Sonntag, 6. Oktober 2013

HOMO FABER (1991 Volker Schlöndorff)


Der stets sachliche Ingenieur Faber lernt auf einen Flug einen Mann kennen, dessen Bruder sich als ehemaliger Studienfreund Joachim entpuppt. Faber muss unweigerlich an Hanna denken, seine Liebe zu jener Zeit, die schlussendlich Joachim geheiratet hat. Kurze Zeit später lernt der Ingenieur auf einem Schiff die junge Elisabeth kennen, die ihn ebenfalls an Hanna erinnert. Es entsteht eine Liebschaft zwischen den beiden...


Fügung und Schicksal?...

„Homo Faber“ ist eine jener typischen Literaturverfilmungen, die ganz nach Klischee entweder geliebt oder gemieden werden. In Seelenruhe und mit allerhand Dialog bereichert wird eine scheinbar schlichte Geschichte erzählt, die ihre Hintergründigkeit ebenso wie ihren Unterhaltungswert nur jenen Zuschauern offenbart, die aufmerksam und sensibel genug sind, sich einem solchen Stoff hinzugeben.

Die gefühlvolle Geschichte wird uns aus der Sicht eines sachlich denkenden und dementsprechend agierenden Mannes erzählt, das ist einer der besonderen Kniffe dieses Stoffes, und dankbarer Weise weiß man als Zuschauer nie mehr als er und dies bis zum Schluss, so dass offene Fragen einem nach dem Sichten ebenso beschäftigen wie das was man miterleben durfte. „Homo Faber“ ist ein bewegender Film, egal ob man die Wendungen nun vorausahnt oder nicht. Und es tut gut einen Stoff zu einem Thema, das vielerorts eine reißerische, moralische oder erotische Umsetzung erfahren hätte, realitätsorientiert erzählt zu bekommen. „Homo Faber“ ist stimmig und zurückhaltend zugleich, er ist intensiv aber einfach gehalten, er ist gefühlvoll und doch sachlich erzählt. Er ist unverfälscht und manipuliert nicht, und das ist gerade in moralischer Hinsicht der Vorteil des Streifens schlechthin, geht es doch nicht um Tat und Täter, um Schuld und Unschuld, zumindest nicht in anklagender Zurechtweisung.

Die leisen Zwischentöne des Stoffes verstehend, agieren die beiden Hauptdarsteller Sam Shepard und die ein Jahr zuvor in „Hitlerjunge Salomon“ mitspielende Julie Delpy, die mittlerweile selbst sechs mal Regie geführt hat, vorbildlich und erweisen sich als perfekt harmonierend, sowohl miteinander als auch mit dem Stoff. Schlöndorff vertraut der Geschichte, die von ihren Figuren getragen wird, womit eine große Verantwortung auf den Schultern der Schauspieler lastet, und alle wissen zu überzeugen. Schön, dass man in einer kleinen Rolle auch dem unterschätzten Thomas Heinze eine Chance gab. Das wäre ein Jahr später wohl kaum noch möglich gewesen, spielte er im selben Jahr von „Homo Faber“ doch auch die Hauptrolle in „Allein unter Frauen“, die ihn kurzfristig berühmt machen sollte. Von da an engagierte man ihn nur noch für leichte Stoffe, ein Gebiet das dem hier besprochenen Werk nicht ferner liegen könnte.

Wer die nötige Muße mitbringt und sich auf sensible, unscheinbar wirkende Stoffe einlassen kann, der kann mit „Homo Faber“ ein wundervoll aufwühlendes Filmereignis erleben, das einem nach dem Sichten so leicht nicht mehr loslässt. Ich kenne die Buchvorlage nicht und kann somit nur für den Film an sich sprechen, in meinem persönlichen Falle ist dies aber sicherlich ganz gut so, hätte eine noch so gut beschriebene Figurenzeichnung doch niemals zu einer solch intensiven Identifikation mit Faber geführt, wie durch die Besetzung von Julie Delpy in der Rolle der Elisabeth, der man selbst nur all zu gern verfallen wäre.


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