Sonntag, 4. August 2013

THE DESTRUCTOR (Prey 1978 Norman J. Warren)


Ein Lesbenpaar nimmt einen verletzten Mann auf, unwissendlich dass sie sich einen Außerirdischen ins Landhaus geholt haben, der ein böses Spiel treibt...


Auch Marsmenschen haben Hunger...

Ich bin noch immer am rätseln. War das jetzt ein gelungener oder ein schlechter Film? Interessant war er alle Male, allein schon durch seine ungewöhnliche, fast unterhaltungsfeindliche Erzählweise, untermalt von einer trockenen aber doch recht reizvollen Atmosphäre die mitten im 70er Jahre-Feeling badet, eben jenes Jahrzehnt, welches des öfteren solche schwer zu greifenden Werke hervorbrachte.

Skurril wäre das richtige Wort, um „The Destructor“ zu beschreiben, entspricht er doch nie der Norm heutiger geordneter Regeln eines Handlungsablaufs. Mit Blick des konservativen Erzählkinos benimmt sich jede Figur merkwürdig. Das Alien im Film soll allerdings auffallen, WEIL es sich merkwürdig verhält, nur sticht sein Verhalten inmitten ungewöhnlichem Tuns nicht wirklich hervor. Das sieht auf dem ersten Blick nach einem Fehler aus, ist es aber nicht. Zur zweiten Hälfte des Streifens wird uns klar, dass wir es hier mit einer naiven Heldin zu tun haben, die in der Falle sitzt. Zwei Fronten stehen ihr zur Seite, beide fragwürdig und wie sich zum Ende hin herausstellt: beide böse!

„The Destructer“ (Alternativtitel) ist sehr zäh erzählt, unnötig kompliziert und mit vielen Unnötigkeiten bestückt. Das macht ihn aber nie langweilig. Sollte jemand das "California Axe Massacre" kennen, so hätte er den idealen Vergleich. Beides sind keine wirklich guten Filme, aber ihr Mut der anderen Herangehensweise schafft es auf ungewöhnliche Art eine an sich banale Geschichte interessant zu erzählen. Das Ergebnis ist dabei nicht so frisch wie das des klassischen Erzähl-Kinos, immerhin lebt eine an sich nicht erzählenswerte Geschichte nur durch ihre ungewöhnliche Erscheinung auf. Aber es reicht zumindest um aufgeschlossenen Cineasten mal etwas anderes zu bieten, ohne gleich in den Bereich des Experimentalfilms abzurutschen.

Dass man in einem solchen Werk herzlich wenig um die Spezialeffekte geben darf, dürfte auf der Hand liegen. Die Alien-Maske ist in „Prey" (Originaltitel) schon recht billig ausgefallen. Regisseur Warren waren die erotischen Schauwerte aber ohnehin wichtiger. Die Nackedei-Szenen am Rande nerven nicht ganz so penetrant wie in manch anderen Filmen, sie sind aber dennoch tierisch unnötig, wenn man das inmitten eines Filmes, der eigentlich nur aus Unnötigkeiten besteht, überhaupt noch so behaupten kann. Zudem wirken diese Szenen nicht sonderlich erotisch. Absicht, um sie so merkwürdig erscheinen zu lassen wie den Rest des Films? Oder hat sich das Auge der Erotik in all den Jahren nur so extrem gewandelt? Vielleicht ist Warren auch einfach nur ein schlechter Regisseur und seine Erotikszenen sind so wie die Geschichte um einen mordenden Außerirdischen einfach nur unbedarft inszeniert und damit unabsichtlich auf so befremdliche Art charmant. Interessant ist zumindest, dass ein Großteil des Films wie im Weichzeichner eingetaucht wirkt, also nicht nur in seinen wollüstigen Szenen. Sicher bin ich mir jedoch nicht. Vielleicht war ja auch das Filmmaterial mit dem gedreht wurde nicht gerade das beste.

Über die Schnitte lässt sich in der deutschen Fassung wenig sagen. Manche Schnitte sind sehr merkwürdig gesetzt, könnten also zum Stil des Restfilms passen, könnten aber auch das Ergebnis der vorgenommenen Kürzungen sein. Weder die damaligen VHS-Fassungen noch die überraschenden DVD-Veröffentlichungen haben es ungekürzt nach Deutschland geschafft. Auch im Pay-TV lief „Alien Prey“ (Alternativtitel) lediglich gekürzt. Zumindest lässt sich feststellen dass das Eingreifen in die Kunst in dieser Ausnahme wohl mal positiv für die Kunst ausgefallen ist, denn wie bereits erwähnt passen die ungewöhnlichen Schnittmomente zum gesamt ungewöhnlichen Eindruck des kompletten Werkes.

Das Alien ist für die Geschichte eine ganze Zeit lang fast unbedeutend. Fast könnte man vergessen dass eine der drei agierenden Personen ein Außerirdischer ist. Letztendlich vergisst man es nur deswegen nicht, weil Warren uns geradezu penetrant daran zurückerinnert, wenn er den Fremdling zwischendurch immer wieder Funksignale senden lässt. Diese bereiten nicht nur den Schluss-Gag des Streifens vor, sondern wirken wie ein Erinnern daran, dass man in einem Science Fiction-Film sitzt und nicht in einem Psycho-Drama.

Je mehr sich „The Destructor" dem Ende neigt, desto mehr wird er zu einem Ganzen. Was zu Beginn gekünstelt wirkte, macht im weiteren Verlauf Sinn, so z.B. das strenge und extrem abweisende Verhalten der lesbischen Freundin der Heldin. Anderes akzeptiert man einfach, wenn man es aufgeschlossen tatsächlich bis zum Schluss geschafft hat. Auch wenn der Film eigentlich zu keinem großartigen Finale hinführt, so ist doch die letzte halbe Stunde auch die interessanteste.

Wer mal Lust hat Zeit filmisch auf etwas andere Art zu verschwenden, der kann sich Warrens Horrorfilm ruhig einmal anschauen. Zeitverschwendung ist er definitiv, selbst wenn er einem gefällt, hat man am Ende doch nicht wirklich eine erzählenswerte Geschichte oder eine Herangehensweise mit Talent gesichtet. Wer sich lieber nur auf den Pfaden der üblichen Sehgewohnheit fortbewegen will, der sollte sich "The Destructor" nicht mal mit 50 Meter Abstand angucken. Der tut gut daran sich mit Ignoranz vor diesem Fremdkörper zu schützen.


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