Donnerstag, 10. Oktober 2013

ES LAUERT (It Waits 2005 Steven R. Monroe)


Eine alkoholkranke Rangerin legt sich mit einem frisch befreiten Indianer-Dämon an...


Mein Freund, der Vogel...

Was soll man nur von diesem Film halten? Ich fand ihn sehr schlecht und mich wundert die für diese Art Billig-Produktion noch recht hohe OFDb-Durchschnittsbewertung von 5.03 (Stand Oktober 2013). Was könnte einem an diesem Streifen gefallen? Da fallen mir nur zwei Möglichkeiten ein. Zum einen hätten wir da die große Oberweite der Hauptdarstellerin, die diese nicht entblößt, ansonsten aber auch eher mittelmäßig aussieht dank alterndem Gesicht. Sie ist zwar sehr um gutes Schauspiel bemüht, schafft es aber doch nie Glaubwürdigkeit in ihrer Rolle aufkommen zu lassen. Dass sie keine 08-15 Schönheit ist, sehe ich persönlich als Pluspunkt des Films, ob vom Casting-Team gewollt oder nicht.

Was den zweiten halbwegs positiven Aspekt betrifft: das wäre das Finale und dessen Einleitung. Hier wird „Es lauert“ endlich ein wenig atmosphärisch. Für irgendwen, der bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht völlig genervt ausgeschaltet hat, könnte sogar ein Hauch von Spannung aufgekommen sein. Tja, und das war es ehrlich gesagt auch schon, selbst bei dem Versuch den Film rückwirkend aus den Augen eines Neulings im Horror-Genre wirken zu lassen! Regisseur Steven R. Monroe hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert als er den hier besprochenen Streifen abdrehte, auch wenn er mit „Monster Village" bewies, dass er noch tiefer sinken kann.

Und was gab es im Gegensatz auf der Negativseite zu entdecken? Da hätten wir beispielsweise einen dramatischer Unfall, der uns per Rückblicke mit nervigen Schnitten im schrillen MTV-Stil länger gezeigt wird als uns lieb ist. Dies allerdings nicht um eine furchtbar blutige Szene für die Gorehounds unter den Zuschauern zu zeigen, was noch quantitativen Sehwert für ein Teilpublikum geboten hätte, nein, man möchte damit das Drama des Unfalls hervorheben. Dies jedoch auf eine solch gewollte, reißerische und damit unehrliche Art, dass jegliches echte Mitgefühl oder Verständnis für die Situation flöten geht. Zumal sich der gewollte Aspekt auch in ein oder zwei Sätzen hätte erwähnen lassen, um der Hauptfigur einen Hintergrund für ihr zukünftiges Tun zu geben.

Nach dem Unfall erleben wir die ewige Trauerphase der Heldin bezüglich des Unfalls, eine Phase der Geschichte, in welcher eine zweite Person eingeführt wird, die sich gefühlte 10 Minuten als Hobby-Psychologe versucht, dass man sich erneut fragt, ob auch dieser Aspekt nicht mit einigen kurzen Sätzen hätte abgehandelt werden können. Denn auch hier wird krampfhaft versucht Dramatik und Tiefgang aufkommen zu lassen, und dies so unsensibel, dass alles nur plump, aufgesetzt und dank des nervigen Kitschscores im Hintergrund auch extremst nervig ausfällt.

Dass die Psychoanalyse im Bett endet ist nur der eine witzige Aspekt daran, der zumindest die Nerven des Trash-Fans streichelt. Viel lustiger fand ich es allerdings, dass der Kerl die Frau aufforderte ihm zu sagen was sie bewegt, nachdem sie ihm erzählte was sie bewegt. An dieser Stelle musste ich wahrlich laut lachen. Was für ein guter Zuhörer dieser Mann doch ist. Das war allerdings noch nicht der peinlichste Moment des Streifens. Seinen Tiefpunkt erreicht dieser Horrorfilm, wenn sich die Heldin der Geschichte mit dem Vogel ihrer toten Freundin unterhält, der laut Drehbuchautor auch noch alles zu verstehen scheint.

Er solle sie warnen wenn das Monster kommt, teilt sie ihm in einer Szene mit. Und all dies geschieht nachdem sie dem Alkohol abgesagt hat, sonst hätte zumindest der als Alibi für einen bescheuerten Drehbuch-Einfall stehen können. Zur Rechtfertigung wird innerhalb der Geschichte in seiner wissenschaftlichen Weisheit behauptet, diese Art Vogel gehöre zu den klügsten Geschöpfen der Natur. Vergesst also Schweine und Delphine. Ausgerechnet ein Vogel, eine Tierart der nachweislich nachgesagt wird, sie gehöre mit zu den hohlsten Gattungen unserer Erde, entpuppt sich in „Es lebt“ als der Einstein unter unseren tierischen Freunden.

Zu Gute halten kann man dem Film, dass die Darsteller ansonsten nicht pausenlos dümmlich handeln. Das ist in einer billig zusammengeschusterten Videoproduktion auch schon mal was, ein Aspekt den jeder Vielseher des Genres bestätigen kann. Wichtiger ist dem jedoch die eigentliche Hauptattraktion dieser Streifen, und das ist das Monster. Dies wird dem Zuschauer lange Zeit vorenthalten, womit versucht wird eine Erwartungshaltung aufzubauen, was für den Besitzer der DVD völlig unnötig angegangen wurde, da diesem das Vieh in Großaufnahme auf dem Front-Cover bereits begegnet ist. Na danke dafür, liebe Cover-Gestalter!

Zumindest weiß ich nach dem Gucken dieses Schrotts nun, warum es so wichtig war in der kurzen Inhaltsangabe selbigem Covers unbedingt auf das seelische Trauma der Hauptrolle einzugehen, nachdem diese ungefähr 30 Minuten des Films ausmacht, in der zweiten Hälfte lustiger Weise aber überhaupt keine Erwähnung mehr findet. Aber ich schweife ab: Sieht man das Monster endlich mal, erlebt man eine für einen B-Horrorfilm nett zurecht gemachte Kreatur, die spätestens dann an „Jeepers Creepers“ erinnert, wenn sie ihre Flügelchen zeigt. Vom Verhalten her erinnert die Kreatur dann aber eher an Jason aus den „Freitag der 13.“-Filmen, der es ebenso liebte Leichen zu verstecken, mit ihnen zu spielen und das Hauptopfer des Films stets aus unerfindlichen Gründen bis zum Finale in Ruhe zu lassen. Dass dieses Verhalten bei einem Dämonen eher fehl am Platz ist, ist sicher Ansichtssache, aber meine Meinung. 

Die Morde geschehen in der Regel außerhalb des Kamerablickwinkels. Das Blut spritzt an Wände, Bäume und Waldboden. Zum Ausgleich bekommen wir ein paar nett zurecht gemachte Leichen präsentiert. Da aber auch der Kameramann keine gruselige Atmosphäre trotz der guten Waldkulisse einfangen konnte, was sicherlich auch am zu steril wirkenden Farbfilter liegt, können diese Mini-Pluspunkte auch bei einem sehr gönnerhaften oder leicht zufrieden zu stellendem Publikum nichts mehr bewirken. Wäre dies ein Amateurfilm hätte man mit Sicherheit noch trotz aller Enttäuschung ein Auge zudrücken können, als professioneller Film (im produktionstechnischen Sinne) ist dies aber nicht möglich.

Die deutsche Synchronisation ist okay zu nennen. Lediglich die Sprecherin der Hauptrolle hätte ich in manchen Situationen gerne mal geohrfeigt, was spätestens dann gerechtfertigt ist, wenn sie völlig künstlich ein "aua aua" ins Mikro haucht, nachdem die Heldin im Wald gestolpert ist.

Also, egal ob Trash-Fan oder nicht: lasst bloß die Finger weg von diesem Schund. Wer Spaß an schlechten Filmen hat, soll lieber zu Werken wie "Stay Awake", „Rabbits“ und "Dark Area" greifen. Wer gar ein gelungenes Monsterfilmchen der klassischen Art sehen will, kann ja mal zu dem "Watchers"-Film aus den 80er Jahren greifen. Der macht deutlich mehr Spaß. Und wenn es unbedingt ein Dämon aus einer Indianer-Legende sein muss: schlichten Gemütern könnte auch der routiniert okay umgesetzte „Anthony 2“ gefallen.

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