weiß manch philosophischer Anstoß tatsächlich zu funktionieren, meist wenn der Schöpfer des Androiden Questor einer möglichen Gottheit des Menschen gegenüber gestellt wird, bis hin zur wohl schönsten nicht nachgegangenen Frage des Films: was, wenn Dein Schöpfer geisteskrank und/oder bösartig war/ist?

Dem braven, gottestreuen Amerikaner mag 1974 womöglich mit dieser Provokation selbst ein so harmlos scheinendes Filmchen wie „Ein Android wird gejagt“ (Alternativtitel) geschockt haben, das in seiner Besetzung so einfach und doch so wirksam ist, wie der komplette Film auch. Interessanter Weise wird die Geschichte für den Freund ruhigerer Stoffe nie langweilig, und die Auflösung der ganzen Sache weiß sogar mit einer einfallsreichen Idee zu überraschen, auch wenn diese im oben von mir kritisierten Weltbild Roddenberrys badet, der im übrigen persönlich Hand ans Drehbuch angelegt hat.

„The Questor Tapes“ (Originaltitel) ist der Pilotfilm einer Serie, die nie in Serie ging, deswegen muss man ihm manch inhaltliche Holprigkeit verzeihen, für die der Film und sein Regisseur Colla nichts können. Dass der an sich eher positiv wirkende Streifen nicht weiter fortgesetzt wurde, scheint jedoch eine gute Entscheidung gewesen zu sein, wäre doch meiner Vermutung nach eine Art braver „Hulk“ aus der Geschichte geworden, wenn man sie in Serie gesetzt hätte. Ein Android wandert durch die Welt und hält vor Ort an wo er gebraucht wird. Und dieser Gedanke klingt höchst langweilig. Also danke, dass darauf verzichtet wurde.

Regisseur Colla konnte diesem unterschlagenen Gebiet aber immerhin seine Handschrift in der TV-Serie „Werwolf“ aufsetzen, die im Kern der Serie „Hulk“ gar nicht so unähnlich ist und nur eine von vielen TV-Projekten war, an welcher der Regisseur beteiligt war. „Ein Computer wird gejagt“ ist ein TV-Produkt durch und durch, nie eine Spur großes Kino versprühend, und ich vermute der Regisseur war mit seinem Können im Fernsehen auch besser aufgehoben als im Medium der großen Leinwand.


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