Sonntag, 4. August 2013

KRIEG DER WELTEN (War Of The Worlds 2005 Steven Spielberg)


Außerirdische überfallen die Erde. Die totale Vernichtung steht bevor. Ein Mann versucht mit seinen zwei Kindern mit dem einzig funktionierenden Auto der Invasion zu entkommen. Doch die Besucher überfallen bereits ganz Amerika...


But Still They Come...

Als man erstmals las, dass dieses Projekt gestartet wird, war ich happy. Ich hatte das Buch zwar nie gelesen, aber ich mochte die alte Verfilmung, ich liebte das Hörspiel, sympathisierte mit der Radiosendung, und auch die TV-Serie fand ich in ihrer schundige Art gelungen. Dann las ich, dass Tom Cruise die Hauptrolle übernimmt. Zugegeben, Tom Cruise spielte seit je her in guten Filmen mit, aber dass diese funktionierten lag nie an seinem schauspielerischen Talent. Somit durfte man schon kritisch werden, wenn das Projekt „Krieg der Welten“ einem am Herzen lag. Auf dem Plakat gab es einen zum Hörspiel widersprüchlichen Satz zu lesen: Sie sind schon unter uns. Und zur Zeit der Erscheinung schien auch Spielberg nicht der richtige Regisseur für die Verfilmung eines solchen Stoffes zu sein.

All diese Informationen schlugen mir in die Magengegend. Hatte ich vorher noch große Erwartungen an diesen Film, so ging ich, als es dann endlich so weit war, mit sehr geringen ins Kino. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, sonst hätte ich „War Of The Worlds“ (Originaltitel) auch nicht bereits diverse Male auf DVD gesichtet. Tom Cruise überraschte damit, dass er erstmals in seiner Karriere Anzeichen setzte zu schauspielern. Er fiel nicht nur nicht negativ auf, er spielte die für ihn ungewohnte Rolle sogar recht überzeugend, allerdings im Schatten der Darstellerin seiner Film-Tochter Dakota Fanning. Diese spielte für ihr Alter richtig gut, durfte so realistisch nerven dass manch überforderter Film-Fan die Rolle mit der Realität verwechselte und auf das Gör schimpfte. Und so spielte sie so ziemlich jeden an die Wand, selbst Tim Robbins, der aber ohnehin mit einer schwachen Rolle gesegnet war.

Zu Beginn von Spielbergs Karriere wäre man noch optimistisch mit ihm auf dem Regiestuhl gewesen. Aber zur Zeit von „Krieg der Welten“ war sein „Jurassic Park“ so etwas wie eine Überraschung, dass der Herr überhaupt noch weiß wie man den Spannungsbogen so hochschrauben würde. Im Gegensatz zu diesem verliert er sich im hier besprochenen Streifen nicht in seinen Hollywood-typischen Spielereien und liefert, so wie er es eigentlich schon immer konnte, packendes Spektakel-Kino in spannender Atmosphäre. Das wurde ja auch wieder höchste Zeit.

Trotz der Zeitverschiebung in die Gegenwart, von der sich aber auch die Erstverfilmung „Kampf der Welten" nicht freisprechen konnte, bleibt Spielberg auf dem ersten Blick dem Vorbild treu: es gibt Dreibeiner anstatt Ufos (eine bedauerliche Fehlentscheidung in besagter Erstverfilmung), die Marspflanzen wachsen wie sie es sollen, der Artilleriemann ist in moderner Form dabei, und die Hauptrolle bleibt vorlagengetreu Beobachter. Erst recht spät bricht das Drehbuch diese Tradition und lässt die Rolle von Cruise eine Handgranate aktivieren. Viel schlimmer aber noch: es ist seine Rolle welche die Soldaten darauf aufmerksam macht, dass die Schutzschilde der Angreifer nicht mehr aktiv sind. Schade eigentlich, wenn auch nicht sonderlich gravierend für den Sehwert.

Was an diesem nagt ist tatsächlich der Schluss, jener der nach dem romangetreuen angehangen wird um das Ende der Geschichte unserer Figuren im Mittelpunkt zu beleuchten, die einen anderen Hintergrund erfuhren als der Hauptcharakter in der Vorlage. Ich will nicht zu viel verraten, aber der „Krieg der Welten“ macht in diesem Moment den Eindruck eines kleinen unangenehmen Erlebnisses. Zumindest erwecken die Figuren den Eindruck man käme gerade von einem Picknick zurück. Das ist schon etwas peinlich wenn man bedenkt dass gerade eben der Großteil der Zivilisation zerstört wurde.

Manch einer schimpfte auch auf das Ende der eigentlichen Geschichte. Aber die ist nun einmal laut Vorlage so, und das nicht aus dem Bauch heraus entschieden, sondern um eine wichtige Aussage zu treffen, die von den Verantwortlichen der Verfilmung auch erkannt wurde. Ohnehin ist es schön zu sehen, dass Einleitung und Schlussworte sich so sensibel an die Vorlage klammern. Das tat mir bereits als Kenner des Hörspiels gut, der den Roman nicht gelesen hat.

Ich bin kein Mensch der zwingend eine buchgetreue Verfilmung benötigt, weder hier noch in anderen Projekten. Es ist jedoch ärgerlich, dass manche Veränderungen auf Kosten der Logik gingen, so dass man sich rückblickend doch besser an der Vorlage hätte orientieren sollen. Dass Aliens seit Jahrtausenden Maschinen in der Erde hatten und diese nun benutzen stellt einige Fragen in den Raum. Selbst eine viel weitere entwickelte Intelligenz als die unsere (räusper) müsste in der Zwischenzeit doch weitere Fortschritte gemacht haben und viel bessere Möglichkeiten und bessere Waffen besitzen. Zudem dürfte auch eine höhere Intelligenz mit Verschleißproblemen an ihren Maschinen zu tun haben. Immerhin sind ihre Produkte der Art der Maschinen von Menschen nicht unähnlich. Da Spielberg diese Idee jedoch für einen hoch wirksamen ersten Angriff der Invasoren nutzt, sei ihm diese Unsinnigkeit verziehen. Die Spezialeffekte wissen zu gefallen, und selten waren sie so förderlich für den Spannungsgehalt eines Blockbusters wie hier.

Während „Independence Day“, den man thematisch zum Vergleich einfach heranziehen muss, einfach nur ein Bummbummbumm-Filmchen war (ein zugegebener Maßen sympathisches) ist "Krieg der Welten" einiges mehr, umweht ihn stellenweise doch eine regelrecht unheimliche Atmosphäre und wirkt die Endzeitstimmung doch tatsächlich bedrohlich, auch weil dramatische Aspekte nicht ausgeblendet werden. Allein das Geräusch vor dem Einsatz der Dreibeiner dringt bis ins Mark. Und selbst die Ankunft der Angreifer per Blitze wird mit der richtigen Sound-Hardware von Spielberg sehr spannungsgeladen umgesetzt.

Seit der 50er jahre gab es viele Filme, in welchen die Erde von Außerirdischen bedroht wurde. Es gab so viele, dass man eigentlich keinen richtigen Bezug mehr zum Thema der kompletten Auslöschung der Menschheit hatte. Der Gedanke dass Aliens uns angreifen würden, wurde mit der Zeit viel zu unrealistisch, als dass es einen hätte Angst einjagen können. Spielberg schafft es, dass man die Angst der Protagonisten auch zu spüren bekommt. Man erwicht sich beim Schauen bei der Frage wie schlimm es wohl wäre, wenn sowas ernsthaft passieren würde und was man wohl selbst in solch einer Situation tun würde.

Von daher: Hut ab, Herr Spielberg! Trotz kleinerer Kritikpunkte ist Ihnen ein toller Film gelungen. Alle Bedenken waren grundlos. Typische Blockbuster-Krankheiten wurden umgangen. Und doch wünsche ich mir einmal eine Verfilmung, die an den Geschehnissen des Hörspiels orientiert sind, genau zu dieser Zeit spielend, genau mit dem selben Hauptcharakter und am liebsten noch mit dem Dreibeiner-Design aus dem Beiheft zur Schallplatte. Ob ein solches Projekt je angegangen wird? Vielleicht wäre das ja auch der ideale Stoff für eine TV-Serie, jetzt wo amerikanische Fernseh-Produkte an Qualität gewonnen haben. Vielleicht bleibt die Erfüllung dieses Traumes auch immer nur ein Wunsch, wer weiß. Man kann im Leben schließlich nicht alles haben.

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