Dienstag, 10. Dezember 2013

DAS KARUSSELL DES TODES (1996 Peter Keglevic)


Es sterben Menschen, die einst im Zusammenhang eines Diamantenraubes zu stehen schienen. Ebenso wird der damalige Entlastungszeuge, der seinerzeit eine Verurteilung der Tatverdächtigen verhindern konnte, tot aufgefunden. Higgins und seine Assistentin ermitteln...


Die vier Schlüssel...

Mit „Das Karussell des Todes“ endete der dreiteilige erste Versuch von RTL auf die damals wieder aufkommende Edgar Wallace-Welle mit aufzuspringen. Zwar ist der ebenso wie sein Vorgänger auf 45 Minuten gepresste Kriminalfall nicht so übel ausgefallen wie „Der Blinde“, an das sympathisch schrottige Ergebnis des Piloten „Die Katze von Kensington“, der auf Spielfilmlänge gedreht war, kommt aber auch er nicht heran.

Vielleicht ist es ganz gut so, dass auch „Karussell des Todes“ nicht wirklich etwas taugt, sind die fünf Nachfolger, die mit „Das Schloss des Grauens“ mit anderer Besetzung neu ansetzten, doch gelungener ausgefallen als die ersten drei Gehversuche des Privatsenders, auch wenn besagte fünf zunächst im Giftschrank des Senders gelandet sind.

Wie auch immer man zu ihnen steht, die meisten von ihnen atmeten schon eher Wallace-Flair als der hier besprochene Beitrag, der inhaltlich zwar typische Elemente eines typischen Wallace-Filmes aufblitzen lässt, in seiner Wirkung aber überhaupt nicht auf den Zuschauer überträgt. Es gibt weder eine Optik, die auf die alten Schauer-Krimis des Trivialautoren setzt, noch genügend Verdächtige, die durch eine Story mit immer neuen und wirren Wendungen schlendern.

Somit guckt sich „Das Karussell des Todes" lediglich wie ein weiterer billig heruntergekurbelter TV-Krimi in zu starrer Umsetzung, mit zu aufgesagten Dialogen, untermalt mit zu routinierter Musik, die nie die richtige Atmosphäre aufkommen lässt, und großteils besetzt mit einem Haufen untalentierter Persönchen, die außerhalb von RTL keine schauspielerische Überlebenschance hätten. Higgins Assistentin sei mal wieder an erster Stelle erwähnt, jedoch wird sie von den Schurken diesmal überboten, da diese, spätestens im Finale, zum kompletten Überagieren neigen.

Toll ist das nicht, schaut sich aber wie erwähnt nicht so komplett blöde wie „Der Blinde“, zumindest wenn man sich mit ganz schlichtem Gemüt auf das Treiben einlassen kann. Überraschungen bietet die uninspiriert erzählte Geschichten definitiv nicht, und um durchaus vorhandene interessante Ansätze richtig aufgreifen zu können, fehlten dem Film ohnehin weitere 45 Minuten, der Vorteil des Piloten und der fünf Nachfolger, in welchen Gunter Berger den Higgins spielte.

Der mag sich nicht wie der hier agierende Joachim Kemmer mit den damaligen Kriminalisten Joachim Fuchsberger, Heinz Drache und Co vergleichen lassen, passte aber besser in die 90er Jahre hinein. Der Figurentyp Higgins, wie er von Kemmer interpretiert wird, ist einfach überholt. Stören würde dies jedoch nur in einem Film, in dem wenigstens im Ansatz Wallace-Feeling erreicht wurde, aber das ist im hier vorliegenden Teil der Reihe ja nicht der Fall.

Wallace-Veteran Eddi Arent taucht in seiner würdelosen Rolle als ewig dichtender Poet übrigens auch noch ein letztes Mal auf, glücklicher Weise erst ganz am Ende und durch die Kürze seines Auftrittes nicht ganz so nervig wirkend wie in den beiden Vorgängern. In den fünf Nachfolgern durfte er (hoffentlich zur Wiedergutmachung) die ihm würdige Rolle des Sir John antreten, die ihm auch wesentlich besser steht. Zumindest erkennt man dort eine gewisse Spielfreude, im hier vorliegenden Fall ist lediglich die zu spielende Rolle eine Frohnatur.

Also: wer mit den drei Kemmer-Higgins-Filmen nicht viel anzufangen weiß (wobei ich den Piloten eigentlich ganz putzig fand), der sollte den Nachfolgern trotzdem mal eine Chance geben. Über die gibt es sicherlich auch genug zu schimpfen, aber so dröge und plump wie „Karussell des Todes“ sind sie nun wirklich nicht ausgefallen. Am besten lässt man einfach diesen und „Der Blinde“ aus. Wallace auf 45 Minuten ist einfach das falsche Format.


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