Donnerstag, 22. Mai 2014

UNZERTRENNLICH - INSEPARABLE (Inseparable 2011 Dayyan Eng)


Li will sich gerade in seiner Wohnung erhängen, da klopft Nachbar Chuck an seiner Tür. Aus der zufälligen Bekanntschaft wird eine Freundschaft, in welcher der extrovertierte Chuck Li dazu bringt aus sich heraus zu kommen...


Schädigende Einbildungen die Hilfe vortäuschen...

Das deutsche Cover zu „Unzertrennlich“ suggeriert einen Superhelden-Film, genauer gesagt eine Parodie im Stile von „Super“ und „Kick-Ass“, und wie das im Internet so ist plappern das viele nach. Mit einem solch fehlerhaften Vorwissen geht man jedoch völlig falsch an den Film heran, der eigentlich eine Tragikomödie ist, in welcher die relativ kurz aufblitzende Superhelden-Thematik nur ein Teilbereich dessen ist, auf welche Art Chuck es schafft Li zu größeren Taten zu animieren. Der gute Li hat immer alles in sich hinein gefressen. Nun teilt er aus.

Man muss nicht Einstein sein, um auf den nach etwa 30 Minuten auftauchenden ersten Storyumschwung von alleine zuvor zu kommen. Ein Mann fraß immer alles in sich hinein, hat am Tage seines Suizidversuches eine Begegnung mit jemand Fremdes, der ihm von nun an hilft Selbstbewusstsein aufzubauen, jemanden der wunderliche Dinge auf einem Hochhausdach treibt, nicht in der Wohnung wohnt von der er es behauptet hat und nie von wem Drittes Reaktionen auf sich zieht. „The Sixth Sense“ ist mit dieser Täuschung psychologisch wesentlich pfiffiger vorgegangen (wenn man zuvor weder Trailer noch die Begabung des Jungen kannte), bei „Unzertrennlich“ verrät selbst der auf dem DVD-Cover gedruckte Slogan die erste „Überraschung“: „Halb Superheld, halb Psychopath“.

Kommt nach 30 - 45 Minuten als die Wahrheit heraus, ist das nur für Denkverweigerer eine Überraschung, interessant ist der Film trotzdem, zumal er zur zweiten Hälfte hin ja auch die Aufdeckung dieser Täuschung benötigt um nun seine eigentliche Thematik, die eines zutiefst depressiven Charakters, vertiefen zu können. Nicht alles was uns gut tut ist gut für uns. Und nicht jede Form angeblicher Heilung heilt wirklich. „Unzertrennlich“ schafft was der im Ansatz interessante „Defendor“ leider nicht schaffte: er zeigt uns die Dramatik eines psychisch kranken Menschen und wie tief die seelischen Wunden gehen, wenn man seine Krankheit ignoriert.

Auch „Unzertrennlich“ ist ein Wackelkandidat. So ganz kann er nie überzeugen, allein schon weil die von Kevin Spacey so erfrischend gespielte Figur des Chuck nicht gut genug herausgearbeitet wurde. Regisseur Dayyan Eng scheint nie ganz zu wissen was er eigentlich will. Die Geschichte wird nie konsequent genug, arbeitet sich sogar Richtung kitschiges Happy End vor, was eventuell kulturell bedingt sein kann. Trotz des amerikanischen Zugpferdes Spacey ist „Inseparable“ (Originaltitel) ein chinesischer Film, in China spielend, mit Chinesen besetzt und dementsprechend auch trotz Orientierung an amerikanischen Werken in chinesische Mentalität getaucht. Das Happy End zeigt jedoch, dass die Ernsthaftigkeit der Thematik nicht komplett erkannt wurde, auch wenn es Hintertürchen gibt, die zeigen dass der Schluss nicht völlig optimistisch ausfällt.

Trotzdem weiß Engs Werk auf seine Laufzeit gesehen zu unterhalten und etwas halbwegs ungewöhnliches zu erzählen. Meist stimmt der Ton des Streifens, nur selten erhält die Erzählung atmosphärische Sprünge, dann jedoch wirklich störend, so dass man sich wieder in die Geschichte hineinorientieren muss. Nicht weil sie anders verliefe als gedacht, sondern weil die gerade angenommenen Charaktere wieder zu Theorie werden, zu Figuren in einem Film, und dann dauert es einfach bis man wieder eintauchen kann. „Unzertrennlich“ hat somit seine Schönheitsfehler, unterhaltsam ist er aber allemal, und clever, wenn auch nicht ganz so gewitzt wie von seinen Erschaffern gedacht, ist er auch. „Inseparable“ ist nur eines nicht: ein Film mit Superhelden-Thematik im Zentrum.


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