Sonntag, 20. Oktober 2013

REPTILICUS (1961 Poul Bang u.a.)


Der Schwanz eines prähistorisches Reptils wird gefunden. Aus diesem einen Teil regeneriert sich das komplette Tier, reißt aus und bedroht die Menschheit. Da es aus Einzelteilen immer wieder neu entstehen kann, ist es schwierig das Tier zu bekämpfen...


Europas Godzilla...

Oh, welch positive Überraschung ist mir mit „Reptilicus“ begegnet. Trotz durchaus vorhandenem Trash-Gehaltes der unfreiwilligen Art haben wir es hier mit einem kleinen Hit des Monsterfilms zu tun. „Reptilicus“ ist der dänische Versuch am Erfolg vergleichbarer Filme aus Japan und Amerika, begonnen mit „Panik in New York“ und entfacht durch „Godzilla“, anzuknüpfen, um auch etwas vom finanziellen Erfolgskuchen abzubekommen. Ich habe die amerikanische Fassung gesehen, in welcher das Biest nicht fliegen kann, stattdessen aber Schleim spuckt, was es wiederum in der dänischen Fassung nicht kann.

Was zunächst einmal auffällt, ist die lobenswerte Einführung ins Geschehen. Der Film beginnt ruhig, baut zunächst einmal Atmosphäre auf und widmet sich den Figuren, deren Darsteller nicht negativ auffallen, was im Monsterfilm der 60er Jahre nichts selbstverständliches ist. Im Laufe der Handlung gibt es gar richtig spannende Szenen zu sichten und nicht nur die übliche Zerstörungsorgie. Auch die Musikuntermalung ist nicht ohne, und eine Prise Humor wurde ebenfalls hinzugegeben. Von seiner Konkurrenz unterscheidet sich der dänische Echsenstreifen jedoch in erster Linie inhaltlich bezüglich der Problematik das Urtier aufzuhalten. Reptilicus kann man nicht einfach bombardieren, da sich aus den zerstörten Teilen jeweils neue Geschöpfe bilden könnten.

Interessanter Weise ist „Reptilicus" im Gesamtergebnis trotzdem „nur“ wieder ein ganz netter Streifen geworden, scheitert er für mehr doch an dem, weshalb man ihn ursprünglich gucken wollte, an dem Monster. Nicht, dass der Film nach dem ersten Drittel keinen Spaß mehr bereiten würde, schließlich wird er ab dem Erscheinen der Kreatur ein prima Monster-Trashfilm. Aber er hätte vorher das Zeug zu mehr gehabt, das Zeug zu dem was man ihm vor der Einleitung gar nicht zugetraut hätte. Vielleicht kann man ihn da ein wenig mit "Phantoms" vergleichen, denn auch dort wurde die zunächst aufgebaute Spannung im Laufe der Spielzeit gegen das Monster eingetauscht. „Phantoms“ hatte den Vorteil dass die bei ihm vorhandene Kreatur nicht lächerlich wirkte. Das Urtier aus „Reptilicus“ jedoch schon.

Die Ärmchen des Viehs sehen auf dem ersten Blick so aus, als würde das Monster eine Halskrause tragen. Auf dem zweiten Blick wirkt es nur noch putzig und in seiner gescheiterten Art so lustig unnötig mit seinem Makel. Der in der US-Fassung ausgespuckte Schleim der Kreatur ist gezeichnet und, da in der eigentlichen Version nicht vorhanden, erfährt der Zuschauer bis zum Ende des Films auch nichts von dessen Wirkung. Die Leute werden angespuckt, das gemalte Grün wird größer und größer, bis es sich schließlich bildschirmfüllend ausgeweitet hat, und dann geht der Film an anderer Stelle weiter.

Lustig ist auch, dass die Flugszenen der dänischen Fassung zwar hinausgeschnitten wurden, die Bodentruppen das Vieh aber fleißig mit Flugabwehrgeräten bekämpfen. Momente wie diese outen die US-Version als die unfreiwillig komischere von beiden, was nach Sichtung des Kurzärmchen-Dinos zwar nicht mehr nötig gewesen wäre, aber welcher Trash-Fan freut sich nicht über noch mehr Nonsens?

Doch Trash-Spaß hin oder her, mit der Gestaltung der Kreatur hätte man sich dennoch mehr Mühe geben können. Das Gesicht ist starr. Nur der Mund geht auf und zu und dies auch nur sehr schleppend. Die Animation des Viechs ist also ziemlich banal, was man Dänemark als unerfahrenes Land in Sachen Monsterfilm vielleicht noch verzeihen könnte, aber dass Reptilicus zu klein ausgefallen ist, ist schon ein Fehler den man besser vermieden hätte. Die Pappkulissen überzeugen bei seiner Größe nicht, und die Glaubwürdigkeit, dass menschliche Waffen nichts nutzen, schwindet beim Anblick des zu kleinen Riesen.

Aber wie oben erwähnt besitzt „Reptilicus" auch seine Pluspunkte und diese auch außerhalb schadenfreudigem Unvermögens. So beginnt beispielsweise die Schlacht Militär gegen Riesenechse, trotz ruhigem Einstieg zu Beginn, bereits etwa nach 35 - 40 Minuten, kurz nach dem ersten Auftauchen der aus dem Schwanz neu entstandenen kompletten Kreatur. Monsterfilm-Fans sind also keinesfalls mit dem Gucken dieses Streifens falsch beraten. Einziger Haken an der Sache: man muss ihn auf englisch gucken. In Deutschland ist er leider nie offiziell erschienen, und das obwohl Dänemark Deutschland doch viel näher ist als Japan und Amerika. Ach, verstehe einer die deutsche Kinokultur!


Weitere Reviews zum Film:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen