Freitag, 25. Juli 2014

COOL RUNNINGS (1993 Jon Turteltaub)


Da aus seinem Traum als Läufer an der Olympiade teilzunehmen nichts geworden ist, gründet der Jamaikaner Derrice die erste Bobmannschaft seines Landes...


Äins, zwäi, drüüüj...

Die Figuren sind Klischee-Abziehbilder mit maximal zwei Charaktereigenschaften, und die Geschichte das Paradebeispiel des Sieger-orientierten Sportfilms a la Hollywood, welches geradezu typisch den Gedanken bloß nicht aufzugeben ins Zentrum seiner dünnen Erzählung stellt. Da kann man kaum glauben, dass besagte Story auf einer wahren Begebenheit beruht. Trotz alledem ist es Regisseur Jon Turteltaub gelungen eine frische, kurzweilige Komödie abzuliefern, eine die man auch gerne ein zweites und ein drittes Mal sichtet.

Dabei liegt das Geheimrezept gar nicht mal in einer Flut an sprühender Komik. Der Humor ist recht familiengerecht brav orientiert und bietet nur gelegentlich echte Lacher. Aber dank der amüsanten Grundlage der Geschichte, ist ein Meer an großen Gags auch gar nicht nötig. Und da das Gefühlsleben besagter zweidimensionaler Charaktere den Verantwortlichen von „Cool Runnings“ wichtig war, wäre zu viel Humorpotential auch kontraproduktiv gewesen.

Turteltaub, dem wir so schöne Filme wie „Während Du schliefst“ und „Phenomenon“, aber auch Bockmist wie „Instinkt“ und „The Kid“ verdanken, schafft es durch den lockeren Umgang mit der Thematik, frei von schwermütigen Eckpfeilern wie eine mögliche Rassismus-Dramatik oder ähnlichem, eine dynamische Good Feeling-Komödie umzusetzen, frei von Innovationen, aber auch frei von Durchhängern und biederer Moral.

Das Sahnehäubchen der ganzen Sache bildet ein gut aufgelegter John Candy, der zwar nicht ganz so abdrehen darf wie in „Allein mit Onkel Buck“ und seiner besten Rolle in „Ein Ticket für zwei“, dafür aber auch sentimentale Momente geschenkt bekommt, etwas das ihm nur selten zugetraut wurde und das er bereits in „Mama, ich und wir zwei“ unter Beweis stellen konnte. Mit ihm steht und fällt der Film, und Turteltaub versteht es seine Auftritte vom Timing her perfekt zu setzen. Candys Rolle ist im übrigen auch der einzige Charakter, der glaubwürdig auch etwas unter die Oberfläche geht und dadurch im Vergleich zu den restlichen Protagonisten einen Hauch Tiefe besitzt.

Wie man sieht kann eine solche Zusammenstellung reichen um gekonnt simple Unterhaltung abzuliefern. Es muss einen nicht erst rundherum Blödheit anstrahlen, um von einem Film zum Kopfausschalten zu sprechen. Hinter dieser Ausrede verstecken sich gerne Bewunderer übelster Blockbuster-Filme. Nein, geistfrei heißt dass die Geschichte nicht zu tief greift, im Prinzip sogar das Vorhersehbare erzählt. Und ab und zu schafft es ein Film mit diesen eigentlich gar nicht so tollen Eigenschaften kurzweilig zu unterhalten, ohne dass man beim Sichten das Gefühl von Durchschnitt und Routine spürt. Wie plump das ganze war nimmt man - vorausgesetzt der Kopf war wirklich ausgeschaltet - erst hinterher wahr.


Kommentare:

  1. Ein schöner Film, den ich mir immer mal wieder anschauen kann, auch wenn er, wie du schriebst, jetzt nicht unbedingt vor "Besonderheit" sprüht, aber mir hat dieser recht unaufgeregte Stil gut gefallen.:-)

    Viele Grüße
    #Willy

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  2. Es ist wahrlich nicht leicht zu erklären warum man diesen Film mag, von daher finde ich Dein Wort "unaufgeregt" sehr aussagekräftig. Das bringt einen der Hauptaspekte auf den Punkt.

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